Heiko Mell

Innerbetrieblicher Wechsel

Nach über zwei Jahren Tätigkeit im ersten Job nach dem Studium möchte ich innerhalb der Firma in eine andere Abteilung wechseln. Um mir ein genaueres Bild von den internen Stellenausschreibungen zu machen, würde ich mich gerne bei meinem potenziellen neuen Vorgesetzten zunächst unverbindlich über die Art der Tätigkeit informieren. Sollte ich meinen jetzigen Vorgesetzten von meiner Absicht vorab informieren oder erst wenn ich mich für einen konkreten Wechsel entschieden habe?

Antwort:

Jeder Vorgesetzte, der von eventuellen Wechselabsichten eines seiner Mitarbeiter erfährt, reagiert irgendwie kritisch. Da ist zunächst das Signal: „Der will weg von mir; die Arbeit und/oder die Umgebung und/oder der Chef(!) gefallen ihm nicht mehr.“ Das dadurch hervorgerufene negative Gefühl bleibt auch dann, wenn sich die Absicht des Mitarbeiters kurzfristig zerschlägt – und für diesmal aus den Wechselplänen nichts wird. Denn, das weiß der Chef: Die nächste Versuchung kommt bestimmt.

Dann die sachlichen Überlegungen des Vorgesetzten: „Dieser Mitarbeiter will gehen, er ist auf dem Sprung. Sinnlos, ihn noch in ein wichtiges Langfristprojekt zu stecken, sinnlos, ihm noch mehr Verantwortung zu übertragen oder etwas vom kostbaren Gehaltserhöhungsbudget für ihn zu verschwenden.“

Hier gilt, was generell bei Kündigungen gilt (dem Chef ist es egal, ob ein Mitarbeiter intern oder extern wechseln will): Man redet nicht darüber, man geht oder man erweckt den Eindruck, uneingeschränkt dabei zu bleiben. Absichtserklärungen unterlässt man ebenso wie Andeutungen.

Das Problem bei innerbetrieblichen Stellenausschreibungen ist stets: Wie sicher kann ich sein, dass mein bisheriger Chef nichts von meinen Absichten erfährt? Das gilt vor allem für den Fall, dass die Bewerbung letztlich abschlägig beschieden wird. Schließlich sind neuer und bisheriger Chef meist direkte Kollegen, die zusammen arbeiten, oft auch noch kegeln und meist in einer Kantine zusammen essen. Ob da eine Bewerbung oder auch nur eine unverbindliche Anfrage vertraulich bleibt oder ob man sich nicht doch gegenseitig Tipps über abwanderungswillige Mitarbeiter gibt?

Nur die Personalabteilung, die ja auch die Zuständigkeit für das Verfahren „innerbetriebliche Stellenausschreibung“ hat, kann Ihnen erläutern, wie das in Ihrem Hause gehandhabt wird. Horchen Sie bei der Antwort besonders auf Zwischentöne.

Es gibt durchaus große Unternehmen, in denen im vertraulichen Gespräch seitens der Personalleute gesagt wird: „Es ist für den Mitarbeiter tatsächlich einfacher, extern zu wechseln als intern. Hier gerät er nur zu leicht zwischen alle Stühle.“ Durch externe Bewerbungen, die nicht zum Erfolg führen, ist in der Regel wenigstens die heutige Position nicht gefährdet.

Kurzantwort:

Innerbetriebliche Stellenausschreibungen sind oft ein problematisches Instrument. Die Personalabteilung informiert auf Anfrage über Risiken und Garantien im konkreten Fall.

Frage-Nr.: 1557
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 2
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-01-19

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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