Heiko Mell

Mobilität, verlorene Jahre u. a. m.

Ich bin Dipl.-Ing. der Elektrotechnik, Anfang 30 und habe etwas mehr als vier Jahre Berufserfahrung. Ich habe in meinem Fachgebiet recht hochgesteckte Karriereziele.

Die von mir geplanten Stufen waren zwei bis drei Jahre als Consultant bei einer Unternehmensberatung, danach ca. drei Jahre als Projektleiter, um dann über eine weitere Stufe mit ca. 45 Jahren die Spitzenfunktion meines Gebietes in einem Industrieunternehmen anzusteuern.

Die erste Stufe habe ich hinter mir, in der zweiten arbeite ich heute als Projektkoordinator eines Konzern-Werkes.Jetzt zu meiner konkreten Problematik: Aufgrund meiner familiären Situation habe ich nach dem Studium versucht, in meiner Heimatstadt eine Stelle zu bekommen. Da die Suche erfolglos bliebe, verspätete sich der Eintritt in den ersten „richtigen“ Job (in einer anderen Stadt) über ein dreiviertel Jahr. Aus heutiger Sicht mein erster Fehler.

Nach zwei Jahren in der ersten Position hatte ich die Möglichkeit, wieder in meine Heimatstadt zurückzukommen. Die Aufgabe (meine heutige Position) schien sich zu 90 % mit meinen Karriereplänen zu decken, daher habe ich das Angebot angenommen. Bald habe ich allerdings gemerkt, dass das Unternehmen mir kaum weitere Karrieremöglichkeiten bieten kann. Zum Ausgleich habe ich ein nebenberufliches Management- / BWL-Aufbaustudium begonnen.

Jetzt hat mir mein Chef offeriert, dass meine und seine Position innerhalb der nächsten achtzehn Monate aufgelöst und wir neu und globaler organisiert werden. Die neuen Aufgaben würden nicht zu meinen Karriereplänen passen und keine echte Personal- und Budgetverantwortung einschließen.
Mein Chef hat signalisiert, dass er Verständnis hätte, wenn ich ginge und dass in einem Zeugnis „stellvertretender Leiter“ meines Fachbereiches stehen würde.

Ich sehe nun mehrere Wege:

1. Ich verweile, bis ich hier fünf Jahre tätig war. Zumindest vermeide ich die Einstufung als Häufigwechsler.

2. Ich verlasse das Unternehmen mit dem Ende der heutigen Aufgabenstellung und dann genau drei Dienstjahren. Dabei nutze ich das in Aussicht gestellte Zeugnis. Allerdings wäre das dann schon der zweite Wechsel und mehr als drei sind nach Ihren Angaben eigentlich nicht ratsam.

3. Da ich und meine Frau schon auf den Wechsel (auch in eine andere Stadt) eingestellt sind, frage ich mich, ob ich nicht schon früher gehen sollte. Jedes weitere Jahr hier ist schließlich ein verlorenes Jahr.

4. Macht es überhaupt Sinn, seine Karriere und seine Zukunft derart auszurichten?

Antwort:

Zu 4: Ja und nein. Ja, weil man einen Generalplan haben muss, an dem man sich ausrichtet – und anhand dessen man merkt, wie weit man sich mit einzelnen Schritten ggf. vom Ziel entfernen würde. Diesen Plan braucht man unbedingt – aber nicht stets denselben! Das Leben um Sie herum, die berufsrelevanten Gegebenheiten und Sie selbst ändern sich so schnell und so oft, dass ein stures Durchhalten einer Planung über fast vierzig Jahre hinweg nicht machbar ist. Lösung: Die Planung ist unter Einbeziehung des bisherigen Weges alle paar Jahre fortzuschreiben, dabei können sich Ziele ebenso ändern wie die Wege dorthin.Die meisten Manager werden auf Positionen pensioniert, die sie beim Berufsstart nicht genannt hätten – und von denen es sehr viele damals noch nicht einmal gab.

Zu 1: Das taugt nichts. Prinzipien sind wichtig als Generalorientierung. Aber man darf auch keines „zu Tode reiten“.

Zu 2: Der Weg macht Sinn. Auch läge die zweite Dienstzeit mit drei Jahren ein Jahr über Ihrer ersten (steigende, positive Tendenz). Der nächste Job sollte aber klappen, noch eine kurze Dienstzeit wäre fatal.

Zu 3: Das wäre ein Fahren „am Limit“. Sind Sie Schumacher? Also lieber nicht. Schon wegen des Aspektes „soliderer Werdegang“ wäre das eine Jahr nicht verloren. Und irgendetwas über maximal drei Wechsel habe ich so nie gesagt!

Zur Gesamtsituation: Niemand, der mich kennt, wird erwarten, dass ich mir diese Gelegenheit entgehen lasse. Also kommt hier der Hinweis, dass all Ihre bisherigen Probleme ausschließlich auf dem damaligen Wunsch beruhen, aus persönlichen Gründen einen bestimmten Standort durchsetzen zu wollen. Ohne diesen menschlich verständlichen, beruflich stets(!) abzulehnenden Schritt wären Sie heute gar nicht bei diesem Unternehmen.

Ach ja, noch eine Kleinigkeit: Ich und Ihr Chef und Ihre Frau hoffen, dass Ihnen trotz aller Probleme noch Zeit bleibt für ein bisschen Zurückhaltung – man nennt bei Aufzählungen, in denen man selbst vorkommt, die anderen zuerst.

Kurzantwort:

Grundregeln sind wichtige Planungshilfen, aber man darf auch „Prinzipien nicht zu Tode reiten“. So erfordern gerade sehr präzise Karrierepläne u. a. eine laufende Fortschreibung / Anpassung.

Frage-Nr.: 1520
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 35
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2000-09-01

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