Heiko Mell

Wechsel oder lieber nicht?

Ich bin Anfang 40 und war bis vor etwa 2,5 Jahren bei einem Mittelständler (A) für den Aufbau der Entwicklung und des Vertriebs eines bestimmten Produktes tätig. Meine Dienstzeit dort betrug ca. 10 Jahre.Seitdem bin ich bei einem anderen, deutlich größeren Unternehmen (B) tätig, das ebenfalls dieses Produktspektrum bedient, aber als Zulieferer für eine andere Branche tätig ist. Ich bin hier Projektleiter und fungiere als eine Art interner Dienstleister.

Nun möchte mich ein Headhunter an einen Wettbewerber (C) vermitteln, das erste Gespräch beim suchenden Unternehmen ist bereits geplant.

Ich bin ein bisschen gespalten ob dieser Begegnung. Die neue Position reizt mich schon, da sie wieder in den Vertrieb führt. Das hat mir schon in meiner vorherigen Tätigkeit viel Freude bereitet und ich war mit der Aufgabe, wie sie auch die neue Stelle verspricht, sehr erfolgreich.

Zweifel habe ich, da ich mit nicht mal drei Jahren Dienstzeit wechseln würde, noch dazu zu einem Wettbewerber. Was würden spätere Arbeitgeber (D) davon halten?

Ich würde mir für meinen weiteren Weg schon gern die Führung einer kleinen Gruppe wünschen. Wie ich mit diesem Ziel bei meinem derzeitigen Arbeitgeber (B) dastehe, weiß ich nicht (Umstrukturierungen, ständige Vorgesetztenwechsel, der aktuelle Chef geht auch bald wieder). Eine vernünftige Beurteilung zu erhalten, ist äußerst schwierig.

Kann ich also beim Kontakt mit dem Wettbewerber aktiv nach dem Thema Führung fragen? Der Headhunter hat diese Möglichkeit von sich aus erwähnt.

Antwort:

Antwort:

1. Wenn Ihnen Vertrieb bei Arbeitgeber A so viel Spaß gemacht hat, hätten Sie dieses Gebiet beim damaligen Wechsel nicht verlassen sollen. Das Tätigkeitsgebiet (Vertrieb, Konstruktion, Fertigung etc.) ist für den Aufbau einer Laufbahn grundsätzlich wichtiger als das Produkt, z. B. im Hinblick auf den „roten Faden“.

2. Da Sie gern wieder im so schmählich verlassenen Vertrieb arbeiten möchten, heute aber anderweitig tätig sind, sollten Sie Ihren heutigen Job so schnell verlassen und durch einen im Vertrieb ersetzen, wie es eben geht.

3. Die zehn Jahre bei Firma A haben Ihnen ein gutes „Polster“ gegeben, da können Sie jetzt ruhig schon nach knapp drei Jahren wechseln. Dann allerdings ist das „Polster“ verbraucht, die neue Dienstzeit bei C sollte wieder mehr an die fünf Jahre herankommen.

4. Für den Einstieg in die Führung wird es altersmäßig höchste Zeit. Bei Ihrem nächsten Arbeitgeber (C) muss es klappen! Entweder direkt beim Einstieg oder als – immer etwas unsichere – Option in zwei bis drei Jahren.

5. Wären Sie heute im Vertrieb und würden Sie vom Headhunter angesprochen, müssten Sie bei Ihrer Zielsetzung den sofortigen Einstieg in die Führung zur Bedingung machen (wer angesprochen wird, darf fordern). Allein Sie sind es nicht, da müssen Sie akzeptieren, dass der neue Arbeitgeber Sie erst einmal ausführend im für Sie jetzt wieder neuen Vertrieb „testen“ will (Bewährung). Melden Sie aber Ihre Wünsche auf spätere Führung (in zwei bis drei Jahren) klar an – wenn das intern dort nicht geht, wird man Sie gar nicht erst einstellen. Was der Headhunter dazu sagt, ist unverbindlich. Es zählt nur, was der künftige Chef sagt!

6. Wenn Sie kein ausdrückliches Wettbewerbsverbot (mit Karenzentschädigung!) im Vertrag haben, dürfen Sie zum Wettbewerb gehen. Ärgern wird sich darüber höchstens Ihr heutiger Arbeitgeber B (ggf. Zeugnis!). Spätere Arbeitgeber (D) sehen das eher gelassen. Am besten wechseln Sie beim nächsten Mal nicht wieder zum Wettbewerb, sondern in eine etwas andere Branche oder in einen anderen Produktbereich – dann merkt dieser Arbeitgeber (D) gar nicht, dass Sie damals zum Wettbewerber gegangen sind. Definition: Zwei Kfz-Zulieferer, von denen der eine Fensterscheiben, der andere Reifen liefert, sind keine Wettbewerber. Und beim Vertriebs-Bewerber ist meist der vergleichbare Kundenkreis für den Bewerbungsempfänger interessanter als das identische Produkt bei völlig anderen Kunden.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2432
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 38
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2010-09-22

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist ein deutscher Personalberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI-Nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI-Nachrichten.

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