Heiko Mell

Karriere für Mutter

Daß sich nach Ende meines Studiums der berufliche Einstieg nicht realisieren ließ, liegt darin begründet, daß ich kurz nach Beginn meiner Diplomarbeit schwanger wurde.

Nach Abschluß des Studiums hatte ich also ein Kind zu versorgen, bald darauf ein zweites. Deshalb bin ich nun Mutter und Hausfrau und nicht Ingenieurin in Lohn und Brot. Ich sage das gänzlich ohne Bitterkeit. Ich bin sehr gerne Mutter (und manchmal auch gerne Hausfrau) und es hat mir auch nie etwas ausgemacht, nur die Karriere meines Mannes zu unterstützen.

Vor ein paar Monaten sind wir nach England gezogen. Wir haben unseren Auslandsaufenthalt für zwei bis drei Jahre geplant. Meine Kinder sind ein und drei Jahre alt und es ist, wie ich meine, langsam Zeit, mir über meine beruflichen Pläne klar zu werden und die ersten Schritte in die hoffentlich richtige Richtung zu unternehmen. Leider habe ich nicht die geringste Ahnung, wo ich stehe und wie ich die Reise starten soll. Mein bisheriger Lebenslauf, meine Wünsche und die Notwendigkeiten scheinen sich gegenseitig zu beißen.

Ich habe mich während meines Studiums auf … spezialisiert, wobei ich einen weiteren persönlichen Schwerpunkt auf alternative Energien und Umweltschutz gelegt habe. In diese Richtung möchte ich natürlich weiter gehen. Eine Tätigkeit in der Forschung und/oder Entwicklung würde mich interessieren.

Ich möchte in den nächsten Jahren keinen Vollzeitjob ausüben, es ist mir wichtiger, meine Kinder zu begleiten. Frühestens in zwei Jahren, wenn mein Jüngster in den Kindergarten kommt, ist ein „richtiger“ Halbtagsjob möglich. Ich brauche also so etwas wie einen „Zeitlupenstart“. Dabei bin ich recht pessimistisch: Meine Noten sind nicht hervorragend, meine Praktika gewöhnlich, meine Studienzeit war lang, ich bin hinsichtlich der Arbeitszeit wenig flexibel und für einen Berufsanfänger vergleichsweise alt.

Was kann, soll ich tun, was davon schon hier in England?

Antwort:

Ich will versuchen, so pauschal wie möglich zu antworten, da es viele Frauen in ähnlicher Situation gibt.

Es gilt hier etwa:

1. Je mehr man auf einem Markt fordert, desto mehr muß man andererseits anzubieten haben. In zwei Jahren können Sie einem Arbeitgeber sehr wenig bieten – also reduzieren Sie Ihre Forderung. Seien Sie froh, wenn Sie halbwegs angemessen arbeiten dürfen, aber gehen Sie mit Ihren Wünschen hinsichtlich spezieller fachlicher Schwerpunkte zunächst sehr, sehr weit „runter“.

2. Forschung und Entwicklung ist der ideale (nicht ausschließliche) „Tummelplatz“ für den brillanten TH-Ingenieur mit kurzem Studium und eventuell Promotion. Der durch die Dissertation tief im Thema drin ist und damit auf diesem Fachgebiet etwas zu bieten hat. Konzentrieren Sie sich erst einmal nicht auf dieses Gebiet.

3. Sie wissen, daß Sie keine idealen Qualifikationsmerkmale bieten werden, wenn Sie in zwei Jahren eine Halbtagsstelle anstreben. Dazu paßt dann eine in Ihren Augen ähnlich „nicht ideale“ Stelle: auch die Verwaltung technischer Betriebsanleitungen ist ein ehrenwerter Job, beispielsweise (ich will nur Ihre Akzeptanzbandbreite für Chancen vergrößern).

4. Besonders gravierend ist die lange Zeit zwischen Examen und Tätigkeitsbeginn – da ist in den Augen der späteren Bewerbungsleser fast alles „weg“ oder doch veraltet. Noch gravierender: Sie sind dann schon sehr „alt“ und haben noch keine Erfahrungen im Erwerbsprozeß. Die erwirbt man besser in jungen Jahren, in denen man noch formbar ist.

Gegen beides, zumindest, gegen eines davon, können Sie jetzt schon etwas tun:

a) Halten Sie sich geistig fit, trainieren Sie die „kleinen grauen Zellen“, erwerben Sie neues Fachwissen bzw. aktualisieren Sie Ihr früheres: So könnten Sie z. B. ein Fernstudium absolvieren, dessen Abschluß mit dem geplanten Berufsstart zusammenfällt.

b) Wann immer es Ihnen heute schon möglich ist (auch im Ausland): Nehmen Sie am Erwerbsleben teil, gliedern Sie sich stundenweise, in Heimarbeit oder wie immer sonst in den Arbeitsprozeß ein. Vielleicht ergibt sich über den Arbeitgeber Ihres Mannes eine Chance dazu. Selbstverständlich ist das im fremden Land schwieriger – aber das ist auch Ihre Chance: Sie haben später eine gute Erklärung, wenn dieser Job nicht „angemessen“ war (unter Ihrem Bildungsniveau); helfen würde Ihnen das später dennoch.

5. Tun Sie vor allem nicht gar nichts; alles ist besser als nichts! Viel Glück.

Kurzantwort:

Die Verwirklichung von „Traumzielen“ auf dem Arbeitsmarkt setzt voraus, daß man auch eine „Traumqualifikation“ in Arbeitgeberaugen dafür mitbringt.

Frage-Nr.: 1444
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 47
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-11-26

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