Heiko Mell

Pech gehabt? Nicht nur.

Sehr geehrter Herr Mall, seit einigen Monaten bin ich Abonnent der VDI nachrichten. Ich bin Diplom-Physiker. Nach meinem Studium habe ich zwei Jahre lang programmiert und implementiert und dann 1992 gekündigt, um das 1. Staatsexamen nachzuholen und Lehrer zu werden. Wegen schlechter Noten beendete man meine Referendarzeit vorzeitig und ließ mich durchfallen, um mir „weitere Unannehmlichkeiten zu ersparen“.

Ich hatte viel Freude am Unterrichten gehabt und musste nun versuchen, mein lädiertes Selbstbewusstsein wieder aufzupäppeln. Ich hangelte mich zwei Jahre lang von einer Stelle zur anderen, versuchte es auch vier Monate mit Selbständigkeit, nur um Ende 1998 während der Probezeit von einer renommierten Firma gekündigt zu werden.

Ich machte dann anschließend den SAP-Berater-Kurs, um von der ungeliebten Programmierung loszukommen. Trotz geglückter Zertifizierung schaffte ich den Einstieg nicht. Die einzige Stelle war wieder eine Programmierstelle, die ich kürzlich wiederum verlor.

Schätzen Sie mich nach meinem Lebenslauf so ein, dass ich den Einstieg als SAP-Berater noch schaffen kann, ohne 95 % der Zeit als Programmierer verbringen zu müssen?

Antwort:

Es gibt eine Arbeitslosigkeit, an der die Konjunktur schuldlos ist. In der öffentlichen Diskussion wird das zu oft vergessen.

Mehr Angebote für IT-Spezialisten als jetzt wird es kaum jemals geben. Wer zu diesem Kreis gehört, jung genug ist, aber dennoch nicht unterkommt, muss die Ursachen vorrangig bei sich selbst suchen.

Sie, geehrter Einsender, haben die beiden Aspekte „Wollen“ und „Können“ nicht vernünftig koordinieren können. Sie haben ein Abitur mit 1,7 und ein Physik-Hauptdiplom mit „Gut“. Dann wollten Sie Lehrer werden. Wie man auf dieser Basis bei der Ausbildung zu seinem Traumberuf Lehrer durchfallen kann, ist mir ein Rätsel. Physiker sagen doch oft, sie könnten eigentlich fast alles …

Dann können Sie programmieren, fliegen aber dauernd aus den Jobs. Sagen Sie bloß nicht, das läge am ungeliebten Tun. Als es ums geliebte Tun (Lehrer) ging, waren die Resultate ja auch nicht besser. Was also machen Sie in Ihrem Beruf, um dauernd gefeuert zu werden? Warum gehen Sie auf diese Kernfrage in Ihrem Brief nicht ein? Warum erkennen Sie nicht, dass dies das Zentralproblem ist? Wenn alle Leute, die ihren Job zwar tun, aber nicht mögen, sich entlassen ließen, wären die verbleibenden Arbeitnehmer in den Büros und in den Fabriken sehr, sehr einsam …

Mein Rat:

1. Vergessen Sie erst einmal die Frage, was Sie lieber täten. Tun Sie, was man Sie tun lässt – und tun Sie es engagiert und mit ausgezeichnetem Resultat. Das ernährt Sie – und Sie bekommen einen anständigen Lebenslauf. Arbeit schändet nicht, auch Programmieren nicht.

2. Derzeit stellt man Sie nicht für eine anspruchsvollere Tätigkeit ein, weil Ihr Lebenslauf keinerlei Gewähr bietet, Sie würden irgendetwas durchstehen. Da nützt keine Zusatzausbildung.

3. Lassen Sie einmal von einem kundigen Menschen im Gespräch analysieren, wo eigentlich Ihr Problem liegt, warum ein Mann mit Ihrer Grundintelligenz dauernd gefeuert wird. „Ungeliebte Tätigkeit“ reicht mir nicht, niemand von uns liebt alles, was er den Tag über so macht.

4. Lernen Sie Elementarregeln wie diese: Wenn Sie von einem Menschen etwas wollen, Hilfe beispielsweise, dann nehmen Sie sich die Zeit, seinen Namen richtig abzuschreiben. Meiner ist falsch in Anschrift und Anrede. Sie haben doch Zeit genug! Nun wissen Sie: Leute, deren Namen man falsch schreibt, reagieren darauf negativ.

Frage-Nr.: 1540
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 45
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-11-10

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