Heiko Mell

Interner Wechsel in der Probezeit

Ich bin als Berufseinsteiger in der Probezeit Projektingenieur bei einem großen Chemieunternehmen (Bachelor Eng. Maschinenbau). Derzeit bin ich im Bereich Anlagenplanung und -bau eingesetzt. Die Arbeit macht mir Spaß. Ich bin eine Art Mittelsmann zwischen den Betrieben und der Planung, was mir auch den Kontakt zur Praxis ermöglicht.Nun ist geplant, mich an einen anderen Standort (innerhalb Deutschlands) zu versetzen, da dort absoluter Personalmangel herrscht. Dort soll ich im Projektkosten-Controlling eingesetzt werden. Die Freude über die neue Tätigkeit hält sich in Grenzen, da dort der Praxisbezug, den ich derzeit habe, und der mir sehr wichtig ist, sehr zurückgehen würde.

Nun ist mir eine interne Stellenausschreibung eines anderen Unternehmensbereichs aufgefallen. Dort wird ein technischer Sachbearbeiter für einen bestimmten Maschinentyp gesucht. Der Praxisbezug wäre noch größer als heute. Auch zu meinem Ausbildungsprofil würde die Stelle gut passen.Ich sehe mehrere Möglichkeiten:

1. Ich bewerbe mich auf dem „normalen“ Weg (ich unterstelle: als externer Bewerber; H. Mell). Erwähne ich dann die aktuelle Zeit (mehrere Monate), die ich schon als Projektingenieur im Unternehmen tätig bin? Wie wird meine Bewerbung im Unternehmen behandelt? Die Führungskräfte sprechen sich doch bestimmt untereinander ab.

2. Ich spreche mit meinem heutigen Chef und sage ihm, was ich vorhabe.

3. Ich kontaktiere den Abteilungsleiter der ausgeschriebenen Stelle und frage nach meinen Chancen unter Angabe der heutigen Tätigkeit.

4. Ich bewerbe mich nicht und lasse mich wie vorgesehen an den neuen Standort versetzen. Die neue Tätigkeit im Kostencontrolling nehme ich als Erfahrung mit und bewerbe mich zu einem späteren Zeitpunkt um eine ähnliche Stelle, wie sie jetzt ausgeschrieben ist.

Antwort:

Chefs wissen meist, was sie anrichten, wenn sie etwas anrichten. Auch Ihre heutigen Vorgesetzten wissen ganz genau, dass die Versetzung zum jetzigen Zeitpunkt für Sie ein ganz schöner „Schlag ins Kontor“ ist. Ihre ersten Monate sind damit für Ihren Lebenslauf praktisch „tot“, ein Zurück ist nicht vorgesehen, die Versetzung nach so kurzer Zeit wirft noch in fünf Jahren Fragen auf, wenn Sie sich einmal extern bewerben. Außerdem haben auch Ihre Chefs gemerkt, dass Sie weder ins Kostencontrolling, noch an den anderen Standort wollen. Dennoch haben sie so entschieden. Dafür könnte einer dieser Gründe infrage kommen:

a) Die ganze Geschichte geht vorrangig gegen Sie. Am Ende der Probezeit haben Ihre Chefs erkannt, dass Sie im heutigen Job nichts „bringen“. Aus sozialen Gründen und weil man in Zeiten des Ingenieurmangels solche Leute nicht gern entlässt, hat man intern Ausschau gehalten, hat die mit freien Stellen „gesegnete“ Abteilung Kostencontrolling gefunden und steckt Sie dahin – je weiter weg, desto besser.

In diesem Fall war Ihr heutiger Chef „Motor der Versetzungsidee“ und will Sie loswerden, egal wie. Wo Sie bleiben, ist ihm gleichgültig.

b) Sie machen gute Arbeit, berechtigen zu Hoffnungen, Ihre Leistung und Ihre Persönlichkeit erfreuen Ihren Chef. Aber mit Ihren paar Dienstmonaten sind Sie als Anfänger im „1. Lehrjahr“ natürlich noch kein unverzichtbarer Leistungsträger.

Nun kommt eine verzweifelte Anfrage einer fremden Abteilung, die an ihrem Standort einfach keine Bewerber findet, Ihr Chef hilft aus. Gehört diese Abteilung zum selben Bereich wie Ihr Chef, dann könnte der gemeinsame höhere Vorgesetzte beider Abteilungsleiter Druck auf Ihren ausgeübt haben – der wollte Sie zwar nicht abgeben, musste aber.

Haben die beiden Abteilungsleiter keinen gemeinsamen Chef, würde Ihrer kaum freiwillig einen hoffnungsvollen Mann abgeben. Und eine freie Planstelle schon gar nicht! In diesem Fall sprächen die Indizien für a.

Sie müssen unbedingt herausfinden, ob a oder b zutrifft. Notfalls fragen Sie Ihren heutigen Chef ganz vorsichtig. Und natürlich wissen alle Kollegen längst, was los ist.

Vergessen Sie die interne Ausschreibung. Wenn a stimmt, nimmt Sie intern niemand (ausgenommen das – vielleicht auch wegen seines Standortes – verzweifelte Kostencontrolling).

Ihre Idee, sich wie ein „normaler“ (externer) Bewerber zu verhalten und Ihre heutige Tätigkeit sogar zu verschweigen, ist lächerlich. Sie müssten angeben, wo Sie heute sind. Entweder also gilt a, dann nimmt diese dritte Abteilung Sie nicht oder es gilt b, dann genehmigt man jenem Abteilungsleiter Ihre Einstellung nicht – weil ja „höheres Unternehmensinteresse“ auf dem Spiel steht.Vergessen Sie auch 2., ausgenommen um herauszufinden, ob a oder b stimmt. Handeln Sie gemäß Variante 4 und begreifen Sie es als Chance. Alles andere ist unrealistisch.

Kurzantwort:

Wenn der eigene Chef den Mitarbeiter noch mitten in der Einarbeitungszeit an eine völlig andere Abteilung abgibt – könnte er auch das Ziel haben, einen für ihn uninteressanten Angestellten loszuwerden.

Frage-Nr.: 2518
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-11-04

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