Heiko Mell

Der Wechsel war ein Reinfall

Vor einigen Monaten habe ich, nachdem ich abgeworben wurde, meine Stelle gewechselt. Zuvor hatte ich nach Studienabschluss zwei Jahre in einer Entwicklungsabteilung gearbeitet, wo die Arbeit mir großen Spaß gemacht hatte. Leider zeichneten sich dort keine Aufstiegschancen ab, so dass ich das Angebot angenommen habe, mit deutlichem Gehaltssprung zu wechseln.

Der neue Job ist eher eine beratende Tätigkeit im Ausland mit späterem Wechsel zurück nach Deutschland. Leider jedoch hat der neue Job nur einen sehr geringen technischen Anspruch, wodurch ich mich unterfordert fühle und schlecht motiviert bin. Eine Besserung ist auch nach Gesprächen mit dem Arbeitgeber nicht in Sicht. Auch die in den Vorgesprächen angedeutete Übernahme größerer Verantwortung lässt sich (auch in naher Zukunft) nicht erkennen.

Ich habe meine alte Stelle in einem guten Einvernehmen mit dem Arbeitgeber verlassen und auch für den Fall der Fälle ein Angebot zur Rückkehr bekommen.

Halten Sie es für zweckmäßig, wieder zum alten Arbeitgeber zu wechseln und dort eventuell einen etwas erweiterten Verantwortungsbereich auszuhandeln? Wie würde ein solcher Wechsel im Lebenslauf gewertet?

Antwort:

Es hatte Ihnen dort gefallen. Wegen fehlender Aufstiegschancen hatten Sie diese Position aufgegeben. Als Berufsanfänger mit inzwischen zwei Jahren Praxis. Das war total falsch! Denn einen Mitarbeiter mit diesen Daten befördert ohnehin noch niemand – ob es dort nun Chancen gibt oder nicht. Vor fünf Jahren in der ersten Stelle brauchen Sie nicht in Panik zu geraten – ein Aufstieg alle fünf Jahre reicht absolut, um noch rechtzeitig Geschäftsführer zu werden.Für diesen Fehler zahlen Sie nun einen Preis, den Sie sich aussuchen können:

a) Rückkehr: Dann feixen eventuell die Kollegen, im Lebenslauf werden der erste Wechsel und die kurze Dienstzeit beim heutigen Unternehmen deutlich. Und Sie können so bald nicht wieder von diesem Arbeitgeber weggehen – Sie machten sich ja lächerlich. Hauptnachteil: In wenigen Monaten wären Sie wieder so weit wie damals, als Sie dieses Haus verlassen wollten.

b) Bleiben, wo Sie sind: Dann erwerben Sie Auslandserfahrung (sehr wichtig!). Sie müssen nur die „technische Unterforderung“ für zwei bis drei Jahre ertragen, haben danach aber alles rückstandslos überstanden, Sie belasten Ihren Werdegang nicht. Und wenn Sie von vierzig Berufsjahren vielleicht zwei unterfordert verbringen, sind das 5 %. Das lässt sich verkraften.

c) Sie wechseln erneut, zum dritten Arbeitgeber. Vorteil: Eine Art Neustart mit neuen Chancen; auffällig wäre nur die extrem kurze Dienstzeit jetzt. Aber da Ihr Einsatz im Ausland erfolgt, lassen sich leicht Gründe finden, mit denen man jetzt und in zehn Jahren diesen schnellen Wechsel begründen kann. Klappt dann das Engagement beim dritten Arbeitgeber (Tätigkeitsdauer fünf Jahre oder mehr), war die zweite Firma nur eine unbedeutende Episode.Fazit: a gebe ich 10, b 2 und c 5 „Risikopunkte“.

Kurzantwort:

Wer ein Unternehmen wegen „fehlender Aufstiegschancen“ verlässt, irgendwo anders arbeitet und bald danach zurückkehrt, ohne aufgestiegen zu sein, wirft Fragen auf.

Frage-Nr.: 2139
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 27
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-07-06

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