Heiko Mell

Rückkehr zum alten Arbeitgeber

Leser A: Ich stimme Ihnen zu, dass man nicht zum alten Arbeitgeber zurückgehen sollte, wenn man dort wegen Unzufriedenheit gegangen ist (Frage 1.692).Ich habe allerdings auch eine Handvoll erfolgreicher Rückkehrer erlebt. So waren zwei Herren wegen des Berufs ihrer Partnerinnen in ein anderes Bundesland gezogen. Man hatte beide nur ungern ziehen lassen. Nach ein paar Jahren kamen sie mit zusätzlichen Erfahrungen wieder ins alte Unternehmen zurück. Die berufstätige Partnerin war nun Ehefrau und Mutter und nicht mehr außer Haus berufstätig, so dass man wohl nie mehr ihrer beruflichen Pläne wegen umziehen würde.

Die Gefahr des „Sie-tun-es-immer-wieder“ bestand, zumindest in der Form, nicht mehr. Dass die beiden Herren vielleicht doch noch irgendwann einmal das Privatleben über die Firmenziele stellen könnten – mit dem Restrisiko konnte die Firma anscheinend leben. Oder sie erkannte es nicht. Beide Rückkehrer sind seit Jahren wieder im Unternehmen, sind engagiert und erfolgreich zu Abteilungsleitern aufgestiegen.

Ein anderer Fall war eine kaufmännische Angestellte, die wegen der Erziehung der Kinder den Beruf aufgab. Als die Kinder Teenager waren, starb ihr Mann und sie wurde von ihrem alten Arbeitgeber wieder eingestellt. Sie machte eine bescheidene Karriere und war bis zu ihrem Ruhestand in ein und demselben Unternehmen beschäftigt.

Die anderen Rückkehrer sind Mütter, die nach der Familienphase – oft Jahre später – wieder in ihre alte Firma gingen. Und davon gibt es eine ganze Menge. Die meisten werden sicher keine große Karriere machen, aber das hätten sie vermutlich auch nicht getan/gewollt, wenn sie im Job geblieben wären.

Wenn man nicht im Unfrieden gegangen, der Grund für die Kündigung einmalig und eine Wiederholungsgefahr so gut wie nicht gegeben ist, dann kann es mit der Rückkehr schon klappen. Dass man danach noch Karriere macht, ist vermutlich selten.

Leser B: Sie berücksichtigen unter Punkt 3 „Aus der Selbstständigkeit zurück“ (Frage 1.692) eine Situation nicht, die unter Frauen doch häufiger anzutreffen ist:

Diese Frauen wollten möglicherweise gar nicht aus dem „abhängigen Beschäftigungsverhältnis“ heraus, wollten gar nicht unbedingt „frei“ sein, keinen Chef mehr haben usw. Sie hatten aber keine andere Möglichkeit, ihre Mutteraufgaben mit einer anspruchsvollen und verantwortlichen Erwerbstätigkeit zu verknüpfen als in der Selbstständigkeit.

Ich selbst bin ein Beispiel: Ich fühlte mich im Unternehmen rundum wohl. Als das erste Kind kam, war das Unternehmen nicht in der Lage, mir eine Teilzeittätigkeit anzubieten, da gab es nur „ganz oder gar nicht“. Mir blieb also nur die Selbstständigkeit übrig. In diesem „Stand“ bewege ich mich nun seit fünfundzwanzig Jahren – erfolgreich und mit Freude, aber nicht freiwillig.

Ich hätte lieber wieder – und auch in der Sache effektiver – in einer Anstellung gearbeitet, blieb aber erfolglos, da mir letztlich genau die von Ihnen zitierten Vorurteile (bis hin zu „die Reintegration des Selbstständigen gilt als schwierig“) entgegengehalten wurden, obwohl sie in meinem Fall keinen realen Hintergrund hatten.

Eine diesbezüglich differenziertere Stellungnahme in der „Karriereberatung“ könnte in solchen Fällen vielleicht den Weg solcher Frauen (oder inzwischen vielleicht auch einiger Männer) erleichtern und helfen, eingeschliffene Denkweisen in den Chefebenen ein wenig aufzulockern.

