Heiko Mell

FH + Promotion?

Ich habe einen Studiengang gewählt, der als Einschreibungsvoraussetzung eine abgeschlossene Handwerksausbildung im medizinisch-technischen Bereich vorsieht. Danach habe ich also jetzt sechs Jahre an einer Fachhochschule studiert und bin nun bereits 33 Jahre alt.

Ich würde gern noch eine Doktorarbeit im Bereich FEA anschließen lassen, soweit dies von meinen Noten möglich ist. Wenn ich mich also auf diese Weise noch weitere drei bis vier Jahre weiterbilde, bin ich mit 36 oder 37 Jahren fertig. Habe ich in diesem Alter dann noch eine Chance auf dem außeruniversitären Arbeitmarkt?

Oder zählt eine Doktorandenstelle in der Industrie wie eine Stellung in einem privaten Unternehmen, also als Berufserfahrung?

Antwort:

Ich will hier bewusst auch allgemein auf das Thema eingehen, mich also keinesfalls auf die spezielle Fachrichtung beschränken.

Also rechnen wir einmal: Abitur (da sind wir schon großzügig, die FH verlangt keins) mit 19, dann ein Jahr Bundeswehr/Zivildienst, macht 20, drei Jahre Lehre (für Abiturienten schon unverschämt lang) macht 23, dann neun Semester FH (nicht zwölf!) macht 27,5 Jahre. Und Sie sind 5,5 Jahre älter. Punkt.

Ich habe das nicht zu kritisieren. Ich stelle nur fest.

Auf der anderen Seite ist die Promotion doch etwas für die Leistungselite unter den Akademikern. Zu diesem Gedanken passt ein Studienende mit 33 Jahren nach zwölf Semestern an einer FH nicht so recht.

Dass Sie an der FH gar nicht promovieren können, wissen Sie. Und Sie wissen auch, dass Sie einen Universitätsprofessor brauchen, der Sie „nimmt“ für ein solches Vorhaben. Ich nehme an, das haben Sie geprüft und Sie haben einen Weg gefunden.

Ferner müssen Sie bedenken, dass zum klassischen „Dr.“ im intuitiven Denken der Umwelt wie beispielsweise der Bewerbungsempfänger ein Universitätsstudium gehört. Auf dieser Basis sind auch alle Aufgaben und Positionen „konstruiert“ worden, für die jemals ein Dr.-Ing. gefordert wird. Die Universitätspromotion mit dem FH-Studium kann(!) dabei durch mehrere Raster fallen, kann aber auch akzeptiert werden. Sie würden stets eine Ausnahme sein und bleiben und bei Bewerbungen und ähnlichen Situationen immer wieder Erklärungen abgeben müssen. Denn: Ein „richtiger“ FH-Absolvent wären Sie nicht mehr und ein „richtiger“ Uni-Absolvent wären Sie noch immer nicht.

Der von manchen Universitäten angebotene, grundsolide Weg ist es, nach der FH in einem speziellen verkürzten Aufbaustudium erst den Uni-/TH-Abschluss zu machen und dann (wenn man will) noch zu promovieren.

Hat ein Student ein Abitur und ist zur FH gegangen, ist das seine freie Entscheidung, obwohl ja die Fachhochschulreife genügt hätte. Aber später an der Uni zu promovieren, das sieht doch arg nach holperigem Umweg aus – schließlich hätte er ja mit seinem Abitur von Anfang an eine Uni besuchen und dann (bei guten Leistungen) dort problemarm promovieren können. Nur der FH-Absolvent ohne Abitur hatte damals keine Alternative zu seinem Studium.

Nun zum letzten Teil der Frage: Zunächst habe ich Ihren letzten Satz erst einmal fehlinterpretiert und konnte nichts damit anfangen: Ich las „Doktorandenstelle in der Industrie“ als einen Begriff, als Beschreibung eines Angestellten, der schon in der Industrie arbeitet, aber mit Unterstützung des Arbeitgebers nebenberuflich promoviert. Dies würde später als Berufspraxis gewertet, es ist aber schwer, an solche Stellen heranzukommen.

Dann aber habe ich entschieden, dass Sie meinen (Ihr Ausdruck ist absolut nicht falsch, nur eben mehrdeutig): Zählt in der Industrie eine der üblichen Hochschul-Doktorandenstellen bereits als Berufserfahrung?

Und da lautet die Antwort grundsätzlich nein! Ein solcher frischpromovierter Kandidat ist aus der Sicht der Praxis eine Art „Edel-Anfänger“ – mit wenig „Edel“, wenn er überwiegend nur in der Lehre mitgeholfen hat und mit viel davon, wenn er z. B. in industrienahen Instituten viel an Industrieaufträgen gearbeitet hat.

Für eine typische Hochschul-Doktorandenstelle sind Sie nun kommentarlos zu alt! Sie wären ja bei Praxisantritt fünf bis sechs Jahre älter als der Standard-Dr.-Ingenieur. So etwas soll man nicht tun, es erschwert Bewerbungserfolge sehr!

Kurzantwort:

Eine Promotion ist aus der Sicht der Praxis grundsätzlich etwas für die Leistungselite der Studenten. Zu dieser Definition passt ein eher überdurchschnittlich hohes Alter beim Examen weniger gut. Richtwert für den späteren Praxiseintritt eines Dr.-Ingenieurs ist ein Alter von 30/31 Jahren.

Frage-Nr.: 1864
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 29
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2004-07-15

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