Heiko Mell 02.01.2016, 09:10 Uhr

Moped, Mädchen, Party, Sport

Ihre in meinen Augen sehr wertvolle Schilderung Ihres Ausbildungsweges erlaubt Interpretationen in zwei Richtungen:

a) Na also, es geht doch auch so. Die frühe Jugend genossen, später Rückstände aufgeholt, Studium vorzeigbar abgeschlossen, Berufseinstieg elegant gelöst, weiterer Weg durchaus präsentabel. Schade um jedes Moped, das Sie nicht zerlegt hätten (z. B.).

b) Für das eine oder andere Mädel findet auch der Jungmann mit sehr gutem Abi noch Zeit, wie die Erfahrung lehrt. Sein Studium gerät, wenn man mit Top-Abi einsteigt, deutlich weniger anstrengend (man verbraucht viel weniger Energie, um eine einmal realisierte Höhe zu halten als man benötigt, um sich aus den Tiefen des Durchschnitts auf das dem eigenen Potenzial angemessene Niveau hochzustrampeln). Das ist unbestreitbar. Oder um es bodenständiger auszudrücken: Wer mit einem Einser-Abi ins Studium geht und einfach sein gewohntes Niveau hält, hat dort mehr Zeit, um sich beispielsweise den Mädels zu widmen. Ihm entgeht also nichts. Und da die Erkenntnis gilt: Wie das Abi, so der Uni-Abschluss (gleichbleibender Lernaufwand unterstellt), sind bei einem Einser-Abi an der Uni noch mehr „drin“ als 1,8. Das wiederum kann völlig neue Wege öffnen – vom möglichen Einstieg in ein Konzern-Traineeprogramm bis zur Promotion. Außerdem führt ein sehr gutes Abi meist zum kürzeren Studium – oder selbiges lässt mehr Zeit für Auslandssemester bzw. -praktika.

Ich sehe aber noch ein anderes Argument: Wir alle sind – auch – das Resultat von Prägungen unterschiedlichster Art. Deren Einfluss ist generell größer, je jünger der Betroffene (noch) ist. Erfolg zu haben, zur Spitzengruppe zu gehören, nahezu alle gestellten fachbezogenen Aufgaben überzeugend lösen zu können, das prägt ungemein. Es ermöglicht dem Betroffenen, auch später fachrelevante Probleme mit souveräner Gelassenheit anzugehen. Das wiederum ist beruflich wertvoll und äußerst hilfreich, vielleicht erschließt es Wege, die anderen verschlossen bleiben. Außerdem folgt es dem in meinen Augen sehr wichtigen Grundsatz: Holen Sie in jeder Situation heraus, was in Ihnen steckt, realisieren Sie Ihr Potenzial.Ich habe nicht gesagt, es macht einen besseren Menschen aus Ihnen. Und ich habe hier oft genug dargestellt, dass Einser-Kandidaten immer auch „gut“ sind für eine Reihe anderer Probleme (denen sie jedoch nicht entgehen, wenn sie bewusst oder fahrlässig schlechte Abiturergebnisse produzieren).

Also: Nehmen Sie Ihre Begabung frühzeitig an, später wird es immer schwerer, sie erfolgreich ein- und umzusetzen.Und über Ihre Anerkennung, geehrter Einsender, die Sie meiner Arbeit hier zuteilwerden lassen, freue ich mich auch nach so vielen Serien-Jahren noch.

Antwort:

Bei der Antwort zu einer der letzten Fragen (2.647) musste ich schon sehr schmunzeln, denn ich erkenne mich wieder: Abitur 2,7, Vordiplom Maschinenbau 3,3, Hauptdiplom Fertigungstechnik 1,8. Danach Zusatzstudium Wirtschaftswissenschaften 2,0. Zwischen- und Endzeugnisse von Arbeitgebern liegen ebenfalls im Bereich 1 bis 2+.

Hätte ich nur halb so viel im Abitur gelernt wie später im Studium, wäre ich mit Sicherheit Einser-Kandidat beim Abi geworden. Aber es waren wichtiger: Moped, Mädchen, Party, Sport.

Letzten Endes habe ich dann einen erfolgreichen Berufsweg über verschiedene Karrierestufen realisieren können, nachdem ich bei einem Top-Konzern den Einstieg geschafft hatte.

Ihre Karriereberatung habe ich immer sehr geschätzt. Sie hat mich oft davor bewahrt, Fehler zu machen und sie hat mir eine gewisse Grundeinstellung vermittelt. Außerdem habe ich „unverständliche“ Abläufe im Unternehmen leichter zu analysieren und zu deuten gelernt.VIELEN DANK! Für die letzten 30 Jahre Karriereberatung.

Frage-Nr.: 2664
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 3
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2014-01-16

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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