Heiko Mell

Wechseln aus Prinzip?

Frage/1: Ich bin Ende 30, Dipl.-Ing. Maschinenbau und seit fünf Jahren bei meinem heutigen Arbeitgeber. Dort bin ich inzwischen an einem Produktionsstandort mit mehreren hundert Mitarbeitern Abteilungsleiter Technik mit Zuständigkeit für Investitionen, Instandhaltung, Gebäude etc. Zu meinen Vorgesetzten habe ich ein sehr gutes Verhältnis, es werden mir gute Leistungen bescheinigt.

Ich arbeite schon immer gerne und sehr engagiert. Die Karriereberatung lese ich schon seit Mitte meines Studiums. „Karriere machen“ mit Führungsverantwortung war nie mein Ziel. Ich habe die Karriereberatung immer nur gelesen, um „Verständnis für das System“ zu bekommen. Nun bin ich trotzdem ein recht erfolgreicher Abteilungsleiter geworden. Sicherlich irgendwie auch ein Verdienst der Karriereberatung.

Frage/2: Ich hege keine Absicht, mich momentan beruflich zu verändern. Allerdings möchte ich für die Zukunft gewappnet sein!

Mittlerweile bin ich bei diesem Unternehmen seit über fünf Jahren beschäftigt. Mir gefällt es dort sehr gut, ein Wechsel ist meinerseits nicht angedacht. Intern aufsteigen ist nicht mehr möglich und mehr als Abteilungsleiter will ich auch gar nicht werden. Das Unternehmen will weiter wachsen.

In ca. acht Jahren geht mein Vorgesetzter in den Ruhestand. Wenn ich z. B. wegen eines Nachfolgers (dem ich nicht gefalle) oder aus anderen Gründen vielleicht in zehn Jahren wechseln möchte oder muss, habe ich eine sehr lange Betriebszugehörigkeit und wäre Ende 40. Es wäre dann also schwierig, ein neues Unternehmen zu finden. Ist es ratsam, sich langsam – ohne Hast – nach einem anderen Unternehmen umzusehen? Mit einem solchen „Wechsel ohne Not“ könnten aber auch Risiken und Nachteile verbunden sein.

Antwort:

Antwort/1: Danke für die Blumen, auch irgendwie. Wichtig für andere Leser ist die Bestätigung meiner oft kolportierten Theorie, dass in der Frage „Karriere oder nicht Karriere“ der Appetit sehr oft beim Essen kommt.

Man lehne also nicht von vornherein jeden Gedanken an Führung und Aufstieg ab – und richte seinen Werdegang vorsichtshalber so aus, dass er nicht alle späteren Ambitionen hinsichtlich Karriere aussichtslos macht. Menschen verändern sich, teils aus sich selbst heraus, teils durch äußere Umstände bedingt. Auch aus recht „handfesten“ Gegnern der Obrigkeit, denen man nur deshalb nicht nachsagen kann, Teil der 68er Studentenrevolte gewesen zu sein, weil sie gar keine Studenten waren, sind später noch Bundesminister geworden, beispielsweise.

Antwort/2: Nun wollen wir einmal die Kirche im Dorf lassen:

Derzeit fehlt Ihnen gar nichts. Mit nahezu lächerlich wenigen fünf Jahren Betriebszugehörigkeit und erst etwa zwei Jahren in der Abteilungsleiterposition drückt Sie nicht nur nichts – Sie sind auch viel zu kurz im Amt, um jetzt schon als „erfahrener Abteilungsleiter“ nach neuen Ufern streben zu können!

In drei Jahren hätten Sie etwa fünf Abteilungsleiterjahre, dann könnten Sie in aller Ruhe wechseln. Mit Ihren dann acht Dienstjahren müssten Sie aber absolut noch nicht daran denken und Ihr Alter läge nach heutigen Maßstäben noch längst nicht im kritischen Bereich.

In sechs Jahren wären Sie elf Jahre in dem Unternehmen, Mitte 40 und seit acht Jahren Abteilungsleiter. Dann sollten Sie mal wieder über das Problem nachdenken. Aber niemand in der deutschen Industrie plant personell sechs Jahre im Voraus. Bis dahin ist Ihre Firma erst von einer größeren geschluckt, dann an einen Finanzinvestor verkauft worden, hat sie zwischendurch die Produktion nach Kaukasien verlagert und Ihren Chef in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Oder etwas in der Art. Denken Sie so um 2012 einmal an mich.

Kurzantwort:

Die Betriebszugehörigkeit zu einem Unternehmen kann so lang werden, dass darunter die Akzeptanz auf dem Arbeitsmarkt leidet. Aber das beginnt frühestens bei zehn Jahren, bei zwischendurch erfolgter Beförderung noch später. Und: Das zu häufige Wechseln ist schlimmer!

Frage-Nr.: 2079
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 49
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-12-08

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