Heiko Mell

Assistent – und nun?

Ich bin Anfang 30, ledig, absolut flexibel seitens meines Berufs. Derzeit bin ich bei einem großen Zulieferer als Assistent der GF mit den Schwerpunkten … und … tätig.

Da wir international engagiert sind, würde ich gern die Gelegenheit nutzen, einige Jahre ins Ausland zu gehen. National sind wir ebenfalls mit einigen Werken vertreten, was mir aber aus persönlichen Gründen weniger zusagt (der Freizeitwert ist dort sehr wenig oder überhaupt nicht vorhanden).

Viele haben mich um meine Stellung in diesem Unternehmen beneidet. Leider bemerke ich immer mehr die Schattenseiten. Ich kenne fast sämtliche Führungskräfte und Strategien – aber was kann ich? Diese Feststellung musste ich machen, nachdem ich mich mit der Frage „Was kommt danach?“ beschäftigt habe. Soll ich in den operativen Bereich gehen und als Sachbearbeiter die Grundlagen erlernen? Soll ich eine Abteilungsleiterposition anstreben? Soll ich für die Firma ins Ausland gehen? Noch fehlen mir die Sprachen (aber die kann man lernen). Soll ich dort anfangen als Vertriebsmitarbeiter in einer „normalen“ Position oder als Abteilungsleiter (in einem fremden Land mit anderer Sprache und anderen Gewohnheiten)?

Ich möchte nur verhindern, dass eine Art „Rückschritt“ in meiner Laufbahn auftaucht. Es macht mir nichts aus, als normaler Mitarbeiter in einem ausländischen Werk anzufangen – sofern dies keinen Karriereknick darstellt. Ob ich einmal ganz „nach oben“ will, steht noch in den Sternen.

Antwort:

Einige Gedankensplitter, aus denen Sie sich die Gesamtantwort zusammensetzen müssen (je nach individueller Gewichtung der angesprochenen Themen):

1. Schon vor Antritt jeder neuen Position sollte man sich mit der Frage beschäftigen, was danach kommt.

2. Der Assistent der Unternehmensleitung hat grundsätzlich viele Chancen, kann aber nicht etwa frei wählen: Jobs müssen frei sein, der Chef muss die Übernahme der Position als sinnvoll empfinden und befürworten.

3. Bei Assistenten liegt das besondere Risiko darin, dass es für sie keine Standard-Laufbahn gibt. Wichtig und unverzichtbar ist es, dass die Leistung und die Persönlichkeit des Assistenten den – einflussreichen – Chef begeistern(!), damit der für den Mitarbeiter aktiv etwas tut. Er muss ihn überdurchschnittlich schätzen, in irgendeine „tolle“ Position hineinschubsen – in die der Assi eigentlich gar nicht hineingehört (weil er formal nirgends „richtig“ hingehört!). Andererseits müssen Chefs auch wieder etwas Vorzeigbares für ihre Assistenten tun – sonst will den Job auf Dauer keiner mehr. Außerdem besetzt der Chef auf diese Weise nach und nach Schlüsselpositionen mit „seinen“ Leuten – wichtig im innerbetrieblichen Machtpoker.

4. Ein junger Akademiker wird nach dem Studium entweder Sachbearbeiter und steigt eventuell später auf, oder er wird Assistent und steigt danach – bei erhöhtem Risiko, weil Harmonie mit dem Chef „alles“ ist – höher hinauf. Aber er wird nicht(!) Sachbearbeiter als nächste Stufe nach dem Assistenten.

5. Typische Anschlusspositionen für Assistenten sind beispielsweise Leiter bedeutender Projekte (Werksneubau in Rumänien, Umstrukturierung einer neugekauften Tochter), Key-Account Manager im Vertrieb oder Leiter einer kleineren operativen oder einer Stabs-Abteilung.

Ihre Vorbehalte gegenüber den Standorten der deutschen Werke sind nicht sinnvoll. Sie sollen dort nicht begraben werden, sondern Karriere machen und etwa drei Jahre bleiben. Diese Zeit überlebt man, sie ist eine Investition in die eigene Zukunft.

6. Ihre Unternehmensleitung könnte Sie z. B. auch als Projektleiter ins Ausland schicken, um dort irgendetwas einzuführen – oder auch als eine Art „Aufpasser“ für die örtliche Werkleitung. Aber als normaler Sachbearbeiter geht ein Ex-Assi möglichst auch dort nicht hin (es wäre ein Rückschritt).

7. Ein Assistent lebt im „Dunstkreis der Macht“. Für den „richtigen Mann“ ist das ein Lebenselixier. Sie, geehrter Einsender, könnten heute der falsche Mann auf diesem Platz sein. Passen Sie auf, dass das niemand „da oben“ merkt!

8. Ein Sachbearbeiter ohne Chef-Wohlwollen ist ein armes Schwein, ein Assistent ohne dasselbe ist ein „totes“ armes … Aber ein Assi „mit“ – der macht Karriere.

Frage-Nr.: 1736
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 8
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2003-02-27

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