Heiko Mell

Chancen nach der Babypause?

Ich bin Diplom-Ingenieurin Chemie (FH), 31 Jahre alt, verheiratet und habe ein kleines Kind.

Nach dem Studium habe ich fünf Jahre lang bei meinem ersten und einzigen Arbeitgeber gearbeitet. Ich hatte eine sehr interessante und abwechslungsreiche Tätigkeit.Nach vier Jahren wurde ich Gruppenleiterin mit vier Mitarbeiterinnen. Da mein Mann am Standort keine Arbeitsstelle fand, zog er in eine Stadt, die ca. 600 km entfernt war. Nun fand ich dort keine Stelle. Ich blieb zunächst bei meinem alten Arbeitgeber, wurde schwanger, zog im Erziehungsurlaub zu meinem Mann. Nachdem wir sicher waren, nicht mehr zurückzuziehen, kündigte ich meinen Arbeitsvertrag.

Wir möchten gern noch ein zweites Kind. Gleichzeitig mache ich mir Gedanken um meine berufliche Zukunft. Welche Möglichkeiten sehen Sie für mich, wenn ich in drei Jahren nach der Babypause wieder in den Beruf (evtl. auch halbtags) einsteigen möchte.

Lebenslauf und Arbeitszeugnis lege ich bei. Ist letzteres so gut, wie ich es interpretiere?

Antwort:

Ihre nüchterne Schilderung ist wertvoll für diese Serie. Sie beschreibt einen typischen, geradezu klassisch gelagerten Fall. Er ist lehrreich für andere und gestattet es mir, einzelne Aspekte nachvollziehbar zu beleuchten:

1. Wenn zwei gut ausgebildete Partner entsprechend anspruchsvolle berufliche Ziele verfolgen, sind Probleme allein aus der Standortfrage heraus zu erwarten. Wo sie erfolgreich tätig ist, findet er nichts, wo er dann schließlich etwas findet, gibt es keine berufliche Chance für sie. Abhilfe: grundsätzlich keine, es bleibt nur der individuelle Kompromiß.

Die Gefahr dabei: Derjenige Partner, der dem anderen zuliebe seinen guten Job aufgegeben hat und ihm räumlich gefolgt ist, hat bei künftigen Bewerbungen erst eine gute Ausrede für seinen Wechsel des Arbeitgebers und dann ein Problem. Jeder versteht die Motive und jeder befürchtet, es könne jederzeit wieder geschehen. So ist folgende Aussage von Bewerbungsempfängern denkbar:

„Und wenn nun Ihr Partner entlassen wird und nur in einer anderen Region einen neuen Arbeitsplatz findet? Oder wenn er an einen anderen Standort versetzt wird dann verlieren wir Sie ohne Chance, etwas dagegen tun zu können.“ Das fördert keinesfalls die Bereitschaft, diesem Bewerber besonders verantwortungsvolle Aufgaben zu übertragen. Wie gesagt, eine pauschale Lösung sehe ich nicht. Junge Paare, die ihre Zukunft planen, sollten sich rechtzeitig auf diesen Aspekt vorbereiten.

Meine persönliche Empfehlung, hier bewußt ausdrücklich als private Meinung gekennzeichnet: Es ist hilfreich, wenn die Partner von Anfang an und damit vorher festlegen, wer sich im Problemfall nach wem richtet. Von der denkbaren Lösung, mal hier, mal da Abstriche zu machen und wechselseitig Rücksicht zu nehmen, halte ich weniger. Mit ein bißchen Pech bleiben dann zwei geschädigte Karrieren übrig.

2. Die Vereinbarung des von mir uneingeschränkt befürworteten Wunsches nach Kindern mit dem Beruf ist ebenfalls ein ungelöstes Problem. Ihr Arbeitgeber hat erst Ihren Mutterschafts- und Erziehungsurlaub organisatorisch verkraften müssen, schließlich hat er Sie ganz verloren, weil sich bei Ihnen während dieser Aus-Zeit familieninterne Überlegungen ergaben, die eine Rückkehr in das Arbeitsverhältnis ausschlossen.

Keine Frage: Ihr bisheriges Handeln in dieser Angelegenheit ist absolut nachvollziehbar, auch ich hätte Ihnen keinen anderen Rat geben können. Aber ein direktes Jubeln auf Arbeitgeberseite kann letztlich auch niemand verlangen.

