Heiko Mell

Als Berufseinsteiger fachfremd tätig

Zum Abschluß meines Maschinenbaustudiums im Frühjahr 1993 konnte ich aufgrund der angespannten Arbeitsmarktlage in meinem Fachgebiet keine Anstellung finden. Da ich jedoch auch Vorlesungen und Praktika im Bereich Montanmaschinenwesen vorweisen konnte, bewarb ich mich auch in solchen Branchen und fand sehr schnell eine Anstellung im Spezialtiefbau.

Nach sorgfältiger Einarbeitung konnte ich Tätigkeiten übernehmen, die sonst von Bauingenieuren ausgeführt werden.
Nach ca. anderthalb Jahren wechselte ich in ein anderes Unternehmen dieser Branche, was für mich erhebliche Verbesserungen in beruflicher und finanzieller Hinsicht brachte. Ich habe, auch wegen der schwieriger werdenden Situation in der Bauindustrie, Zweifel an einer längeren Perspektive und halte es für zweckmäßig, mir mittelfristig (im Laufe der nächsten ein bis zwei Jahre) eine Tätigkeit in einer anderen Branche zu suchen.

Wie schätzen Sie meine Chancen ein, ohne Praxis im „eigenen“ Fach, aber mit vier Jahren Berufserfahrung in einer anderen Branche, im „eigentlichen“ Beruf eine Tätigkeit zu finden? Zählen eventuelle Erfahrungen in der Projektplanung und -steuerung und in Vertragsverhandlungen, die ja branchenunabhängig genutzt werden können?

Antwort:

Mit dem Berufseinstieg in einer „falschen“ Branche hatten Sie ein Problem. Aber das wäre lösbar gewesen. Sie hätten in den ersten ein bis zwei Jahren engagiert die „richtige“ Branche ansteuern und dabei bereit sein müssen – fachlich korrekt -, noch einmal als Anfänger einzusteigen. Ihre bis dahin erworbene Praxis hätten Ihnen einen enormen Schub bei den Bewerbungen gegeben und Ihnen zu einem Vorsprung gegenüber klassischen Berufseinsteigern des Maschinenbaus verholfen.

Einzige Bedingung: Ihr Gehalt wäre zunächst wieder das eines Anfängers gewesen. Aber: Während der klassische Anfänger etwa zwei Jahre braucht um zu verstehen, wie der „Hase so läuft im Berufsleben“, hätten Sie das locker schneller geschafft und den mit dem Rückschritt verbundenen Nachteil bald aufgeholt.

Sie haben nicht nur das versäumt, sondern haben jetzt ein weit schwerwiegenderes Problem geschaffen: Ihr Wechsel innerhalb der „falschen“ Branche signalisiert, daß Sie sich dort eigentlich sehr wohlgefühlt haben und nicht etwa mit Nachdruck in die – vom Studium her – „richtige“ Branche zurückgestrebt sind. Erst jetzt, nach vier langen Jahren, unternehmen Sie einen solchen Versuch, noch dazu immer noch nicht aus Liebe zum Maschinenbau.

Ihre Situation sieht etwa so aus: Sie üben die Tätigkeit eines Bauingenieurs aus, sind aber keiner. Je schwieriger die Situation in der Baubranche wird, desto mehr fallen Sie bei Bewerbungen – bei denen Sie einer von vielen Kandidaten pro Job sind – als „falsch“ ausgebildeter Außenseiter auf. Der potentielle Arbeitgeber findet mühelos ebenso erfahrene „richtige“ Bauingenieure.Der Arbeitgeber im Maschinenbau hingegen sieht sich generell mit „anderen“ Problemstellungen als in der Baubranche konfrontiert und bevorzugt „anders“ erfahrene Bewerber. Und wenn er meint, daß in einem Job Erfahrungen in der Projektplanung und -steuerung etc. wünschenswert sind – dann sucht und bekommt er diese von entsprechend erfahrenen Leuten aus „seiner“ Branche.

Die Rolle eines „Wanderers zwischen den Welten“ ist generell für den Betroffenen nicht besonders reizvoll. Eine grundsätzliche Chance besteht darin, sich um Positionen zu bemühen, die genau Ihr Erfahrungsspektrum erfordern, so daß aus bisherigen Nach- nun Vorteile würden. So wäre ein Einsatz im Vertrieb, in der Anwendungsberatung, im Service/Kundendienst, im Versuch o. ä. der Baumaschinenindustrie denkbar. Ebenso „andersherum“ im Maschinenwesen großer Baukonzerne.

Den Zug in die Branche „allgemeiner Maschinenbau“, die eigentlich Ihr Studium vorgab, halte ich hingegen für weitgehend abgefahren. Nicht zuletzt klaffen dafür Erfahrungsspektrum und Gehaltsanspruch zu weit auseinander.

Kurzantwort:

Wer nach dem Studium zwangsläufig nur in einer „falschen“ Branche unterkommt, ist gut beraten, den Sprung in die „richtige“ möglichst schnell anzustreben. Dort ist man dann zwar wieder Berufsanfänger, aber ein begehrter mit umfassender „persönlicher“ Erfahrung.

Frage-Nr.: 1231
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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