Heiko Mell

Aus dem Ausland auf den „Druckposten“

Wie soll sich ein ins Ausland entsandter Mitarbeiter verhalten, wenn er vor seiner Rückkehr feststellt, daß es im heimischen Unternehmen keine Karriereaussichten für ihn gibt? Die Gründe dafür können vielfältig sein – es kann an ihm liegen oder auch nicht.

Sollte er sich direkt aus dem Ausland um eine anderweitige neue Position bemühen, würde das von Bewerbungsempfängern als „Flucht wegen Versagens“ ausgelegt?

Antwort:

Die am meisten karrierefördernde Auslandserfahrung liegt etwa drei bis fünf Jahre zurück. Weil Sie dann nicht nur jene Praxis im fernen Land, sondern auch die nachfolgende schwierige Reintegrationsphase in das Arbeitsleben des Heimatlandes erfolgreich abgeschlossen haben. Diese Aussage umreißt schon einmal das Problem bzw. zeigt, daß es eines gibt in diesem Zusammenhang.

Drei Aspekte sind dafür ursächlich:

1. Eigentlich gibt es in den meisten Betrieben kaum eine auch nur mittelfristige Personalplanung, die diesen Namen verdient. Oder anders: Planungen dieser Art über einen Zeitraum von einigen Jahren hinweg gibt es fast niemals.

2. In den Anfängen der Auslandsengagements hatte ein typisch deutsches Unternehmen 1000 Arbeitsplätze hier und vielleicht 200 draußen. Heute ist es vielfach schon umgekehrt. In jedem Fall sind so viele Mitarbeiter „draußen“ tätig, daß man die zurückkehrenden gerade noch mühsam irgendwie hier unterbringen kann – aber nur auf „Druckposten“ deutlich unterhalb der gewünschten und eigentlich durchaus auch angemessenen Karriereleiter-Stufen.

3. Je nach Entsendungsland gilt ein Deutscher aus dem Stammhaus, ein Know-how-Träger mit dem Glorienschein der Hauptverwaltung, dort „viel“, er ist „automatisch“ ein hochrangiger/hochkarätiger Mitarbeiter. Und je nach Land hat er schnell „einen Haufen Leute“ unter sich. Wenn dieser Mensch dann mit adäquaten Ansprüchen zurückkommt, ist es oft schwer, ihn wieder auf den „Boden der Realitäten“ zu holen. Draußen war er „Häuptling“, hier ist er plötzlich wieder „Indianer“.

Als zentraler Trost dabei: Weil das so ist und alle Unternehmen das wissen, sind Bewerbungsempfänger gegenüber Auslandsrückkehrern recht tolerant. Wenn die erste Position nach der Heimkehr ins alte Unternehmen nicht so recht in die Karriere paßt, wird das anders gesehen als der gleiche „Knick“ bei einem Kandidaten, der ständig hier war.

Daraus abgeleitet ergeben sich folgende Empfehlungen bzw. Hinweise:

a) Bewerbungsempfänger akzeptieren die Begründung „Nach Rückkehr aus dem Ausland kann mir mein Arbeitgeber keine in meinen Werdegang passende Position anbieten“; sie sehen auch eine entsprechende Bewerbung direkt aus dem Ausland nicht als „Flucht“ oder „Verrat“ an.

b) Dessen ungeachtet sind Bewerbungsaktionen einschließlich der Vorstellungsgespräche aus dem Ausland technisch sehr schwierig abzuwickeln. Daher ist es durchaus ratsam, sich vom alten Arbeitgeber in der Heimat wieder einsetzen zu lassen (auch wenn der Job nichts hermacht) und sich dann aus Deutschland in Deutschland zu bewerben. Auch dabei wird die Begründung wie unter a) absolut akzeptiert. Es sollte allerdings ein gewisser zeitlicher Zusammenhang zur Rückkehr zu erkennen sein – drei Jahre später gibt das keine gute „Ausrede“ mehr ab.

c) Die risikoreichste aller Auslandstätigkeiten ist jene, bei der allein das ausländische Unternehmen Arbeitsvertragspartner ist – und bei der man eines Tages auf dem Marktplatz von Timbuktu steht und einen neuen Job braucht. Jedenfalls gilt das unter dem Aspekt „Fortsetzung der Karriere in D ist geplant“.

Kurzantwort:

Am wertvollsten sind berufliche Auslandserfahrungen, die schon ein paar Jahre zurückliegen (so paradox das klingt).

Frage-Nr.: 1356
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 1
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-01-07

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