„Technikbegeisterung beim Nachwuchs fördern“ (Vorpraktikum) I

(Anmerkung H. Mell: Es ging um einen Schüler der 11. Klasse, der gerne Ingenieurwissenschaft studieren würde, aber mit seinem Bemühen um den vorgeschriebenen Vorpraktikumsplatz erfolglos blieb; ich hatte die Leser gebeten, mit Tipps und Erfahrungsberichten zu helfen, weil jeder Ingenieur aufgerufen ist, die Begeisterung der Jugend für Technik nach Kräften zu fördern und zu unterstützen. Nachfolgend Auszüge aus den Zuschriften:)Leser A: Es ist nicht unbedingt notwendig, sich den Praktikumsplatz bei den „Großen“ der Automobil- oder Maschinenbaubranche zu suchen. Es ist durchaus möglich, sich in der Umgebung bei den kleinen Schlossereien umzusehen. Dort hat man auch die Möglichkeit, viel mehr an Bereichen zu sehen bzw. auch einmal ein Projekt von der Planung bis zur Realisierung zu erleben. Außerdem werden diese Dinge dort noch praktisch gemacht. Bei großen Firmen übernehmen dies Bearbeitungszentren und CNC-Maschinen.Ich habe seinerzeit tatsächlich die Schlossereien am Ort gefragt (Telefonbuch raus und los!) und sogar noch am selben Tag eine gefunden, bei der ich gleich vorbeikommen konnte. Ich erhielt sofort eine Zusage.Leser B: Eine angehende Studentin, die in dieser Woche bei mir am Institut für … ihr Vorpraktikum beendet, hat mir tatsächlich von ähnlichen Problemen und langen Wartezeiten berichtet.Ein halbes Jahr Vorlauf auch bei einem Schülerpraktikum ist bei uns nicht unüblich.Wer kurzfristig einen Praktikumsplatz braucht oder Wert darauf legt, einen motivierten Betreuer zu haben und nicht nur jemandem zugewiesen zu werden, kann folgendes versuchen, was unsere Praktikanten erfolgreich gemacht haben: gute Noten vorweisen – das motiviert Betreuer, sich freiwillig zur Verfügung zu stellen, weil man eventuell produktiv mit dem Kandidaten arbeiten kann; einen klaren Bezug zu technischem Vorwissen angeben: mit Preisen bei „Jugend forscht“, „Bundeswettbewerb Mathematik“ o. Ä. imponieren; einen Empfehlungsbrief unseres Vorstandes beiliegen: Einen solchen hausinternen Wunsch kann man so gut wie nicht ablehnen.Mein Rat wäre die Bewerbung an einer Stelle, wo auch Lehrlinge ausgebildet werden, dann kann man als Praktikant mitlaufen.Leser C: Hier noch ein Tipp für Leute, die ein Vorpraktikum suchen und nichts finden: Lasst euch von einer Firma, die ihr bezahlt, einfach “ne Praktikumsbestätigung ausstellen, es kontrolliert sowieso niemand. Firmen, die infrage kommen: Kfz-Werkstätten, bei denen Mami oder Papi Kunde sind!!!Leser D: Für mich bedeutet die ablehnende Haltung der Industrie, dass diese es nicht für nötig hält, den jungen Menschen eine Option zu geben. Irgendwann in ferner Zukunft … wird dies für Deutschland sehr teuer zu bezahlen sein. Ich kann dem jungen Mann nur empfehlen: Wenn es in Deutschland nicht funktioniert, soll er ins Ausland gehen, um dort sein Praktikum zu machen. Deutsche sind dort sehr herzlich willkommen. Dies bedeutet für ihn zunächst eine große Überwindung, wird sich aber später auszahlen. Denn er kann dann im Lebenslauf ein Auslandspraktikum angeben – eine Trumpfkarte im späteren Spiel um den optimalen Berufseinstieg.Das Wichtigste ist allerdings: Er soll nicht aufgeben und sich nicht unterkriegen lassen. Die Maxime ist: Wenn die Firma mich nicht will, dann haben die mich auch nicht verdient.Leser E: Ich habe bei 64 