Antwort:

Antwort Leser A:

Ich sehe als gemeinsame Klammer Ihrer Fälle weniger die geringe „Wiederholungsgefahr“ als vielmehr diesen Aspekt: Der Kündigungsgrund lag völlig außerhalb des Unternehmens. Das aber ist erfahrungsgemäß bei Mitarbeitern mit ausgeprägten Karriereambitionen eher selten, meist liegen die Gründe für den Wechsel doch innerhalb des Arbeitsverhältnisses.

Ich gestehe zu, dass in den von Ihnen geschilderten Fällen Bedenken gegen die Rückkehr wegen der ausschließlich „externen“ Begründung des früheren Ausscheidens weniger schwer wiegen.

Aber es gibt dennoch zwei wesentliche Gründe, aus denen ich Bedenken gegen eine Rückkehr ableite – sofern der Mitarbeiter Ambitionen hat:

1. Es bleibt das Argument, dass man in den ersten Jahren vom „neuen alten“ Arbeitgeber nicht gut wieder weggehen kann, ohne sich lächerlich zu machen – sowohl bei Bewerbungsempfängern als auch im „neuen alten“ Unternehmen. Nur eingeschränkte Kündigungsmöglichkeiten zu haben, ist aber für Leute mit Karriereehrgeiz ein Handikap!

Ihre Beispiel-Herren am Anfang sind Abteilungsleiter geworden. Schön. Wäre die Beförderung aber ausgeblieben, hätten sie ihre Ziele (solche einmal vorausgesetzt) draußen realisieren müssen. Und das wäre eine Zeit lang nur sehr bedingt möglich gewesen. Sonst hätte der Lebenslauf allzu „bunt“ ausgesehen.

2. Jetzt wird es kompliziert, jetzt geht es um Geld – und wir rechnen:Mitarbeiter A bleibt zehn Jahre beim Unternehmen, sein Kollege B geht nach fünf Jahren „fremd“ und kommt wiederum fünf Jahre später zurück. Vergleichskollege C geht auch nach fünf Jahren, wechselt aber fünf Jahre später zu einem völlig neuen, seinem dritten Arbeitgeber.

Setzen wir die Gehälter der drei Kollegen zum Zeitpunkt des ersten Wechsels von B und C je mit 1.000,00 EUR an. Dann hat A nach fünf Jahren vielleicht nur seine jährlichen 3 % bekommen (beispielhaft; wären es mehr, hätten auch die anderen mehr).

A hat demnach fünf Jahre nach dem Weggang von B und C (und damit zum Zeitpunkt der Rückkehr von B) ca. 1.159,27 EUR.

Nehmen wir jetzt erst einmal den Standardmitarbeiter C (so machen es alle – cosi fan tutte nach da Ponte und Mozart; sagen wir: die meisten Angestellten tun es): Er hat zunächst einmal mindestens 15 % mehr für den Wechsel zum zweiten Arbeitgeber bekommen, fängt dort also mit 1.150,00 EUR an; nach vier Jahren steht er dort auch ohne weitere Karriere-Fortschritte (jährlich + 3 %) auf monatlich 1.294,34 EUR. Dann wechselt er im fünften Jahr zum dritten Arbeitgeber – für + 15 %, er steht dann bei 1.488,49 EUR.Und Rückkehrer B? Der bekommt Probleme nach diesem ziemlich realistischen Modell. Denn wenn er zurückkommt zum früheren Arbeitgeber, ist da noch der alte Kollege A. Viel mehr als der darf B aus übergeordneten Gründen nicht verdienen – sonst spricht sich herum: „Aus diesem Saftladen muss man erst abgehauen sein und später wiederkommen, das wird honoriert. Wer hier bleibt, ist ein Trottel.“ Das darf nicht sein!

Resümee: Zum Zeitpunkt der Rückkehr von B zum alten Arbeitgeber hat der Nie-Wechsler A ca. 16 % mehr Gehalt als fünf Jahre zuvor, der Standard-Wechsler C (alle fünf Jahre woanders hin) hat ca. 49 % mehr – und B liegt in jedem Fall näher an A als an C.

