Heiko Mell

Einstieg im Kleinstunternehmen?

Ich habe eine abgeschlossene Berufsausbildung und befinde mich zur Zeit im letzten Semester meines FH-Studiums. Meine Noten sind durchschnittlich, ich werde in der Regelstudienzeit fertig werden. Ich stehe in engem Kontakt mit einem Ein-Mann-Ingenierbüro, für das jetzt ein zweiter Ingenieur dringend erforderlich ist. Ich kann meine Diplomarbeit dort machen, mir wurde mehrfach eine feste Anstellung nach der Diplomprüfung zugesagt.

Ist es sinnvoll, als Jungingenieur in solch ein kleines Büro einzusteigen?

Meine Zukunftspläne sehen folgendermaßen aus: Beschäftigung in diesem Büro für ca. zwei bis drei Jahre (aufgrund der momentanen Arbeitsplatzsituation, meiner durchschnittlichen Leistungen und um Berufserfahrungen zu sammeln), anschließend eine zusätzliche Wirtschaftsqualifikation (Aufbaustudium oder MBA-Abschluß) und dann Einstieg in einen größeren Betrieb versuchen.

Antwort:

Kernfrage ist, warum Sie nur „durchschnittliche Leistungen“ erbringen. Wenn diese Ihre entsprechenden Fähigkeiten ausschöpfen, sollten Sie weder an Zusatzstudien, noch an Großbetriebe denken. Erstere nützen wenig, wenn sie auch wieder nur „durchschnittliche“ Ergebnisse bringen (und schaden sehr, wenn Sie durchfallen). Letztere sieben schon bei der Einstellung stark, da hätten Sie kaum eine Chance. Außerdem trifft sich dort die junge Leistungselite, was keine gute Basis ist für schwächer Begabte.

Ist aber „Faulheit“ die Erklärung, ist alles noch schlimmer. Niemand mag Faule wer sollte garantieren, daß sich die Eigenschaft gerade jetzt verflüchtigt (z.B. im nächsten Studium)?

Sie könnten hingegen der eher praktisch begabte Mensch sein. Der zupackt, wenn er ein Problem sieht, dem aber theoretische Erörterungen nicht liegen. Insbesondere in Klein- und Mittelbetrieben finden sich für Mitarbeiter mit entsprechender Qualifikation hervorragende Chancen. Ihre Zukunft hieße also „arbeiten“, nicht „weiter studieren“.

Nun hat die Arbeit in Kleinstbetrieben wegen der Nähe zum allgegenwärtigen Chef auch ihre Tücken. Dennoch könnte das eine gute Basis für Sie sein, um erst einmal Praxiserfahrungen zu sammeln und herauszufinden, was Sie können.

Vom späteren Vollzeitstudium rate ich Ihnen ab. Einmal ist das System in Deutschland (noch?) nicht üblich, zum anderen hätten Sie bei berufsbegleitenden Anstrengungen eine bessere „Ausrede“, wenn die Noten wieder nur „durchschnittlich“ werden. Das MBA-Studium ist ein Sonderfall, stellt aber hohe Anforderungen. Ich finde es nicht ratsam, als „durchschnittlicher“ FH-Absolvent diesen Weg zu gehen.

Kurzantwort:

Das System, nach abgeschlossenem Studium mehrere Jahre praktisch zu arbeiten und dann ein neues, mehrjähriges Vollzeitstudium aufzunehmen, ist in Deutschland nicht generell zu empfehlen, es widerspricht Grundregeln. Ausnahme ist das MBA-Studium, dessen Akzeptanzquote insbesondere bei Großunternehmen hoch und weiter steigend ist.

Frage-Nr.: 1132
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

Top Stellenangebote

Hochschule Aalen - Technik und Wirtschaft-Firmenlogo
Hochschule Aalen - Technik und Wirtschaft W2 Professur Effiziente Kunststofffertigung Aalen
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg-Firmenlogo
Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg Professur (W2) Produktentwicklung mechatronischer Systeme Regensburg
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten-Firmenlogo
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten W2-Forschungsprofessur (m/w/d) "Digitalisierung in der spanenden Fertigung" Kaufbeuren
Stadt Dorsten-Firmenlogo
Stadt Dorsten Dipl. Ing. bzw. Bachelor/ Master (m/w/d) der Fachrichtung Versorgungstechnik/ Gebäudetechnik/ technische Gebäudeausrüstung Dorsten
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten-Firmenlogo
Hochschule für angewandte Wissenschaften Kempten W2-Forschungsprofessur (m/w/d) "Digitalisierung von Produktionssystemen" Sonthofen
Hochschule Osnabrück-Firmenlogo
Hochschule Osnabrück Professur für Intelligente Agrarsysteme Osnabrück
Hochschule Osnabrück-Firmenlogo
Hochschule Osnabrück Professur für Technisches Management Osnabrück
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH-Firmenlogo
Panasonic Industrial Devices Europe GmbH QC-Fachkraft (m/w/d) für die SW-Programmierung der Automotive-Teststände Lüneburg
Bauhaus-Universität Weimar-Firmenlogo
Bauhaus-Universität Weimar Leiter (m/w/d) Sachgebiet Liegenschaftsverwaltung Weimar
Freie Universität Berlin-Firmenlogo
Freie Universität Berlin Technische/-r Beschäftigte/-r (m/w/d) Berlin
Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.