Ich finde, es ist in erster Linie die Aufgabe der jungen Familie selbst, für die Erfüllung bestimmter Wünsche auch familienintern eine Lösung zu finden. Das gilt auch, wenn einer dieser Wünsche „Kinder“ heißt. Und wenn damit für die Partner Einschränkungen verbunden sind, müssen sie intern damit fertig werden. Sie, geehrte Einsenderin, haben nichts anderes verlangt, meine Aussage gilt anderen, die stets nach Regelungen des Staates oder der Gesellschaft rufen. So viel als Anschauung für andere, die ihre Partnerschafts- und Familienplanung noch vor sich haben.

Die Kernfrage dieser Einsendung nach den späteren Berufschancen läßt sich pauschal nicht beantworten. Sie sehen ja, daß Sie ohne jede Belastung durch Schwangerschaft, Kinder oder Halbtagswunsch schon Probleme hatten, an einem bestimmten Ort eine problemlose Fortsetzung des bis dahin erfolgreichen Berufsweges zu finden. Mit den zwischenzeitlich hinzugekommenen Fakten und Wünschen wird das kaum leichter werden. Auch hier gibt es nur die individuelle Lösung.Sicher ist, daß Sie beim Wiedereinstieg fachlich und von der Hierarchie her (Gruppenleiterin) Abstriche machen müssen. Letztlich fangen Sie praktisch wieder weitgehend von vorn an. Mitunter hilft der Zufall, und gerade Ihre Qualifikation wird gesucht. Aber Halbtags-Gruppenleiterinnen gibt es in statistisch relevanter Größenordnung ohnehin keine.

Der einzige mir bekannte Trend, der eine Lösung verspricht, ist der Tele-Arbeitsplatz. Ich gehe davon aus, daß wir in Zukunft noch mehr davon hören werden (ich gehe auch davon aus, daß er neue Probleme schaffen wird, aber das ist ein anderes Thema). In jedem Fall gilt: Bleiben Sie fachlich am Ball, vielleicht gibt es ja Fernkurse/ -studien. Vor allem aber sollten Sie sich in jeder denkbaren Form dem PC widmen nur über die bedingungslose Vertrautheit mit dem Computer funktioniert Tele-Arbeit.

Als Trost: Ihr Zeugnis ist wirklich sehr gut, es wird Ihre Bemühungen unterstützen. Ich wünsche Ihnen Glück für alle Planungen.

Kurzantwort:

Zwei Partner mit Anspruch an die jeweilige berufliche Tätigkeit müssen allein aus räumlichen Gründen mit Problemen rechnen und fertig werden. Der Wunsch nach Kindern bringt zusätzliche berufliche Schwierigkeiten mit, für die es keine pauschale Lösung gibt.

Frage-Nr.: 1148
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

Top Stellenangebote

Deutsche Bundesbank-Firmenlogo
Deutsche Bundesbank Ingenieur/in für Elektro- und Informationstechnik Frankfurt am Main
Klinik Technik GmbH-Firmenlogo
Klinik Technik GmbH Abteilungsleiter Umwelt-, Energie- und Entsorgungs-Management (m/w/d) Heidelberg
Frankfurt University of Applied Sciences-Firmenlogo
Frankfurt University of Applied Sciences Professur (W2) für das Fachgebiet: Automatisierungstechnik für die Anwendungsbereiche Maschinenbau und Verfahrenstechnik (m/w/d) Frankfurt am Main
Alhäuser + König Ingenieurbüro GmbH-Firmenlogo
Alhäuser + König Ingenieurbüro GmbH Ingenieure / Master (m/w/d) für Versorgungstechnik (HKLS) und für Elektrotechnik Hachenburg
Ed. Züblin AG-Firmenlogo
Ed. Züblin AG Direkteinsteiger (m/w/d) der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA)/ Gebäudetechnik/ Versorgungstechnik/ Elektrotechnik Stuttgart
Ed. Züblin AG-Firmenlogo
Ed. Züblin AG Baustellenpraktikanten (m/w/d) Stuttgart
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke München GmbH Architekt (m/w) München
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
Forschungszentrum Jülich GmbH Ingenieur / Bachelor / Master als Gebäudemanager (m/w/d) Erlangen
Technische Hochschule Mittelhessen (THM)-Firmenlogo
Technische Hochschule Mittelhessen (THM) W2-Professur für das Fachgebiet Kraftwerkstechnik, Energiespeicher- technologie und Anlagenplanung Gießen
Berufsakademie Sachsen-Firmenlogo
Berufsakademie Sachsen Professor für Energie- und Gebäudetechnik (m/w/d) Riesa
Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell: B…