Heiko Mell

Teilzeitbeschäftigung?

Ich (weibl.) habe an der Universität …. Physik studiert (Note: sehr gut) und im Anschluß daran am Institut … des Forschungszentrums … meine Doktorarbeit angefertigt. Im Frühjahr letzten Jahres habe ich an der Fakultät für Maschinenbau der Universität … mit Auszeichnung promoviert. Zwei Monate später habe ich meinen Sohn geboren und bin seit Ende des Mutterschutzes am Institut für … in Teilzeit (50%) beschäftigt.

Da ich meine berufliche Zukunft nicht im öffentlichen Dienst, sondern in der Industrie sehe, möchte ich mich nun verändern. Ich suche eine Teilzeitbeschäftigung (3 Tage/Woche wären ideal), um mich auch weiterhin neben meiner Berufstätigkeit der Betreuung meines Sohnes widmen zu können. Langfristig (d. h. in etwa 2 Jahren) bin ich jedoch an einer Vollzeitbeschäftigung interessiert.

Nun meine Frage: Würden Sie mir empfehlen, schon im Anschreiben meinen Wunsch nach einer Teilzeitbeschäftigung zu nennen oder soll ich damit bis zu einem ersten Vorstellungsgespräch warten? Einerseits möchte ich keine Chance verschenken, persönlich zu überzeugen, andererseits befürchte ich jedoch, meinen potentiellen Arbeitgeber (dem ich vielleicht in einigen Jahren gern noch einmal eine Bewerbung senden möchte) zu verärgern, wenn ich ihn im Gespräch plötzlich mit dem Wunsch nach Teilzeitarbeit überrasche.

Antwort:

Zunächst sollten Sie wissen, daß Ihr per E-mail an den Verlag gesendeter Brief in einem fürchterlichen Zustand hier angekommen ist. Es geht nicht darum, ob Sie etwas dafür können. Mir ist nur an dem Hinweis gelegen, daß es immer ein Risiko ist, eine Aussage unter dem eigenen Namen aus der Hand zu geben, wenn man das Endprodukt nicht kontrollieren kann. Bei wichtigen Angelegenheiten sollte man in jedem Fall den klassischen Weg gehen und einen Papierbrief nach Endkontrolle in einen Umschlag stecken. Ich denke da insbesondere an Bewerbungskorrespondenz!

So sind in Ihrem Brief diverse Buchstaben in willkürlich erscheinender Form durch völlig unsinnige andere oder auch durch waagerechte und/oder senkrechte Striche ersetzt worden, manche Wörter sind nur noch im Zusammenhang verständlich.

Zum Problem: Ihre Bedenken, Bewerbungsempfänger zu verärgern, wenn Sie sich „normal“ bewerben und im Gespräch plötzlich damit herausrücken, Sie könnten aber ausschließlich in Teilzeit tätig sein, sind berechtigt. Ich nenne das den „Ätsch-Effekt“; auch Unternehmen arbeiten damit und verärgern gelegentlich Bewerber im Gespräch mit Anforderungen, von denen in der Anzeige noch nicht die Rede war.

Sie haben m. E. zwei vernünftige Möglichkeiten:

a) Sie bewerben sich unter wahrheitsgemäßer Schilderung der Situation („erst einmal nur Teilzeit, in etwa zwei Jahren ganztags“). Die Chancen sind jedoch eher gering. Es gibt noch verhältnismäßig wenig Teilzeitarbeitsplätze für qualifizierte Akademiker in der Industrie. Je stärker die Mitarbeiter in Projektgruppen und Teams in enger Verzahnung abteilungsübergreifend arbeiten, desto stärker stört es, wenn jemand nicht ständig verfügbar ist. Aber: Wenn Sie so offen auftreten, könnten Sie sich auch bei Absagen überall in 2 Jahren wieder bewerben.

b) Sie stellen anderweitige Bedenken zurück und bleiben erst einmal im öffentlichen Dienst, der bei Ihrer augenblicklichen Doppelbelastung durch den beruflichen und den privaten Bereich ein besonders interessanter Partner ist. Bewerben Sie sich dann etwa 6 Monate vor möglichem Eintritt in die Vollzeitphase in der Industrie.

Sie können übrigens a und b gleichzeitig betreiben und dann entscheiden, wenn Resultate auf Bewerbungen vorliegen. Bedenken Sie, daß Ihre Situation den Kompromiß erfordert. Viele Mütter vor Ihnen haben sich zunächst vorrangig für die Interessen des kleinen Kindes entschieden und mit dessen steigendem Alter dem beruflichen Bereich wieder mehr Raum gegeben. Zu dieser Strategie könnte dann auch gehören, den Wunsch nach der erfüllenden (Industrie-) Tätigkeit noch etwas zurückzustellen. Ich sehe die Gefahr der „Talentverschwendung“ wegen Ihrer guten Noten, aber das noch hilflose Kind hat Ansprüche, die auch sehr, sehr hoch zu bewerten sind. Wenn ein Kompromiß nicht mehr von Ihnen verlangt, als noch ein bißchen an einem namhaften Institut zu bleiben, ….

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 1302
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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