Heiko Mell 01.01.2016, 08:08 Uhr

Ich und die Tochter meines Chefs

Es gibt für mich gute Gründe, zu einem früheren Arbeitgeber zurückzugehen. … Als Ergänzung möchte ich hier noch eine private Komponente anmerken: Nach meinem Weggang dort hat sich eine Beziehung zwischen der Tochter eines früheren Vorgesetzten und mir entwickelt, so dass mittlerweile auch private Beziehungen, welche jedoch nicht zu dem erneuten Angebot geführt haben, bestehen. Die neue Stelle dort wäre jedoch nicht unter der Zuständigkeit dieses früheren Vorgesetzten angesiedelt.

Antwort:

Da sage noch jemand, hier bei uns pulsiere nicht das pralle Leben. Eigentlich war die Zeit überreif für eine solche Frage. Das bringt doch Farbe in die tägliche Routine! Damit kein Missverständnis aufkommt: Es geht nicht um Kritik, solche Dinge geschehen eben.

Grundsätzlich bewegt sich der Angestellte in den zwei Kreisen „Beruf“ und „Privatleben“, die er – so gut das geht – am besten sauber voneinander getrennt hält. Ganz funktioniert das nie, irgendwie strahlt ein Kreis immer auf den anderen aus.Aber man sollte stets versuchen, nicht in beiden Bereichen von derselben Person oder von denselben „Umständen“ abhängig zu sein. Parade-Negativbeispiel: Karriereposition im Privatunternehmen des Schwiegervaters. Zerbricht die private Beziehung, sorgt der Vater der Braut meistens auch noch dafür, dass man den Job verliert.

In Ihrem Fall würde sich die Beziehung sofort und sehr gründlich im Unternehmen herumsprechen. Selbst wenn es nicht (mehr) um den direkten Chef geht, so doch um einen Managementkollegen von ihm. Was immer Sie dort erreichen, man wird im Hause von „Protektion“ reden. Erleiden Sie hingegen berufliche Niederlagen, kennt Ihr „Schwiegervater“ vor Ihnen die Gründe.

Endet die Beziehung, könnte der an seiner Tochter hängende Vater Ihnen das übel nehmen, zu Ihrem „Todfeind“ werden und Ihre Karriere in dem Hause ruinieren. Natürlich verstehen Sie sich jetzt alle großartig, aber rechnen Sie nicht damit, dass dies so bleibt.

Sie würden ein klar erkennbares Risiko eingehen und sich bei einem Scheitern vorwerfen lassen müssen, das sei vorhersehbar gewesen. Richten Sie Beruf und Privatleben so ein, dass bei einer Katastrophe in einem der Kreise der andere nicht zwangsläufig gestört wird.

Wären Sie jetzt schon in diesem Unternehmen tätig, müsste man abwägen, ob nicht ein Wechsel angebracht wäre. Aber Sie wollen dort erst hingehen – das sollten Sie nicht tun. Sie haben die junge Dame, das ist doch auch schon etwas.

Nun aber doch meine Kritik: Sie schildern mir in Ihrem – hier drastisch gekürzten – Brief sehr ausführlich alle Details Ihres früheren Ausscheidens bei diesem Unternehmen und der Umstände, die dazu führen, dass Sie nach nur kurzer Dienstzeit „draußen“ wieder einen neuen Job suchen. Dann erwähnen Sie so ganz zum Schluss die oben zitierten Umstände („Als Ergänzung möchte ich hier noch eine private Komponente anmerken.“). Dabei sehe ich die Probleme falsch gewichtet: Dieser private Aspekt überstrahlt in meinen Augen alles. Sie würden damit Ihre Karriere auf einer Zeitbombe aufbauen. Die „Sachargumente“ für oder gegen eine Rückkehr sind demgegenüber bedeutungsarm.

Kurzantwort:

Nach besten Kräften versuche man, Beruf und Privatleben so weit auseinander zu halten, dass eine Katastrophe in einem dieser Kreise möglichst nicht auf den anderen Kreis durchschlägt. Oder kürzer: Man kann nicht alles haben, den Job beim Chef und seine Tochter.

Frage-Nr.: 1527
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-09-29

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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