Heiko Mell

In etwa zehn Jahren möchte ich …

Ich beabsichtige, nach meinem Diplom zu promovieren. Nach der Promotion strebe ich eine Position als Mitarbeiter in der Forschung in einem Konzern an. Nach ungefähr fünf bis sechs Jahren dort würde ich gern in eine Unternehmensberatung wechseln.

Nun ist meine Frage, ob dies überhaupt möglich ist oder ob diese Möglichkeit nur direkt nach der Promotion möglich ist.

Antwort:

Mögliche Möglichkeiten sind immer möglich, möglicherweise sind einige Möglichkeiten aber möglicher als andere.

Mein wichtigster Rat: Gewöhnen Sie sich – im Hinblick auf Ihr künftiges Berufsleben – unbedingt an, Geschriebenes immer noch einmal durchzulesen. Am besten laut. Es muss ein eiserner Grundsatz werden: „Wenn mein Name darunter steht, ist das Qualitätsarbeit.“ Und: „Es gibt keine Flüchtigkeitsfehler, es gibt nur Fehler.“

Mein zweitwichtigster Rat: Überfordern Sie das Leben nicht, jedenfalls nicht mit detaillierten beruflichen Planungen über extreme Zeiträume hinweg.

Wenn Sie promovieren möchten, tun Sie das erst einmal (5 Jahre).

Wenn Sie nach dieser Zeit (einen glückhaften Verlauf des Vorhabens unterstellt) bei einem Konzern forschen möchten, tun Sie auch das (5 – 6 Jahre).

Warten Sie aber erst einmal ab, wie es dort läuft, welche Erfolge Sie haben und welche Niederlagen Sie erleiden. Vielleicht ändern Sie ja Ihre Zielsetzung und streben die Position des Forschungsleiters dort oder anderswo an.

Was Sie in zehn Jahren konkret tun und vor allem, wie Ihre Chancen dann bei einem bestimmten Arbeitgebertyp sein werden, das weiß heute kein Mensch. Außerdem werden die Promotionsphase (ein bisschen) und die Konzernphase (stark) Einfluss auf Ihre Persönlichkeitsentwicklung nehmen. Sie werden dann neue Wünsche haben, andere Wertmaßstäbe – und Ziele entwickeln. Und dann planen Sie noch einmal neu.

Aber das ist noch nicht alles: So konzipiert man Werdegänge nicht! Nicht der Weg ist das Ziel, sondern – banal genug – das Ziel ist das Ziel. So jedenfalls denkt man hierzulande. Also steht am Anfang der Berufswegplanung das Ziel, jedenfalls eine erste vage Vorstellung davon. Dann legt man den ungefähren Weg zwischen derzeitigem eigenen Standort (Start) und jenem Ziel fest.

Und der Weg ist bei kritischer Betrachtung nur Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck. Diese Einstellung hat sehr viele Vorteile. So reduziert sie die Mühen während der Wegbeschreitung zu Nebensächlichkeiten, die hinzunehmen sind. So wie der Marathonläufer auch den plötzlichen Regenschauer während des Rennens hinnimmt: ärgerlich zwar (vielleicht ja sogar erfrischend), aber letztlich unerheblich. Er läuft, um am Ende zu gewinnen oder wenigstens eine „gute Zeit“ herauszuholen und sich am Erfolg zu freuen. Nicht jedoch, um während der 42195 m besonders viel Spaß zu haben (dafür wären Bier und Skat besser geeignet, beispielsweise).

Folgt man dieser Theorie, dass der Weg bloß Mittel zum Zweck ist (auf dem man sich, sofern möglich, durchaus auch nach Kräften amüsieren darf, der aber nicht wegen des größten Spaßfaktors gewählt wird), dann wird auch klar: Man will besser nicht mitten auf der Strecke zwischen Start und Ziel irgendeinen bestimmten Weg gehen. Einfach weil man das toll findet. Man kann das, gefährdet aber damit sein Ziel bzw. das Erreichen desselben.

Konkret heißt das: Der Start im Konzern ist, welches Ziel auch immer besteht, so gut wie nie falsch (nicht zwangsläufig auch stets allein richtig). Aber der schon jetzt geplante Wechsel in die Beratung muss einen Grund haben, er muss zu einem Ziel passen. Und das kennen wir in Ihrem Fall nicht. Ich hoffe, Sie haben eines, das diesen Weg aus der Industrie in die Beratung sinnvoll erscheinen lässt.

PS: Unternehmensberatungen sind sehr gut beraten, auch praxiserfahrene hochqualifizierte Bewerber einzustellen und sich nicht nur auf unerfahrene Anfänger zu konzentrieren. Dass der junge Einsteiger leichter zu formen ist – und besser mit den teilweise extrem hohen Belastungen fertig wird als der 40-jährige Familienvater, steht auf einem anderen Blatt. Also von daher hätten Sie auch in zehn Jahren noch eine Chance (falls es dann noch Berater gibt, falls es dann Sie noch gibt und falls alles geklappt hat, was Sie bis dahin angefangen haben).

Kurzantwort:

Sagte der Vorstandsvorsitzende auf der Hauptversammlung zu seinen Aktionären: „Ein Ziel verfolgen wir mit unserem Tun hier nicht, aber an dem Weg in dieses Nichts haben wir alle hier sehr viel Freude.“ Man hat nie wieder von ihm gehört … Also plant man erst Ziele, dann Wege dorthin, als „Mittel zum Zweck“.

Frage-Nr.: 1592
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 25
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-06-22

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