Heiko Mell

Industrie, Post-Doc und zurück?

Ich bin kurz davor, meine Industrie-Promotion abzuschließen. Seit dem Ende der praktischen Promotionsarbeit arbeite ich als Ingenieur in einem mittelständigen Unternehmen (tun Sie nicht, wie ich beweisen kann, H. Mell).

Da mir die wissenschaftliche Arbeit sehr viel Spaß gemacht hat, habe ich gedacht, mich auf eine Post-Doktoranden-Stelle im Ausland zu bewerben. Wie sehen Sie den „Wiedereinstieg“ ins Berufsleben (deutsche Industrie) nach einem ein- bis zweijährigenPost-Doc-Aufenthalt im Ausland?

Wird diese Erfahrung von Unternehmen gewürdigt oder werde ich aufgrund der Post-Doc-Stelle als „arbeitsunwillig“ bzw. „industrieuntauglich“ abgestempelt?

Antwort:

Nehmen wir einmal an, Sie werden später anlässlich Ihrer Wiedereingliederung die Dinge in Bewerbungen so schildern wie hier, dann hätten Sie zwei Probleme.

Nein, eigentlich drei – weil Sie zusätzlich zu den beiden anderen den Typ des Unternehmens, bei dem Sie arbeiten, nicht richtig schreiben können. Es gibt keine mittelständigen Unternehmen, es gab nie mittelständige Unternehmen und es wird – hoffentlich – auch nie mittelständige Unternehmen geben. Ich erkläre das jetzt nicht mehr, ich weise nur noch darauf hin. Sie können selbst herausfinden, wo der Fehler liegt.

Aber seien Sie gewarnt: Promotion und Post-Doc-Aufenthalt im Ausland in Ehren, aber Sie können durchaus bei späteren Bewerbungen um Stellen bei diesem fraglichen Unternehmenstyp an diesem Fehler scheitern. Wissen Sie, die Automobilindustrie schätzt deutsche Bewerber auch nicht, die sich vorne ihrer Promotion rühmen und hinten beispielsweise „Automobiel“ schreiben. So, das musste sein.

Ihre Darstellung macht folgende Interpretation wahrscheinlich: Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Universitätsstudium haben Sie während der praktischen Promotionsarbeit bei Industrieunternehmen A gearbeitet. Dann sind Sie,warum auch immer, zum kleineren Unternehmen B gewechselt, während dieses neuen Anstellungsverhältnisses wollen Sie alles abschließen, was mit der Promotion zusammenhängt und dann für ein bis zwei Jahre als Post-Doc ins Ausland gehen.

Diese Interpretation geht auf Ihre Formulierung „in einem mittel…“ zurück, die Sie im zweiten Satz gebrauchen. Wären Sie immer noch beim ersten Unternehmen, hätten Sie „in diesem mittel…“ geschrieben.

Sie haben also nicht nur praktische Erfahrungen in einem Industrieunternehmen gesammelt, sondern sogar in zweien. Dann haben Sie entschieden, dass die Beschäftigung mit der Wissenschaft „mehr Spaß“ macht, brechen alles ab und gehen zurück in die heile warme Welt universitärer Forschung. Alles gut bis dahin. Aber wenn Sie dann zurückkommen wollen in die Industrie, dann tragen Sie symbolisch ein Schild auf der Brust „Jetzt komme ich, der Not gehorchend, in die Welt zurück, die ich kenne, aber nicht schätze – die für mich schon früher nur zweite Wahl war“. Oder „Wenn ich könnte wie ich wollte, ginge ich zu euch gar nicht hin“.

Das alles hängt nicht ausschließlich an dem zu vermutenden zweiten Industrieunternehmen – das würde auch bei nur einem Betrieb gelten, der zweite verstärkt nur den Eindruck.Das zweite Problem führt zu einer deutlichen Einengung Ihrer Marktchancen nach der Rückkehr, wenn Sie auf breite Einsatzmöglichkeiten Wert legen: Uni- Studium + Promotion (das gilt für die Industriepromotion sogar ganz besonders) verleihen eine Basis, die problemlos ausreicht, um in einem Industrieunternehmen mit 300 Mitarbeitern Geschäftsführer oder in einem Konzern mit 30.000 Mitarbeitern Vorstandsvorsitzender zu werden. Mehr an Ausbildung ist nicht erforderlich.

Was aber über das Erforderliche hinausgeht, kann schaden. Wie Sie selbst schreiben, dient die Post-Doc-Anstellung der Vertiefung der wissenschaftlichen Basis und/oder dem Faktor „Spaß“. Für Ersteres gibt es im Regelfall in typischen Mittelstandsunternehmen gar keinen Bedarf, an Letzterem

Kurzantwort:

1. Schule, 2. Uni, 3, industrielle Praxis, das sind im Normalfall einer typischen Berufslaufbahn einzelne, in sich abgeschlossene und aufeinander aufbauende Phasen – zwischen denen man nicht ohne sehr guten Grund anders als in der klassischen Reihenfolge wechseln sollte. Ein Sprung gegen diese Regel ist zwar möglich, ein Zurück dann jedoch nur schwer.

stoßen sich alle Unternehmenstypen – außerdem passt Post-Doc in dieser Konstellation am besten zur Konzernforschung, die es auch in vielen größeren Häusern gar nicht mehr gibt.

Sie liefen also Gefahr, sich für den allergrößten Teil des Mittelstands und für über 90 % aller Konzernarbeitsplätze eher weniger interessant zu machen.

Bevor ich besorgte Anfragen bekomme: Ganz anders kann das aussehen, wenn man beispielsweise am Lehrstuhl promoviert und unmittelbar danach eine Post-Doc-Stelle annimmt. Aber man verlässt in Deutschland die betriebliche Praxis, die sich ja als Kern und Ziel des ganzen Berufskomplexes mit Ausbildung und Tätigkeit sieht, nicht wieder, um in die „warme heile Welt“ von Uni und Institut zurückzukehren (die mehr „Spaß“ bereitet hat).

Frage-Nr.: 2308
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 17
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2009-04-22

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