Heiko Mell

Uns geht es schlecht, was nun?

Mein Arbeitgeber ist eine selbständige, mittelgroße Gesellschaft innerhalb eines großen Konzerns. Die Lage des Unternehmens ist sehr kritisch. Wir erwirtschaften hohe Verluste, haben ein schlechtes Betriebsklima, ohne den Konzern im Hintergrund wären wir schon lange in Konkurs.

Jetzt hat man beschlossen, für unser Unternehmen einen Partner zu suchen. Das kann bedeuten, dass die Führungskräfte in absehbarer Zeit entweder in die zweite Reihe zurücktreten oder aber das neue Unternehmen verlassen müssen.
Da der Arbeitsmarkt für Ingenieure im Moment ziemlich günstig ist, stellt sich die Frage, ob man die Chance nutzt und das Unternehmen verlässt. Das Problem: Die Anstellung ist quasi meine erste nach der Promotion, ich bin zwei Jahre im Konzern und davon gut ein Jahr in Führungsverantwortung als Abteilungsleiter.

Ist es jetzt ratsam zu wechseln oder ist die Betriebszugehörigkeit zu kurz? Sollte ich weiter durchhalten, um dann mit dreijähriger Zugehörigkeit zu wechseln und einen „sauberen“ Lebenslauf zu haben?

Darf man bei einer Bewerbung die Lage des jetzigen Arbeitgebers nennen oder andeuten?

Antwort:

Sie haben mit Ihren zwei Dienstjahren im Konzern eine Art Mindestbasis für die erste Stelle nach der Ausbildung erreicht. Ein Wechsel würde vom Markt grundsätzlich akzeptiert werden. Aber:

– Die anzustrebende Mindest-Dienstzeit pro Arbeitgeber beträgt etwa fünf Jahre, die erwähnten zwei sind nur ein Zugeständnis an „jugendliche Hitzköpfe“ in ihrer ersten Stelle, in der sie auch ihre Illusionen begraben müssen – wobei sie die Ursachen für Probleme zunächst „in diesem Saftladen“ suchen (später sieht man das gelassener).

– Die zwei Jahre gelten eigentlich für Hochschulabsolventen ohne Praxis. Der promovierte Kandidat mit seiner „Quasi-Berufspraxis“ hat doch eher höheren Anforderungen zu genügen, ich würde als Mindestwert etwa „drei bis fünf“ Jahre anraten.

– Ihre zwei Jahre splitten sich auch noch in zwei grundverschiedene Tätigkeiten bei zwei Unternehmen auf (die allerdings als ein Arbeitgeber gelten). Das verschärft die Wertung noch einmal.

– Wichtig ist insbesondere bei Beförderungen die Dienstzeit in der Position danach. Diese sollte generell zwei Jahre nicht unterschreiten, besser sogar drei betragen. Dies gilt verschärft, wenn man gerade seine erste Führungsposition übernommen hat. Sonst vermutet noch jemand, man liefe vor der ungewohnten Mitarbeiterführung davon.

Resümee: Im Augenblick geschieht Ihnen ja noch nichts. Also warten Sie ab, sammeln Sie Erfahrungen – seien Sie aber vorbereitet. Es ist ein Optimierungsproblem: Je später Sie mit den Bewerbungen anfangen, desto besser für Sie. Warten Sie aber zu lange (bis man Sie eventuell vor die Tür setzt), sinken Ihre Chancen wieder. Aber ob man Sie setzt, steht ja überhaupt noch nicht fest. Sie sind jung, Sie können – in der Hoffnung auf gute „Erträge“ – auch etwas riskieren.

Denn auch das muss man sehen: Firmenübernahmen o. ä. bieten neben Risiken viele Chancen! Wenn der Chef geht oder „gegangen wird“, kann sich ein Loch auftun, das sich nur mit Ihnen stopfen lässt – weil niemand anderes da ist. Wäre ich Anfang 30, wäre ich mutig. Mit Ende 40 jedoch würde ich das Risiko des Abwartens höher bewerten als die Chancen.

Für den Bewerbungsfall: Wirtschaftliche Schwierigkeiten des Arbeitgebers darf man andeuten.

Kurzantwort:

Wer befördert wurde, sollte sich – unabhängig von der Gesamtdienstzeit im Unternehmen – mindestens zwei, besser drei Jahre in dieser neuen Position bewährt haben, bevor er wechselt. Das gilt verschärft, wenn dies seine erste Führungsposition ist.

Frage-Nr.: 1528
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-09-29

Top Stellenangebote

BAM Deutschland AG-Firmenlogo
BAM Deutschland AG Contract Manager / Vertragsmanager (m/w/d) Hamburg
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt-Firmenlogo
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt Professorin / Professor (m/w/d) (W2) Fakultät Maschinenbau Schweinfurt
THD - Technische Hochschule Deggendorf-Firmenlogo
THD - Technische Hochschule Deggendorf Professor / Professorin (m/w/d) Bildgebende Verfahren mit dem Schwerpunkt Computertomographie Deggendorf
Generalzolldirektion-Firmenlogo
Generalzolldirektion Wirtschaftsingenieur/in (m/w/d) Berlin, Bonn, Dresden, Offenbach am Main
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften-Firmenlogo
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften Bauoberinspektor-Anwärter (m/w/d) Hannover
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften-Firmenlogo
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften Technische Referendare (m/w/d) im Beamtenverhältnis Hannover
Vermögen und Bau Baden-Württemberg-Firmenlogo
Vermögen und Bau Baden-Württemberg Diplom-Ingenieur/in / Bachelor / Master (w/m/d) Architektur / Bauingenieurwesen / Wirtschaftswissenschaften für den Bereich Baubetrieb und Kalkulation Stuttgart
Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft University of Applied Sciences-Firmenlogo
Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft University of Applied Sciences W2-Professur für das Fachgebiet "Fahrzeugelektronik" Karlsruhe
Technische Universität Berlin-Firmenlogo
Technische Universität Berlin Bibliotheksreferendar*in (d/m/w) Berlin
BAM Deutschland AG-Firmenlogo
BAM Deutschland AG Planungskoordinator (m/w/d) Hamburg
Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.