Heiko Mell

Wer den Vorschlag macht, hat das Projekt „am Hals“

Meine Beförderung zum Leiter des aufzubauenden Wissensmanagements gründete sich darauf, dass ich den Entwicklungsleiter von der Notwendigkeit einer Einführung dieses Instruments überzeugen konnte.

Eigentlich hatte ich nicht vor, auch gleich mit dieser Aufgabe betraut zu werden. Mit der Übernahme dieser Position war ich leider von meinem ursprünglichen Ziel abgekommen. Etwa 1,5 Jahre später bewarb ich mich daher …

Antwort:

Ich habe diesen Aspekt aus einer längeren Zuschrift herausgegriffen, um ihn separat abzuhandeln. Dieses Beispiel ist so schön „typisch“.

Beim Militär galt immer schon eine ganz klare Regel: Wer sich mit Vorschlägen in den Vordergrund drängt, hat schnell die Ausführung „am Hals“. Und zivile Vorgesetzte kennen den Trick natürlich inzwischen auch.

Man muss sich das etwa so vorstellen: Jeder Verbesserungsvorschlag ist grundsätzlich ja auch eine Kritik am Bestehenden. Und für Letzteres ist der Vorgesetzte verantwortlich. Wenn also im Krieg der junge Leutnant Müller zu seinem vorgesetzten Offizier sagt: „Man müsste einen Stoßtrupp hinter die feindlichen Linien schicken, um die Lage zu erkunden und möglichst auch Gefangene zum Verhör mitzubringen“, dann empfindet das der Vorgesetzte als Vorwurf: „Du hast es versäumt, einen Stoßtrupp … Aber ich habe daran gedacht, siehe, wie klug ich bin.“ Also ärgert der Vorgesetzte sich. Wenn sein junger Offizier damit auch noch Recht hat, ärgert er sich doppelt.

Den Vorschlag abzulehnen, ist gefährlich, vor allem, wenn er richtig war. Vielleicht muss sich der Vorgesetzte eines Tages auch noch dafür verantworten, das Richtige unterlassen zu haben. Und vielleicht läuft der „junge Hitzkopf“ auch noch überall herum und erzählt, er hätte ja die einzig richtige Maßnahme vorgeschlagen, aber der verantwortliche Einheitsführer hätte es abgelehnt. Und nun sehe man ja, was man davon habe.

Also gilt für den Vorgesetzten, was immer gilt: Es muss etwas geschehen! Das muss vor den kritischen Augen höherer Dienstgrade Bestand haben – und es kann nicht schaden, wenn bei der Gelegenheit dieser vorlaute junge Kerl „eins auf die Mütze“ bekommt. Die Lösung: „Gut, Leutnant Müller, einverstanden. Nehmen Sie sich drei Leute aus Ihrem Zug und gehen Sie nach Einbruch der Dunkelheit los. Viel Glück dabei.“ Geht das gut, war es eine Aktion in der Verantwortung des Vorgesetzten, Ruhm fällt auf sein Haupt. Geht das schief, hat er ein gutes Gewissen: Müller hat es ja selbst vorgeschlagen. Nun, und den anderen jungen Offizieren mag das dann eine Mahnung sein, Vorschläge zu formulieren, die „man müsste“ lauten und heißen könnten „Sie haben versäumt, …“.

Nun wieder zurück zum zivilen Bereich: Achten Sie also beim Unterbreiten von Vorschlägen oder bei anderweitigen Anregungen darauf, ob Sie damit eventuell Ihrem Chef unbequem werden könnten. Falls ja, droht Ihre Beauftragung mit der Durchführung. Und dann stehen Sie da.Also sollen Sie besser gar keine Vorschläge mehr machen? Aber woher denn, es gäbe ja dann überhaupt keinen Fortschritt mehr. Jedoch ist es ratsam, vorsichtig vorzugehen.

Beispiel 1: Der Mitarbeiter: „Ich schlage vor, dass wir hier ein Wissensmanagement einführen. Das wird überall mehr und mehr zum Standard. Außerdem hätte es folgende Vorteile …“ Der Vorgesetzte: „Na schön, dann machen Sie mal. Legen Sie mir bitte kurzfristig ein Konzept zur Installation vor. Sie scheinen sich ja intensiv damit beschäftigt zu haben.“ Kurz danach hat der Mitarbeiter das Projekt „am Hals“.

Beispiel 2: Der Mitarbeiter lässt erst einmal einen Versuchsballon steigen (mal sehen, woher der Wind weht): „Man hört ja jetzt vermehrt von der Einführung eines Wissensmanagements.“ Irgendwie reagiert der Chef schon. Vielleicht macht er es letztlich sogar zu seiner eigenen Idee. Und im Falle einer negativen Reaktion kann man noch schnell den Rückzug einleiten.

Jetzt könnten Sie sagen (zu mir): „Aber wenn es doch gut für die Firma wäre, so etwas zu haben.“ Na wenn Ihnen das Wohl des Unternehmens so am Herzen liegt, dann opfern Sie sich halt. Entsprechend Beispiel 1. Hoffentlich dankt Ihnen das später jemand …

Kurzantwort:

Vorschläge zur Verbesserung sind stets auch eine Kritik am Bestehenden. Darum ist bei ihrer Unterbreitung auch taktisches Geschick angesagt.

Frage-Nr.: 2112
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 15
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-04-11

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