Heiko Mell

Leitend o. G., zurück zum a. A.

Ihre Karriereberatung verfolge ich seit ungefähr zwölf Jahren wöchentlich mit sehr großem Interesse. Ich möchte mich bei Ihnen für diesen ausgezeichneten Service bedanken, der nicht nur enorm informativ ist, sondern auch durch seinen sehr unterhaltsamen Humor besticht. In den ganzen Jahren habe ich mich stets bemüht, den von Ihnen aufgezeigten Ansprüchen und „Regeln“ gerecht zu werden und das nicht ohne Erfolg.

Vor knapp zwei Jahren wurde mir nach damals acht Jahren Zugehörigkeit zu einem sehr großen Konzern mitgeteilt, daß ich ab sofort zum Kreis der leitenden Angestellten gehören und nicht mehr der tariflichen Mitbestimmung unterliegen würde. Nach einem guten halben Jahr erhielt ich das angekündigte Vertragsangebot, welches genau das gleiche Jahresgehalt enthielt wie ich es zuvor als Tarifgehalt bezogen hatte. Ist dies auch in anderen Firmen das übliche Vorgehen? Für mich war das ein zusätzlicher Anstoß, mich nach einer anderen Tätigkeit umzusehen. Der Tausch der tariflichen Absicherung gegen einen Vertrag mit halbjähriger Kündigungsfrist ohne zumindest ein kleines „Schmerzensgeld“ bzw. einen Anerkennungsbeitrag empfand ich als schlechten Stil.

Ich werde nun in Kürze zu einem kleinen Wettbewerber wechseln. Nach Abwägen aller Randbedingungen habe ich mich zu diesem Schritt entschieden.

Nach meiner Kündigung sind zwei ranghohe Manager meines bisherigen Arbeitgebers (die mir nicht direkt vorgesetzt sind) mit der Frage an mich herangetreten, inwieweit ich bereit wäre, wieder zum Noch-Arbeitgeber zurückzukehren. Wie ist das einzustufen?

Antwort:

Sehen Sie es mir bitte nach, daß ich in der Überschrift aus Ihrem Vorwurf „ohne Gehaltserhöhung“ und Ihrer Frage der Rückkehr zum „alten Arbeitgeber“ jeweils Abkürzungen gemacht habe, die vielleicht nicht jeder kennt (so etwas soll ja auch ein bißchen neugierig machen auf den Beitrag, der dann folgt).

Also wenn es Sie beruhigt: Ihr Schwanken und Ihr Zweifeln in Sachen „Wechseln“ sind ganz normal! Sehr viele ehemalige Mitarbeiter sehr großer Unternehmen, die selbige als erste Arbeitgeber hatten und dann verließen, sagen Jahre später, das wäre eigentlich nicht nötig gewesen und sie hätten ebenso gut dableiben können. Sie nun fragen sich das jetzt schon, wo Sie bisher „nur“ gekündigt haben und noch gar nicht weggegangen sind. Zur Frage einer „Heimkehr“ (bei Ihnen eines „Dableibens“) fällt mir ein:

1. Man soll es nicht tun (Grundregel). Das beruht auf Erfahrungen zahlreicher Ehemaliger, die es dennoch taten. Diese Erfahrungen sind schlecht (aus vielerlei Gründen).

2. Sie könnten beim „alten“ Arbeitgeber auf Jahre hinaus nicht wieder kündigen, Sie machten sich ja lächerlich („Ach der Müller will wieder einmal gehen? Keine Angst, der bleibt dann doch hier“). Die Möglichkeit zu kündigen (inkl. des Wissens des Arbeitgebers um diese Möglichkeit) ist aber die einzige wirksame „Waffe“ des Arbeitnehmers im Existenzkampf.

3. Bei Ihnen käme hinzu:

3.1 Da Sie praktisch Ihren neuen Arbeitgeber noch vor Dienstantritt um Vertragsauflösung bitten oder ihm mit Kündigung in der Probezeit „drohen“ müßten, würden Sie den maßlos erbittern. Ihre Branche ist, wie aus Ihrem offen formulierten Brief hervorgeht (den ich wie fast immer in solchen Fällen überarbeitet habe), sehr eng. Sie könnten im Metier als unzuverlässig bekannt werden – und vielleicht später gar nicht mehr wechseln können, weil Sie niemand mehr nimmt.

3.2 Die beiden Manager, die Sie zur Rückkehr bewegen wollten, sind nicht Ihre Vorgesetzten und könnten wohl auch gar nichts Konkretes für Sie tun. Ihre „alten“ direkten Chefs haben sich bisher nicht geäußert. Wer weiß, ob die Sie überhaupt behalten wollen.

3.3 „Der Berg kreißte und gebar eine Maus“ (nach Horaz, 65 – 8 v. Chr.) soll es doch wohl nicht heißen, wenn man intern über Sie spricht. Damit also bei dem ganzen „Getue“, das Sie da intern veranstaltet hätten (Kündigung + Rücknahme derselben) nicht nur ein „Mäuslein“ herauskäme (Sie machten einfach wieder zum alten Gehalt Ihren alten Job), müßte sich das Bleiben lohnen: deutlich bessere Position, deutlich höheres Gehalt. Das aber hat Ihnen noch niemand angeboten. Ließen Sie sich jedoch Ihre vollzogene Kündigung schlicht wieder ausreden, wären Sie nichts als ein „schwankendes Rohr im Winde“ in den Augen Ihrer betrieblichen Umwelt.

Zum außertariflichen Vertrag: Er ist für jeden an Karriere interessierten Mitarbeiter erstrebenswert (aus Prinzip, nicht wegen der Summe einzelner Punkte!). Der damit verbundene Status bringt meist im Detail auch Nachteile mit sich. Daher ist es allgemein üblich, als Anerkennung und zum Ausgleich dieser denkbaren Nachteile eine Gehaltserhöhung zu gewähren. Geschieht dies nicht, ist es ärgerlich, aber die Vorteile überwiegen langfristig dennoch.

Ein bißchen ist es so: Der Tarifmitarbeiter ist der klassische Arbeitnehmer. Gewerkschaften kämpfen für ihn, Tarifverträge bescheren ihm zahlreiche Rechte. Der außertarifliche Vertrag ist ein erster (kein endgültiger!) Schritt auf dem Wege ins Hineinwachsen in gehobene Führungsfunktionen, ins eigentliche Management. Ein entscheidender nächster Schritt ist dann (die beiden haben formal nichts miteinander zu tun, kommen bei Ihnen nur zufällig zusammen) die Bestätigung als leitender Angestellter (der nicht so heißt, weil er etwas leitet, sondern weil er lt. arbeitsrechtlicher Definition zu einer eng umrissenen Gruppe im Management gehört). Diese Bestätigung muß nicht zwangsläufig mit einer Gehaltserhöhung verbunden sein.

Kurzantwort:

Mit der Kündigung zerschneidet der Arbeitnehmer ein wichtiges Band, das ihn mit seinem Arbeitgeber verbindet. Flickt er es durch Rücknahme der Kündigung wieder, hat er die typischen Nachteile eines Flickwerks gegenüber dem Originalzustand in Kauf zu nehmen.

Frage-Nr.: 1419
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 35
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-09-03

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