Heiko Mell

Chancen auch für Leiharbeiter?

Nachdem ich im Anschluß an mein Studium zum Dipl.-Ing. Maschinenbau ein halbes Jahr arbeitslos war, habe ich eine Stelle in einem Ingenieurbüro angenommen. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das Kundenaufträge entweder im eigenen Büro abwickelt oder seine Angestellten dem Kunden für die Zeit eines Projektes zur Verfügung stellt. Sprich: Ich bin ein sogenannter Leiharbeiter.

Abgesehen davon, daß ich froh war, endlich eine Anstellung gefunden zu haben, sehe ich noch weitere Vorteile in dieser Tätigkeit: Durch den ständig wechselnden Einsatzort habe ich die Möglichkeit, verschiedene Unternehmen kennenzulernen und auch einen Einblick in verschiedene Fachgebiete zu bekommen.

Wie sehen künftige Bewerbungsempfänger solch eine Berufstätigkeit, wie steht es dabei mit dem Problem der Wechselhäufigkeit (ich bin ja sowieso ständig für andere Firmen tätig), wenn ich mir kurzfristig eine „stationäre“ Anstellung suche?

Antwort:

Ich sehe bei hochqualifizierten (akademisch gebildeten) Arbeitskräften ein Leiharbeitsverhältnis grundsätzlich eher als klare Überbrückungs- oder Einstiegslösung (uneingeschränkt viel besser als Arbeitslosigkeit) an. Im Sinne einer langfristig aufzubauenden Karriere jedoch kann das keine Standard- oder Dauerlösung sein.

Der von Ihnen genannte Vorteil wird nämlich schnell zum Nachteil: Kaum ist man bei einem (Kunden-)Unternehmen in die Details eingestiegen, ist man auch schon wieder draußen. Für wirklich anspruchsvolle Sach- bzw. Projektverantwortung oder längere Prozeßbegleitung bleibt kein Raum, auch Führungserfahrung wird generell nicht erworben.

Spätere Bewerbungsempfänger sehen in der Übernahme einer solchen Leiharbeitsposition ebenfalls eher die Überbrückung einer besonderen Situation (z. B. Berufseinstieg in schwieriger Zeit). Und sie unterstellen, daß der Betroffene recht bald nach einem klassischen Dauerarbeitsverhältnis strebt. Also sind Vorwürfe wegen zu schnellen Arbeitgeberwechsels dabei nicht zu erwarten.

Aber: Wenn das folgende „klassische“ Arbeitsverhältnis aus irgendwelchen Gründen nur sehr kurz geraten sollte, hätten Sie in den Augen der dann Ihre Bewerbung lesenden Firmen schon zwei kurze Dienstzeiten hinter sich. Bleibt Ihnen das jedoch erspart, wird die frühere Leiharbeit keine weiteren Nachteile mit sich bringen.

Wer berufliche (Karriere-)Ambitionen hat, sollte eine Leiharbeitstätigkeit nicht zu lange ausdehnen. Man wird sonst unterstellen, er fände Gefallen an dem ewigen Wechsel des Arbeitsplatzes und würde auch in Zukunft so weitermachen („sie tun es immer wieder“).

Kurzantwort:

Für einen Akademiker mit beruflichen Ambitionen sind Leiharbeitsverhältnisse eher Überbrückungen als ernsthafte Alternativen zur „klassischen“ Beschäftigung. Sie sind jedoch stets besser als Arbeitslosigkeit.

Frage-Nr.: 1160
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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