Ich weiß, dass dies ein schwieriges Beispiel ist. Manche Leute bekommen ja auch außerplanmäßige Erhöhungen zwischendurch – aber das gilt dann für alle drei Beispielkandidaten, womit sich an der Grundaussage nichts ändert. B könnte „draußen“ Zusatzkenntnisse gesammelt haben, die A nicht hat – womit sein Arbeitsmarktwert sachlich höher wäre (ebenso gut hätte aber auch A inzwischen hinzulernen, Kurse besuchen können). Und C gerät natürlich eines Tages ans Ende seiner Fahnenstange – irgendwann muss befördert werden, wer wirklich mehr (und viel) verdienen will. Aber nachdenklich macht das schon, nicht wahr?

Antwort Leser B:

Ihr Wort in Gottes Ohr. Es ist ungeheuer schwer, eingeschliffene Denkweisen zu verändern. Und da ist diese Rubrik in dieser Zeitung sicher auch nicht die richtige Plattform. Unser Ziel heißt: Wir erläutern den Lesern, wie das System funktioniert, verzichten aber zum Ausgleich weitgehend auf Diskussionen über denkbare Optimierungen.

Das höchste Lob für mich ist also: „So ist es draußen tatsächlich“ – was Sie ja auch so formulieren. Leider gilt im Leben der Grundsatz: Die Fakten zählen – die Begründung eher weniger. Wer selbstständig wird, gefährdet seine Wiederanstellung. Ob er sich freiwillig oder aus der Not heraus dazu entschlossen hat, ist kaum von Belang. Eine Tänzerin, die ihr Bein verliert, ist raus aus dem Job – gleichgültig ob sie an dem Unfall nun die Schuld trug oder völlig schuldlos war (wie alle Beispiele hinkt auch dieses, aber das Prinzip wird deutlich).

Auch die Entscheider bei Ihren späteren Bewerbungen standen vermeintlich unter dem Zwang objektiver Gegebenheiten: „Die Frau können wir nicht mehr einstellen, weil sie durch ihre Selbstständigkeit verdorben wurde“, diese Leute sahen das ebenso „logisch“ und „zwingend“ wie das Theater die Sache mit der Tänzerin sehen würde.

Auch ich habe bestimmte Qualifikationsdefizite im Hinblick auf bestimmte Funktionen: Diese Defizite hängen mit meinen Genen/Erbanlagen (dafür kann ich nichts), mit einem verlorenen Weltkrieg (dafür kann ich nichts) und mit einem etwas komplizierten Verlauf von Kindheit und Jugend zusammen (auch dafür kann ich nichts). Aber ich akzeptiere problemlos die Fakten: Für bestimmte Jobs bin ich ungeeignet. Mich als Käufer interessiert ja auch nur, dass Firma XY schlechtere, in meinen Augen kaum wettbewerbsfähige Produkte anbietet. Also kaufe ich die nicht. Dass denen der dritte Entwicklungsleiter ohne ihre Schuld in Folge kurzfristig verstorben ist, interessiert nicht – „Rabatt wird nicht gegeben“ (frei nach Kaiser Wilhelm II., Hunnenrede).Das (Berufs-)Leben ist auch(!) hart, ungerecht und stellenweise hässlich bis grausam. Wer das weiß, kann besser überleben. Ich versuche, dieses Wissen zu vermitteln. Der stete Versuch, Menschen und ihre Denkstrukturen wirkungsvoll zu verbessern und zu verändern, ist ehrenwert. Ich überlasse dieses Feld anderen. Es ist ein weites …

Aber es gibt, geehrte Einsenderin, auch für Menschen in Ihrer Situation eine Lösung, zumindest gute Chancen einer solchen: Hängen Sie in Anschreiben und Lebenslauf Ihre Selbstständigkeit „tief“, erklären Sie, dass Sie damals nur aus zeitlichen Gründen gezwungen waren … Wenn aber schon der Briefkopf stolz die eigene „Firma“ ausweist – dann geben Sie dem Affen Zucker.

Kurzantwort:

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Rückkehr zum alten Arbeitgeber (anstelle des üblichen Wechsels zum dritten Arbeitgeber zu diesem Zeitpunkt) auch noch finanzielle Nachteile für den Betroffenen hat.

Frage-Nr.: 1708
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 43
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2002-11-01

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