Heiko Mell

Ich bin ständig unterwegs

Ich bin Dipl.-Ing. Maschinenbau, Anfang 30. Nach Studienabschluß wurde mir von einem namhaften Industrieunternehmen eine Tätigkeit als Inbetriebnahmeingenieur angeboten, die ich annahm.

Seit mehr als drei Jahren bin ich nun häufig dienstlich – hauptsächlich in Übersee – unterwegs und habe Erfahrungen auf der praktischen Ingenieurseite gesammelt. Meine Tätigkeit ist auf der technischen wie auf der zwischenmenschlichen Seite abwechslungsreich und in hohem Maße verantwortungsvoll.

Allerdings fühle ich seit einiger Zeit, daß mein Privatleben wegen der häufigen Dienstreisen eingeschränkt ist. Meinen Freundeskreis sehe ich selten und Hobbys sind auch nur noch bedingt möglich.

Zunehmend merke ich, daß es nicht nur ein Berufsleben gibt und meine Gedanken beschäftigen sich mit einem in- oder externen Stellenwechsel.

1. Nach dreijähriger Inbetriebnahmetätigkeit bin ich sicher noch kein „alter Hase“ dieses Metiers. Ist ein Stellenwechsel aus Ihrer Sicht deshalb heute noch zu früh?

2. Wie viele Jahre sollte ich höchstens die Inbetriebnahmetätigkeit durchführen, damit für mich keine nennenswerten Nachteile bei künftigen Bewerbungen entstehen (zukünftige Arbeitgeber könnten womöglich denken, „der“ sei für stationäre Ingenieurstätigkeiten nach mehr als xx Jahren im Außendienst nicht mehr geeignet)?

3. Ist es ratsam, einen Stellenwechsel mit persönlichen Beweggründen wie Freundeskreis, Hobbys und Familienleben zu begründen oder wird daraus auf mangelnde Flexibilität und Belastbarkeit geschlossen, würde das meine Erfolgschancen schmälern?

Antwort:

Fangen wir mit 3. an: Stellen Sie sich vor, da wäre ein Mädchen, das möchte Sie heiraten. Und da sitzt es nun Ihnen gegenüber, bringt sein Anliegen vor und begründet es. Mit Hinweisen auf Moritz, den letzten Partner, der ja so furchtbar schlechte Eigenschaften hatte. Kaum auszuhalten sei das gewesen. Geld verdient hätte er auch kaum. Blond sei er gewesen; man wisse ja, was man davon zu halten habe. Und jetzt sei er auch noch weg, einfach so, der Schuft. Womit es, das Mädel, nun jeden Abend allein sei. Und das, soviel sei ja klar, könne auf Dauer „kein Mensch“ ertragen. Also müsse eine Veränderung her, auf jeden Fall. Am besten die Heirat mit Ihnen, beispielsweise.

Fänden Sie das besonders lustig? Wenn nicht, hat sich Frage Nr. 3 erledigt: Niemand (kein Heiratskandidat, kein potentieller Arbeitgeber) will, daß Sie zu ihm kommen, weil Sie vor etwas weglaufen. Sondern Sie sollen dort, wo Sie sich bewerben, unter allen Umständen hinwollen. Also nicht: „Moritz ist so ekelhaft, deshalb will ich dich heiraten“, sondern: „Dich liebe ich, dich will ich heiraten.“Jeder Arbeitgeber will für das, was er da bietet, „geliebt“ werden – im übertragenen Sinne. Also muß das Ihr zentrales Argument sein: „Ich sitze hier vor Ihnen, weil es bei Ihnen um Produktion (Konstruktion, Projektierung, Vertriebsabwicklung, Kundendienst etc.) geht – und da will ich hin!“ Die Vergangenheit mit „Moritz“ (mit der Inbetriebnahme), streifen Sie, werten Sie als interessant, lehrreich, formend – aber Sie bewerben sich jetzt, weil Sie dort hin (!) wollen, nicht um vom bisherigen Tun weg (!) zu gelangen.

Als junger Mensch, nun verlassen wir einmal die Heiraterei, darf man auch durchaus Seltsames tun – aber bitte geplant. Notfalls falsch geplant, aber nie ungeplant. Also kann man durchaus immer schon Produktion (Konstruktion etc.) als Ziel gehabt, aber die Inbetriebnahme bewußt als Einstieg gewählt haben. Um die Produkte vor Ort in der Bewährung zu sehen, um die Probleme der Kunden mit diesen Maschinen kennenzulernen, um Auslandserfahrung (ohne die es ja heute nicht mehr geht) zu sammeln oder was weiß ich.

Aber wenn ich Produktionsleiter bin, dann sitzen vor mir gefälligst Bewerber, die produzieren wollen, nicht solche, die ihre bisherige Tätigkeit satt haben. Klar? Klar. Sagen Sie ja nichts anderes, sonst verheirate ich Sie noch einmal.

Zu 1: Ein Arbeitgeberwechsel nach zwei bis drei Jahren in der ersten Stelle wird vom Markt problemlos akzeptiert (allgemeine Warnung an dieser Stelle: wenn beim zweiten Job nach kurzer Zeit schon wieder ein Wechsel fällig wird, ist es natürlich deutlich besser, man kann auf ein schönes „Dienstjahrespolster“ beim ersten Unternehmen verweisen – wer also schon nach zwei Jahren geht, schöpft bereits am Anfang seinen „Kreditrahmen“ voll aus).

Zu 2: Wenn Sie eine einmal eingeschlagene Richtung (hier: Inbetriebnahme) ziemlich radikal ändern wollen, dann so schnell wie irgend möglich. Ihre Bedenken hinsichtlich der „falschen Vorprägung“ für stationäre Aufgaben durch Ihre heutige Tätigkeit sind durchaus berechtigt. Also gilt in so einem Fall: besser heute als morgen wechseln. Da Sie Ihre zwei Mindestjahre beim ersten Arbeitgeber ja schon längst erreicht haben, spricht unter diesem Aspekt nichts mehr gegen einen externen Wechsel.

Und da wir Ihre Frage Nr. 3 ja schon abgearbeitet hatten, hier noch einmal die Warnung: Alles, was ich dort gesagt habe, ist völlig ernst gemeint. Niemand will einen Mitarbeiter, der nur deshalb kommt, weil er dann mehr Zeit für sein Hobby hat. Was nicht ausschließt, daß auch mancher Bewerbungsempfänger „als Mensch“ verstehen dürfte, wie sehr dauernde Auslandseinsätze das Privatleben belasten können. Aber das gilt schließlich irgendwie für jede anspruchsvolle Tätigkeit.

Kurzantwort:

Im Zusammenhang mit Bewerbungen, Arbeitgeber- und allgemeinen Richtungswechseln gilt: Man geht auf etwas zu, läuft nicht vor etwas weg. Oder einfacher: Man hat vorne ein Ziel, nicht hinten Ärger.

Frage-Nr.: 1297
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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