Heiko Mell

„Wann Mutter werden?“

(Anmerkung d. Autors: Auf den als Frage 2.031 abgedruckten Beitrag gab es besonders viele und engagierte Zuschriften. Ich will versuchen, Ihnen ein repräsentatives Bild von den wichtigsten Meinungen zu vermitteln):

Leserin A: Schön, dass Sie diese Frage aufgegriffen haben. Ihre Antwort ist prinzipiell o. k. – Punkt 5 gilt aber vor allem für die Frauen, die für einige Jahre aus dem Beruf aussteigen oder ihn stark reduzieren und ganz in ihrer neuen Rolle als Hausfrau und Mutter aufgehen.

Es soll aber auch Ingenieurinnen geben, die Kinder und Karriere wollen. Tipps für diese Frauen:

Arbeitet so lange, bis ihr eine für euch akzeptable Karrierestufe erreicht habt und bis ihr genug Geld verdient, um euch eine zuverlässige, professionelle Kinderbetreuung leisten zu können! Zieht eure Partner mit ins Boot! Sorgt für ein gutes Zeit- und Aufgabenmanagement bei der Arbeit, damit die Arbeitszeit im Rahmen bleibt. Nutzt haushaltsnahe Dienstleistungen. Und entrümpelt eure Freizeit – euer neues Hobby heißt für einige Jahre „Kinder“ (fast ausschließlich)!

Lasst bei euren Arbeitgebern erst gar nicht den Gedanken aufkommen, dass Kinder ein Hindernis für Karriere sein könnten – Frauen, die im Beruf erfolgreich Projekte managen, können dies auch privat.

Kontakte und Gespräche zum Thema „Karriere und Kinder“ können Frauen über die Ingenieurinnenvereine fib (im VDI, Fachgruppe Frauen im Ingenieurberuf, www.fib.de) und deutscher Ingenieurinnenbund dib e. V. (www.dibev.de) knüpfen.

Leserin B: Vielen Dank für die Beantwortung dieser heiklen, facettenreichen Frage. Dennoch wundere ich mich, dass Sie den Faktor „Paar“ zwar betonen, dass der „Partner“ jedoch nur einmal kurz erwähnt wird.

Aus der Praxis sei versichert, dass gerade der (männliche) Partner aktiv teilnehmen muss. Bei alleiniger Zuständigkeit für Kinder, Haushalt etc. erscheint mir eine engagierte Berufstätigkeit der Frau nur schwer möglich.

Daher die wichtige, leider sehr unromantische Empfehlung an junge Ingenieurinnen: Wer sich als Frau in Beruf und Karriere einbringen möchte, muss das bereits bei der Partnerwahl berücksichtigen.

Mein Mann hat sich in den ersten Jahren überwiegend um unser Kind gekümmert. Seiner Karriere hat das nicht geschadet, weil er sich auch in dieser Zeit für die Abteilung engagiert hat und präsent war, wenn auch in zeitlich geringerem Umfang. Danach habe ich ihm dann „den Rücken freigehalten“. Unser Sohn hat von der intensiven Zeit mit dem Vater ohne Zweifel profitiert.

Mit Kind/Kindern ist so mancher Verzicht auf Freizeit, Hobbys unumgänglich. Trotzdem haben mein Mann und ich, beide Ingenieure in leitender Tätigkeit, nicht das Gefühl, etwas zu entbehren, da uns unser Kind so viel Freude schenkt.

Leser C: Es ist immer erfreulich, wie strukturiert Sie an solche Fragestellungen herangehen, die ja oft (und im konkreten Fall besonders) eine emotionale bzw. sehr persönliche Komponente haben. Den meisten Punkten im konkreten Fall kann ich auch inhaltlich zustimmen.

Dennoch einige Anmerkungen aus Sicht eines privatwirtschaftlichen Arbeitgebers mittlerer Größe (technischer Dienstleister mit gut 40 Ingenieuren/innen):

– Ingenieurinnen im Betrieb sind aus meiner Sicht ein Asset, keine Belastung. Das gilt sowohl intern (Betriebsklima usw.) als auch extern (Kundenkontakte und Wahrnehmung der Firma). Die Frage stellt sich leider faktisch nur begrenzt, weil die Zahl der Absolventinnen der entsprechenden Fachrichtungen nicht sehr groß ist.

– Die Situation für Bewerberinnen mit Kind als Berufsanfängerin kann schwierig sein (Ihr Punkt 3). Das gilt ehrlicherweise aber auch für alle anderen Situationen des Lebens, die mit Einschränkungen der Mobilität verbunden sind.

