Heiko Mell

Existenzgründer-Probleme

Leider kommen zu unseren Beratungen (ich berate ehrenamtlich Existenzgründer und in Schwierigkeiten geratene Kleinunternehmer bei „Alt hilft jung“/Senioren-Experten-Service) viele erst, wenn sie kurz vor der Pleite stehen. Eine eigene Existenz aufzubauen ist eine tolle Sache, wenn man eine gute Idee hat und es richtig anpackt. Viele haben aber nur Träume und wollen eigener „Herr“ sein. Das Politikergerede zur derzeitigen Existenzgründerförderung verführt manchen zur Unüberlegtheit. Der junge Mann (Einsender aus VDI nachrichten Nr. 23) sollte erst einmal zu einer neutralen Beratung gehen („Alt hilft jung“ kostet nicht viel) und dort sein Geschäftskonzept vortragen. Es ist erschreckend, wie wenig Leute sich übers Geld Gedanken machen bzw. kaufmännische Kenntnisse besitzen und mit dem Wirtschaftsleben vertraut sind.

Antwort:

Ein wirklich wertvoller Hinweis, den Sie geben. Ich sehe in Lebensläufen viele, sehr viele gescheiterte Experimente dieser Art. Nach meinen Erfahrungen sind vor allem diese Regeln beim Sprung in die Selbständigkeit wichtig:

  • Entscheidend ist nicht, etwas Fachliches zu können; entscheidend ist hingegen die Fähigkeit, Aufträge heranzuschaffen.
  • Ohne Berufspraxis, gleich nach dem Studium, fehlen Erfahrungen, Geld – und Angestelltenzeiten (die sich im Falle eines Scheiterns wieder „vermarkten“ lassen).
  • Mit gleichberechtigten Partnern verkracht man sich (noch) leichter als mit Chefs über oder Angestellten unter sich.
  • Das Ziel bei einer Firmengründung ist Rendite. Die läßt sich mit guten ebenso wie mit Standardprodukten erzielen (gute sind keine Erfolgs-, Standardprodukte keine Mißerfolgsgarantie), aber in jedem Fall braucht man betriebswirtschaftliche Basiskenntnisse, sonst stimmt nicht einmal die Kalkulation.
  • Nahezu alle erfolgreichen Selbständigen haben zunächst viele Jahre lang viel intensiver gearbeitet als sie es als Angestellter gewohnt waren oder hätten tun müssen.
  • Am besten plant man den Sprung als „Weg ohne Wiederkehr“. Weil im Falle eines Scheiterns die späteren Bewerbungsempfänger dieses „Experiment“ nicht positiv bewerten, ganz im Gegenteil.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 1307
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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