Heiko Mell

Erhalt der universellen Einsetzbarkeit

Ich bin Dipl.-Ing. (FH) Konstruktion und Entwicklung. Nach zwei kurzen Arbeitsverhältnissen bin ich seit etwa einem halben Jahr beim renommierten größeren Unternehmen XY als Konstruktionsingenieur angestellt.

Ich möchte nun drei bis fünf Jahre hier bleiben. Da ich noch nicht viel Berufserfahrung gesammelt habe, wollte ich zunächst in der Konstruktion bleiben. Besonders auch deshalb, weil mir genau diese Erfahrung die Möglichkeit geben würde, nach diesen Jahren eventuell zu anderen Arbeitgebern zu wechseln. Dabei spielen dann auch spezielle Ortswünsche eine wichtige Rolle. Konstruktionsingenieure werden überall gebraucht und anspruchsvolle CAE-Techniken, wie ich sie hier einsetze, machen mir viel Spaß.

Nun habe ich von meinem Chef ein Angebot über eine Position als Ingenieur in der Entwicklung bekommen. Ich müsste die Konstruktion komplett verlassen und würde mich als Entwicklungsingenieur um Fragen der Produktzuverlässigkeit kümmern, Versuche fahren, Daten auswerten, Schäden analysieren usw.

Wäre es ein Aufstieg, in diese Position zu wechseln? Wäre es empfehlenswert, die Stelle anzunehmen? Wie wertvoll wäre diese Erfahrung im Bereich „Zuverlässigkeit“ im Hinblick auf einen späteren Wechsel? Käme ich durch diesen Wechsel unwiderruflich auf die QM-Schiene?

Antwort:

Wir müssen hier das Allgemeine vom Speziellen (Ihre individuelle Situation) trennen:

a) allgemein: Das mir gegenüber benannte Unternehmen ist, was man so von außen her weiß, ein Top-Arbeitgeber. Bei dem würde man sich normalerweise auf viele Jahre hinaus einrichten und langfristig planen. Konstruktion und Entwicklung sind eng verwandt (daher bei Ihnen offenbar auch der gemeinsame Chef über beidem). Wer bei einem Unternehmen langfristig bleiben will, sollte unbedingt für neue Aufgaben/interne Wechsel aufgeschlossen sein, gemeinhin fördert das die interne Karriere.

Die Thematik „Produktzuverlässigkeit“ ist anspruchsvoll, schmückt einen jungen Ingenieur, bietet ihm Chancen, sich auf einem wichtigen Gebiet durch Leistung zu profilieren und sich eines Tages vielleicht für Weiterführendes zu empfehlen. Keinesfalls sollte man davon ausgehen, als Spezialist für dieses Gebiet in Rente gehen zu müssen. Neue Projekte, interne Wechsel o. Ä. würden in Zukunft vermutlich dann auch neue Chancen in der Entwicklung erschließen.

Außerdem ist es grundsätzlich ratsam, solche „Vorschläge“ eines Chefs sehr ernst zu nehmen.Unter diesen Aspekten spräche viel bis alles für die Annahme des Angebots.

b) Sie speziell: Da bin ich sehr viel skeptischer! Sie sprechen von „zwei kurzen Arbeitsverhältnissen“ vor dem derzeitigen – und im heutigen sind Sie auch erst einige Monate tätig. Ich würde an Ihrer Stelle jetzt nicht schon wieder wechseln und damit diesmal zwar kein neues Arbeitsverhältnis anfangen, aber ein völlig neues Tätigkeitsgebiet. Sie haben fast drei Berufsjahre „verschlissen“ – und halten nichts in der Hand, was sich entsprechend vermarkten ließe. Sie brauchen irgendeine Art von Wechsel so nötig wie einen Kropf.

Außerdem ist jeder Neuanfang (auch der nach einem internen Wechsel) ein ziemliches Risiko – man kann auch scheitern. Sollten Sie beispielsweise etwa sechs bis achtzehn Monate nach dem Wechsel ins neue Fachgebiet (aus welchen Gründen auch immer) Ihren Job verlieren, würde der Arbeitsmarkt äußerst skeptisch reagieren: „In der Konstruktion dort wollten sie ihn nicht haben und aus dem Zuverlässigkeits-Fachgebiet hat man ihn jetzt rausgeworfen.“

Nein, Sie sollten bleiben, wo Sie sind. Das passt auch besser zu Ihren Plänen hinsichtlich späterer Wechsel aus regionalen Gründen (die ich nicht unterstütze, aber das ist ein anderes Thema).

Und: Nein, einen direkten Aufstieg würde ich in der Übernahme der möglichen neuen Position nicht sehen. Ja, diese Funktion hat QM-Elemente, aber solange Sie in der Entwicklung angesiedelt sind, tragen Sie noch kein „Q-Brandzeichen“ (nicht negativ gemeint). Sie hießen dort ja Entwicklungsingenieur.

Bleibt Ihr Chef. Man lehnt seine Offerten nicht einfach ab, das könnte ihn verärgern. Sagen Sie ihm etwa dies:

„Ich habe über Ihr Angebot sehr intensiv nachgedacht und mir ist die Entscheidung nicht leichtgefallen.

Zunächst bedanke ich mich sehr für das Vertrauen, das Sie mir nach so kurzer Dienstzeit hier entgegenbringen. Darüber habe ich mich ganz besonders gefreut.

Ich sehe in der angebotenen Position ein hochinteressantes, herausforderndes und für das Unternehmen wichtiges Aufgabenfeld. Grundsätzlich hätte ich das gern übernommen.

In meinem speziellen Fall jedoch muss ich berücksichtigen, dass mein Lebenslauf bereits zwei zu schnelle Wechsel aufweist. Jetzt bin ich erst wenige Monate in diesem für mich neuen Aufgabengebiet und in meinem Stammgebiet Konstruktion. Wenn ich jetzt schon wieder etwas Neues anfange, verliert mein Laufbahnprofil jede Überzeugungskraft auf eventuelle spätere Leser.

Außerdem mag ich meine Tätigkeit in der Konstruktion sehr und würde sie derzeit äußerst ungern aufgeben. Vielleicht kommt Ihr Angebot für mich einfach zu früh. Zwei bis drei Jahre später sähe ich das vermutlich anders.

Also noch einmal vielen Dank, aber ich würde sehr gern meine bisherigen Aufgaben weiter lösen dürfen. Ich hoffe, Sie sind mit mir zufrieden und ich darf das Angebot als Anerkennung werten.“

Kurzantwort:

Bei der Entscheidung über angebotene in- oder auch externe Wechsel ist stets das berufliche „Vorleben“ zu berücksichtigen. Der eine Lebenslauf vertrüge jetzt eine Veränderung, dem anderen würden eher Ruhe und Kontinuität gut tun.

Frage-Nr.: 2162
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 40
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-10-05

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