– In Punkt 4 und 5 stellen Sie die Folgen einer familienbedingten beruflichen Unterbrechung von drei und mehr Jahren dar. Das ist bekanntlich nur im öffentlichen Dienst großzügig geregelt, der hier nicht relevant ist. Und es stellt eine normale Firma tatsächlich vor Probleme.

– Aber warum muss denn die Geburt eines Kindes automatisch mit einer längeren beruflichen Pause verbunden sein? Da wird oft eine falsche Alternative aufgebaut. Flexible Teilzeitregelungen plus home office, gezielte Unterstützung in der Kinderbetreuung durch den Arbeitgeber usw. bieten sich an. Aus meiner Sicht nur eine Frage der bewussten Bereitschaft zu interner Flexibilität (auf beiden Seiten). Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht (ohne darüber viel zu reden). Hier geht es also nicht um irgendwelche „gesellschaftlichen Verpflichtungen“, sondern primär um handfeste Firmeninteressen (im positiven Sinn) bei besonders qualifizierten Mitarbeiter/innen. Und das zählt!

Leser D: Ihre Antwort ist sehr passend, wenn auch vorsichtig formuliert (auch für Frau von der Leyen). Arbeitslose Jugendliche in Millionenhöhe, aber noch mehr Kinder – welch ein Hohn.

Leserin E: Ihre Antwort hat mir gut gefallen. Sie ist allerdings nicht vollständig.

Mit der Planung eines Kindes ist es nämlich auch heute noch nicht getan. Das Schwangerwerden nach Termin funktioniert nicht einmal bei der künstlichen Befruchtung zu­verlässig, zwischen „klappt sofort“, „klappt nach Monaten oder Jahren“ und „klappt gar nicht“ ist alles drin. Schlecht für die Laufbahnplanung!

Kinder sind – für Frauen – Karrierekiller, das ist in unserer Gesellschaft leider so. Wie immer im Leben kann man nicht alles haben. Man kann sich nur vorher überlegen, was das wirklich Wichtige ist und was nachgeordnet wird. Und wenn man dann zwischen Kindern und Beruf rotiert und die kinderlose Kollegin an einem vorbeizieht – was soll’s! Hat die schon mal eine mit Nagellack liebevoll bemalte Nussschale bekommen? Mit einem Herz drauf? Ha!

Antwort:

Und mit diesem „Ha!“ der Leserin E beschließen wir erst einmal die Diskussion zu diesem Thema. Sie merken es schon: Nur allzu leicht gleitet die Geschichte in die zentrale Frage ab, ob man überhaupt … Dabei ging es hier eigentlich „nur“ um den optimalen Zeitpunkt.

Beachten Sie bitte dazu auch besonders die Aussagen des Arbeitgebers (Leser C): Er fördert die Vereinbarkeit von Beruf + Kind aus „handfesten Firmeninteressen … bei besonders qualifizierten Mitarbeiter/innen“. Letztere ist man erst, wenn man schon da ist und Leistung erbracht hat. Als unbekannte Bewerberin schon Vorleistungen zu erwarten, bevor man noch etwas für das Unternehmen getan hat, das reduziert die Erfolgsaussichten. Auch dieser Aspekt gehört zum Thema Zeitplanung.

Entgegentreten muss ich Leser D: Es gibt zwar zahlreiche arbeitslose Jugendliche – aber die sind kein Beweis, dass wir ohnehin schon zu viele Kinder hätten, ganz im Gegenteil: Es fehlen an allen Ecken und Enden Kinder, sowohl auf dem Lehrstellenmarkt als auch an den Hochschulen und später dann auf dem Arbeitsmarkt.

Nur Politiker sind imstande, von zu wenigen Lehrstellen zu sprechen. Fachleute wie Ausbildungsleiter in den Betrieben sagen ganz offen, dass sie äußerste Schwierigkeiten haben, genügend geeignete – sprich vorqualifizierte – Lehrstellenbewerber zu finden. Und wer sich als Kind im Rahmen seiner Fähig­keiten angestrengt hat in der Schule, im Unterricht engagiert mitmacht, seine Hausaufgaben erledigt und auch nur mittleres Interesse an der Schule zeigt (ist das zuviel verlangt?), der macht seinen Weg. Denn dies ist eine Leistungsgesellschaft, vergessen wir das nie.

Frage-Nr.: 2050
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 34
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-08-25

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