Firmen angerufen. Die großen Firmen hatten schon ihr Praktikantenlimit erreicht. Mittelständische und kleine Unternehmen wussten oft nicht einmal, was genau ein Maschinenbau-Vorpraktikum ist und sagten dann ab. Von den 64 angerufenen Firmen haben mir etwa 10 empfohlen, ich solle mich einfach schriftlich bewerben.Von zwei 50-Mann-Betrieben habe ich dann ein Zusage bekommen und diese wahrgenommen. Empfehlenswert ist ein Praktikum bei solch kleinen Firmen nicht unbedingt, da man oft auf sich alleine gestellt ist und häufiger auch „Deppenarbeit“ (Aufräumen, Putzen, einige Tage Fließbandarbeit) machen soll.Meine Tipps: Sich ca. 4 Monate vor Praktikumsbeginn bewerben; unbedingt versuchen, in ein großes Unternehmen zu kommen, da diese in der Regel Erfahrung mit Praktikanten haben; bei weniger großen Betrieben versuchen, Kontakt mit den Ingenieuren oder noch besser (Hallen-)Meistern aufzunehmen, da diese besser einschätzen können, ob das Unternehmen einen Praktikanten beschäftigen kann; wenn man sowieso woanders studieren will, sich auch bei den Firmen in der Uni-Gegend bewerben und dann schon für ein Praktikum dort hinziehen.Leser F: Es muss nicht notwendigerweise eine offiziell als „Praktikum“ deklarierte Tätigkeit sein. Auch ein Ferienjob in einem entsprechenden Betrieb wurde bei entsprechender Dauer von unserem Zulassungsamt (Fach-/Hochschule) anerkannt. Dann sollte man aber schon ein Arbeitszeugnis vorlegen können, das mehr hergibt als den reinen Beschäftigungszeitraum. Möglich wäre auch die Verlängerung des bei jener Fachhochschule ohnehin notwendigen Praxissemesters. Dies hat den Vorteil, dass man leichter an einen Platz herankommt, da viele Firmen Praktikanten eher länger denn kürzer beschäftigen.Ich empfehle, sich auf alle Fälle mit dem Zulassungsamt seiner Hochschule/Universität in Verbindung zu setzen. Dort erklärt man sicher gern, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, den Passus „Vorpraktikum“ zu erfüllen. Weiterhin empfehle ich Kontaktaufnahme zur entsprechenden Studierendenvertretung (Fachschaft oder ersatzweise AStA).Leser G: Ich bin Student des Maschinenbaus und musste mich mit demselben Thema auseinandersetzen. Eine Bewerbung in der 11. Klasse ist doch ein wenig verfrüht. Sie sollte drei bis sechs Monate vor dem Vorpraktikum erfolgen. Letzteres sollte zeitnah zum Studium oder – nicht empfohlen, aber machbar – in den ersten Semesterferien stattfinden.Das Vorpraktikum ist so gehalten, dass man wichtige Möglichkeiten der Materialbearbeitung kennenlernt, dass die Technikbegeisterung dabei jedoch eher ab- als zunimmt. Man wird meist mit den Auszubildenden gemeinsam unterrichtet und betreut.Es ist tatsächlich nicht leicht, einen Platz zu finden, da das Vorpraktikum für die Firmen hauptsächlich ein Negativgeschäft ist. Höchstens kleinere Betriebe oder unbekannte Mittelständler können von einem gesteigerten Bekanntheitsgrad profitieren. Spricht man sie gezielt an, so findet man nach etwas Suche einen Praktikumsplatz.Viele große und bei Ingenieuren beliebte Firmen bieten kaum Plätze an. Das ist für mich unverständlich. Darunter leidet auch ihr Image bei Studenten. Mein Aufruf an manche Firmen: Nehmt einen Teil der Verantwortung wahr und investiert in solche Stellen.Leser H: „Mein“ Betrieb, bei dem ich ein Praktikum absolvierte, bildet in einer eigenen Lehrwerkstatt ca. 70 