Heiko Mell

Arbeitslos auf eigenen Wunsch?

Im Oktober 1994 war ich Maschinenbauabsolvent der TH… mit gutem Ergebnis. Wie viele meiner Kommilitonen wußte auch ich zu diesem Zeitpunkt keine passende Anfangsstelle zu finden. Aus Anlaß der Zeugnisübergabe gab uns unser Dekan den Tip „auszuweichen“.

Also nahm man es nicht mehr so genau mit der Auswahl der in Frage kommenden Unternehmen und siehe da, nach drei Monaten kam es zu einem Vertragsangebot bei einem mittelständischen (Ausweich-)Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie.

Ich unterschrieb und begann, mich mit großem Engagement und ebensolcher Zielstrebigkeit einzuarbeiten eben alles zu tun, was man von einem jungen Forschungs- und Entwicklungsingenieur erwartet. Bald kamen die ersten Projekte, die alle mit relativ wenig Zeitaufwand, aber mit großer Akzeptanz des Ergebnisses durch Vorgesetzte und Kollegen abgehandelt werden konnten.

Irgendwann jedoch bemerkte ich an mir selbst, daß ich den Erfolg zwar genoß, aber das Interesse an der Produktfamilie und dem, was ich da entwickelte (es folgen Details technischer Produkte, die aber offensichtlich nicht den durch Studienschwerpunkte untermauerten Ansprüchen genügen, d. Autor), immer mehr schwand. Ich fühlte mich, wie soll ich sagen, gelangweilt, unterfordert, verlor die Lust empfand keinerlei Herausforderung.

Zudem stellte sich nach einer längeren Unterhaltung mit meinem Chef heraus, daß für mich aufgrund der „schlanken Struktur des Unternehmens“ auch keine besonders auffälligen Karriere- oder Aufstiegschancen bestanden (auch nicht in finanzieller Hinsicht). Ich hatte den Eindruck, daß die schwierige Lage der Ingenieure auf dem Arbeitsmarkt ausgenutzt werden sollte.

Aus diesen Gründen begann ich, nach einem knappen Jahr der Betriebszugehörigkeit, mit meinem Chef zu verhandeln, und zwar über ein Gehen auf eigenen Wunsch. Er zeigte sich zunächst eisern, doch nach näherer Erörterung meiner Argumente war er schließlich bereit, mir ein Zwischenzeugnis auszustellen. Aus dem ging hervor, daß ich zum … ausscheide. Mit diesem Dokument bewarb ich mich. Bis auf wenige schnelle Absagen waren die Reaktionen auf meine Bewerbungen bisher bescheiden.

Ich bin inzwischen also Arbeitsloser auf eigenes Drängen hin, fühle jedoch eine mich fast erdrückt habende Last durch die Arbeit in diesem Unternehmen von mir genommen.

1. Soll man in einem Unternehmen auf alle Fälle bleiben, auch wenn man weder fachlich noch menschlich weiterkommt und sieht, daß man seine Nerven enorm stark strapaziert, gleichzeitig mühsam geschaffene Kenntnisse nach und nach verliert und fern jeglicher Interessenslage dahinarbeiten muß? Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende?

2. Wie sind die Aussagen meines Zeugnisses zu werten? Will mein ehemaliger Arbeitgeber mir damit schaden oder ist es tatsächlich gut (Zwischen- und Endzeugnis sind in der Aussage identisch).

Antwort:

Den erwähnten Artikel kenne ich leider nicht.

Zu 1. Berufsanfänger wechseln leider häufig schon nach zwei Jahren. Ich rate ihnen, doch wenigstens(!) drei Jahre „auszuhalten“. Bei einer Auslandstätigkeit direkt nach dem Studium überwiegt „Ausland“ deutlich gegenüber „Tätigkeit“. Wichtig ist, daß man beruflich relevante Auslandspraxis sammelt, die Art der Tätigkeit ist in diesem Fall weniger wichtig als beim Start im Inland. Daher reichen hier auch zwei Jahre aus (alle diese Zahlenangaben sind natürlich nur Rahmenwerte).

Zu 2. Absolut nicht negativ, was das Land angeht. Ich sehe keine Nachteile gegenüber einem Bewerber aus den Niederlanden, Spanien, Frankreich oder Großbritannien. Natürlich muß man sehen, daß man später mit manchen Landessprachen vielleicht mehr anfangen kann als mit anderen. Aber Ihre Befürchtungen sind nicht gerechtfertigt.

Zu 3. Das ist durchaus ein kritischer Punkt. Vor allem dann, wenn andere es schneller schafften. Problematisch wird es, wenn später noch öfter beschäftigungslose Zeiten hinzukommen.

Zu 4. Ich sehe kaum eine Beeinträchtigung; siehe auch zu 1.

Zu 5. Das ist ein großes Problem! Ich kenne nicht alle Firmenrichtlinien, gehe aber von einer deutlichen „Zurückhaltung“ deutscher Firmen aus, Bewerber auf ihre Kosten aus dem Ausland anreisen zu lassen. Bekannt sind mir Regelungen, in denen „ab deutscher Grenze“ bezahlt oder angeboten wird, die längste in Deutschland mögliche Anreise zu vergüten. Häufig wird erwartet, daß der Bewerber eine ohnehin fällige Heimatreise so legt, daß sich eine Kombination mit einem Vorstellungstermin ergibt. Als Bewerber sollten Sie sensibel reagieren und irgend etwas in dieser Richtung aussagen („…bin ab … ohnehin in Deutschland …“).

Sollten Leser andere Erfahrungen mit Auslands-Reisekostenerstattungen gemacht haben, bitte ich um Hinweise.

Kurzantwort:

Bei der Auslandstätigkeit dominiert „Ausland“ gegenüber „Tätigkeit“.

Frage-Nr.: 1125
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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