Heiko Mell

Branchenwechsel mit Mitte 40

Ich bin zur Zeit in der Automotiv-Branche beschäftigt (sind Sie nicht, weil es die so nicht gibt und sie sich anders schreibt; Mindestanforderung: Was man tut, sollte man schreiben können; d. Autor) und in der CAD- und Prozessberatung tätig. Ich sehe für die Zukunft in dieser Branche kaum noch Möglichkeiten und würde gern komplett die Branche wechseln.

Ein solcher Wechsel ist für mich nichts Neues, da ich bereits von der Luftfahrt über den Anlagenbau zur Automobilbranche kam. Gemeinsame Schnittstelle war allerdings jeweils der CAD-Bereich.

Frage ist: Was kann ich tun, um für die Energiebranche, in der ich sehr viel Potenzial sehe, attraktiv zu werden? Ich denke, es ist im Hinblick auf mein Alter (45) höchste Eisenbahn, jetzt zu handeln.

Ich sehe interessante Aufgaben in Richtung Consulting, hinsichtlich Energieberatung, Energiemanagement, alternative Energien und Antriebe. Wie sehen Sie die Chancen und Möglichkeiten für mich? Kann ich dies durch gezielte Weiterbildung grundsätzlich erreichen?

Antwort:

Das berufliche Tun eines Menschen ist grundsätzlich gekennzeichnet durch die beiden Begriffe „Tätigkeit“ und „Branche“ (als denkbare dritte Größe käme noch hinzu „Firmentyp + Größe“).

Nun sind manchmal Tätigkeit und Branche sehr eng verknüpft. Beispiel: Entwicklungsingenieur. Der kann nicht einfach von der Elektrotechnik zum Getriebebau oder vom Kfz-Zulieferer zum Anlagenbau wechseln.

Gegenbeispiel: Personalleiter. Ob der seine Tätigkeit in einer der erwähnten Branchen ausübt oder in der Fördertechnik, ist ohne Bedeutung.

Stets aber gilt: Bei einem Wechsel sollten die Tätigkeit oder die Branche identisch oder nahe verwandt sein, der jeweils andere Aspekt kann(!) anders sein. Das war bei Ihnen bisher der Fall, CAD-Beratung war die gleichbleibende Tätigkeitsbezeichnung. Das geht, Sie haben es gesehen.

Jetzt sprechen Sie über den „Doppelsprung“: Tätigkeit ganz anders, Branche ganz anders. Das geht schon grundsätzlich gar nicht. Jetzt aber kommt hinzu, dass Sie sich jenen Grenzen nähern, die in den Augen des Marktes durch das Alter gesetzt werden. Man kann auch mit Mitte 40 noch ein begehrter Bewerber sein, wenn man vermarkten will, was man kann, hat aber mehr und mehr schlechte Karten, wen man sein Potenzial für neues Tun, für neue Tätigkeiten in neuen Branchen zu Geld machen will.

Nimmt man alles zusammen, muss man Ihnen von dem Versuch abraten. Stellen Sie sich auch bitte vor, Sie schaffen den Sprung und stehen ein Jahr später, ob mit oder ohne eigenes Verschulden, wieder auf der Straße. Dann will die neue Branche nichts mit Ihnen zu tun haben („man sieht ja, der Wechsel ist schiefgegangen“), während Sie sich der alten entfremdet haben („hier wollte er ja nicht bleiben“).

Außerdem sind Sie jetzt ein Mann mit etwa 20 Jahren Berufspraxis (die Sie bezahlt haben wollen) und keinerlei Erfahrung in der neuen Branche und in der neuen Tätigkeit, sogar vermutlich noch mit der falschen Ausbildung (Studienrichtung).

Ich würde den Plan aufgeben. Übrigens müsste Ihre entsprechende Aussage am Ende des ersten abgedruckten Absatzes Ihrer Einsendung lauten: „Ich möchte jetzt Branche und Tätigkeit wechseln.“

Aber, damit andere Leser nicht verwirrt werden, noch ein Wort zur Automotive-Branche: Diese ist keinesfalls etwa „ohne Zukunft“, wie es flüchtige (jüngere) Leser aus Ihren Worten herauslesen könnten, ganz im Gegenteil. Sie meinen offensichtlich nur, dass Sie für sich mit Ihrer Tätigkeit in dieser Branche in der Zukunft Einschränkungen sehen. Diese Klarstellung war erforderlich, damit niemand etwa sagt: „Diese Branche soll ja keine Zukunft haben, jedenfalls habe ich neulich so etwas in der Zeitung gelesen.“ Und es sage niemand, das sei nicht zu befürchten.

Frage-Nr.: 2057
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 38
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-09-23

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