Heiko Mell

Signale im Bewerbungs- und Vorstellungsprozess erkennen

Alles, was der jeweils andere Partner im Bewerbungs- /Vorstellungsprozeß äußert, unternimmt oder unterläßt, ist ein wertvolles Signal, das als Entscheidungshilfe verstanden werden sollte. Dazu gehört auch der Umgang mit dem Thema „Reisekosten“.

Frage:

Ich bin 24 Jahre alt und studiere zur Zeit an der FH … Maschinenbau/Konstruktionstechnik, nach sechs Semestern habe ich jetzt mit der Diplomarbeit begonnen. Diese Arbeit schreibe ich zur Zeit im Bereich der Motorenentwicklung bei der … in … (USA). Durch meine Tätigkeit hier habe ich großes Interesse an diesem Bereich gefunden und möchte mich in diesem Bereich weiterbilden. Die Gesellschaft, bei der ich jetzt in den USA tätig bin, hat ihren Stammsitz in einer deutschen Großstadt und ist eng mit der dortigen TH verbunden. Durch diese Tatsache ist der Anteil an promovierten Arbeitnehmern in dieser Firma recht hoch.

Ich für meine Person spiele zur Zeit mit dem Gedanken, ein Aufbaustudium im Bereich des Maschinenbaus an dieser TH zu beginnen, um dann anschließend promovieren zu können.

Mir stellt sich nun die Frage, ob dieser Weg in der jetzigen Arbeitsmarktsituation sinnvoll ist. Auf der anderen Seite möchte ich mir die Möglichkeit einer späteren Promotion offenhalten und nicht kurzfristig denken. Ist der Beginn eines weiteren Studiums zu empfehlen oder reicht der Abschluß an der FH aus?

Antwort:

Wenn jemand von Ihnen, liebe Leser, nicht so ganz genau weiß, welcher beruflichen „Ecke“ er sich zuwenden soll, dann habe ich einen Tip: Promotionsberater, das muß Zukunft haben! Inwieweit die Beratungsklienten jedoch auch zahlungsfähig und willig sind, vermag ich nicht zu sagen. Aber ob wir in dieser Serie das Thema bis zur Erschöpfung breittreten (ist gerade geschehen) oder ich bei Veranstaltungen für und mit Studenten öffentlich auftrete und Fragen beantworte: „Soll ich promovieren?“, beherrscht die Leserpost und gehört zu jeder Debatte.

Wobei ich eingestehe, daß Ihnen, geehrter Einsender, eine neue Variante eingefallen ist. Da Sie leider nichts weiter über sich preisgeben, kenne ich auch Ihre Ausgangsvoraussetzungen nicht. Hatten Sie beispielsweise vor Studieneintritt ein Abitur – dann könnte man Ihnen vorwerfen, Sie hätten gleich die TH besuchen sollen.

Nun aber müssen wir uns mit dem begnügen, was wir haben. Und da gilt:Sie befinden sich ganz offensichtlich im Irrtum, wenn Sie die TH als Möglichkeit zum „Aufbaustudium für FH-Absolventen“ sehen. Nach allem, was ich weiß, ist der Begriff „Aufbau“ sogar völlig falsch. Die TH setzt Abitur voraus. Der FH-Abschluß (ich weiß nicht, ob auch noch eine bestimmte Examensgüte vorausgesetzt wird!) ersetzt das Abitur, mehr aber kaum. Wenn Sie Glück haben, würden Ihnen einige wenige Fächer im Grundstudium angerechnet, das ist alles. So nach der Devise „FH + ein paar Semester TH-Aufbau, dann hat man das TH-Examen“ läuft das nicht. Da sei schon die Ehre der TH-Professoren davor (und vermutlich auch noch die Studienordnung). Sie fangen also fast noch einmal von vorne an.

Dafür, geehrter Einsender, genau dafür – und einen anderen Zweck habe ich nie erkennen können – gibt es die Gesamthochschulen. Dort fangen Sie z. B. ohne Abitur an und kommen mit machbarem Zusatzaufwand ziemlich durchgängig zum TH-Examen (praktisch ohne großen Zeitverlust gegenüber einem Abiturienten, der direkt an eine TH ging). Und anschließend können Sie dort auch gleich promovieren.

An dieser Stelle ist das Bildungssystem durchlässig für Interessenten, denen eine Ausgangsvoraussetzung (Abitur) zunächst fehlte (natürlich gebe ich zu, daß man die Details eines Gesamthochschulstudiums auch sehr viel exakter und anspruchsvoller beschreiben könnte, aber darum geht es hier ja nicht).

Ob die Gesamthochschulen Ihren „fremden“ FH-Abschluß auch höher einschätzen und Ihnen einen schnelleren Weg zum TH-Examen einräumen als reine THs, weiß ich nicht, aber das können Sie ja schnell selbst herausfinden.

Der von Ihnen angedachte Weg jedoch ist nicht derjenige, der sich als sinnvoll anbietet und irgendwie logisch bzw. folgerichtig genannt werden darf. Er ist lediglich möglich, aber sehr mühsam, sehr zeitraubend und insgesamt eben ein großer Umweg – mit all den Nachteilen, die Umwege haben.

Bedenken Sie bitte auch das Altersproblem: Sie könnten leicht 35 werden, bevor Sie so richtig ins Berufsleben eintreten. Das wäre zu alt und ist nicht empfehlenswert. Sollten Sie dann auch noch zwischendurch Ihre Pläne ändern (müssen) und auf die Promotion verzichten, dann hätten Sie so etwa fünf Jahre Ihres Lebens eingesetzt, nur um von einem Dipl.-Ing.-Titel zum nächsten zu kommen – das lohnt sich heute nicht mehr (Titel ist falsch, ich weiß, aber einprägsam).

Fassen wir es so zusammen: Sie sind 24 und (fast) Dipl.-Ing. – sollen Sie jetzt zehn Jahre Ihres Lebens einsetzen, nur um am Ende endlich Dr.-Ing. zu sein? Da kann man ganz klar sagen: Das lohnt sich im Normalfall nicht! Damit kann dieser Weg, den Sie anvisieren, auch nicht empfohlen werden.

Es gibt wohl auch noch die Möglichkeit, als FH-Ing. direkt zu promovieren. Aber ich bin von der Variante nicht besonders angetan. Schließlich führt das zu zwei Kategorien von Dr.-Ingenieuren, solchen mit TH-Basis und solchen ohne (ich möchte nicht wissen, was erstere von zweitgenannten denken).

Soviel zu Sachargumenten. Wenn Ihnen die Geschichte aber „gegen jede Vernunft“ rein emotional so wichtig ist, daß Sie unbedingt und um jeden Preis Dr.-Ing. werden wollen, wenn Sie diverse Nachteile dafür in Kauf nehmen, aber den „Dr. an und für sich“ als wesentliches Lebensziel definieren: Dann tun Sie es dennoch; was der Mensch unbedingt braucht, das muß er haben. Auch wenn es rational nicht zu rechtfertigen ist – und sich „karrieremäßig“ auch nicht rechnet (daß Sie Ihr FH-Examen mit 1,X machen, darf ich dafür ja wohl voraussetzen).

Kurzantwort:

Der Dr.-Ing. ist für TH/TU-Absolventen eine überlegenswerte Alternative; für FH-Absolventen ist der Weg über das TH-Examen dorthin zu weit.

 

Frage-Nr.: 1373
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 9
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-03-19

Von Heiko Mell

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