Auszubildende aus – und ließ mich dort mitlaufen. Das war für mich ideal. Von Kommilitonen weiß ich, dass die technisch-pädagogische Betreuung anderswo weniger gut war. Mein Rat lautet, sich bei Unternehmen zu bewerben, die eine Lehrwerkstatt betreiben.Leser I: Die Schwierigkeiten, ein passendes Praktikum zu finden und die schlechte dort gebotene Ausbildungsqualifikation führte dazu, dass an der FH … bei der Planung des Bachelorstudiengangs das Vorpraktikum im Fakultätsrat diskutiert und abgeschafft wurde. Wir haben das alle sehr bedauert, leider nahm die Qualität der Vorpraktika in den letzten Jahren rapide ab, fast niemand konnte ein Praktikum im Sinne der Studienordnung vorweisen. Leider führt das natürlich dazu, dass wir nun wieder stark theorielastige Ingenieure ausbilden.Leser J: Zusammenfassend würde ich nach Auswertung der von unserer Tochter gesammelten Erfahrungen behaupten, „Vitamin B“ ist nach wie vor notwendig. Der Notendurchschnitt schien keine so große Rolle zu spielen, da ein „Nein“ praktisch immer vor dem Einreichen der Bewerbung schon auf die (telefonische) Anfrage hin kam. Nach Praktikumsbeginn kann der Stress aber erst richtig beginnen, wenn der Praktikant den Anspruch hat, auch etwas lernen zu wollen. Konzerne jammern zwar über den fehlenden Ingenieur-Nachwuchs, wollen aber dafür nicht allzu viel tun. Glücklicherweise gibt es immer wieder engagierte Mitarbeiter, die es „nebenbei“ noch schaffen, jungen Leuten die hohe Motivation weitgehend zu erhalten.Leser K: Trotz eines guten Abiturs mit passenden Leistungskursen hatte ich große Schwierigkeiten, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Die Begründung der Firmen war in der Regel, dass sie keine Praktikanten ohne Vordiplom nehmen, weil diese zu wenig Erfahrungen haben und es außerdem Probleme mit der Versicherung gibt.Ich habe es daher noch bei einer kleineren Maschinenbaufirma (36 Mitarbeiter) versucht, welche mir auch gleich eine Zusage erteilte. Von Freunden weiß ich, dass auch sie alle eher in kleineren Firmen untergekommen sind, was kein Nachteil sein muss, ganz im Gegenteil.Also sollte man es anfangs bei kleineren Firmen in der Umgebung versuchen.Leser L: Für dieses Problem gibt es zwei unterschiedliche Lösungsansätze bei meinen Sudenten, die es ja letztlich doch alle schaffen, ein entsprechendes Praktikum zu erhalten:Man bewirbt sich nicht auf dem „freien Markt“, sondern nutzt Beziehungen (Verwandte, die auch Ingenieur sind).Sonst bleibt nur, die Ansprüche extrem herunterzuschrauben. Gerade kleine Unternehmen stellen eigentlich gerne Praktikanten ein, vor allem während der Haupturlaubszeit. Natürlich ohne Gehalt für eine ca. 40-Stunden-Woche als schnell angelernter Mitarbeiter. Das bedeutet einerseits häufig eine Ausbeutung der Praktikanten, aber andererseits kann jemand, der sich wirklich interessiert, auf diese Weise sehr viel lernen.(Anmerkung: Beide Varianten sind zumindest im konservativen Bayern für Studentinnen deutlich schwieriger.)

Antwort:

Danke für das große Engagement in diesem speziellen Fall. Ich muss meinen Kommentar ausnahmsweise auf die nächste Folge verschieben. Ebenso die Auswertung der Bewerbung des damaligen Einsenders.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2260
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2008-09-24

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