Heiko Mell

Linie contra Projekt

Frage: Ich bin seit einiger Zeit neben meiner Linienfunktion im Bereich Informatik (Leiter…-Systeme) noch Projektleiter für die Einführung der Standardsoftware TBQ. Da mein Vorgesetzter mit meinen Leistungen sehr zufrieden war (auch noch ist), hatte ich die Projektleitung zusätzlich zur Linienfunktion übernommen unter dem Vorbehalt, daß ich bei Überlastung diese Aufgabe wieder abgeben kann.
Da sowohl das Projekt in den nächsten Monaten an Komplexität zunehmen als auch meine Abteilung wachsen wird, denke ich derzeit darüber nach, eine der Funktionen abzugeben. Für die nächsten zwei bis drei Jahre erfordern beide Aufgaben einen sehr starken persönlichen Einsatz (mehr als 60 Stunden pro Woche, Tendenz steigend). Ich befürchte, daß dabei auch die Qualität meiner Arbeit leidet.

1. Habe ich wirklich die „Freiheit“, eine der Aufgaben abzugeben? Oder muß ich um jeden Preis beide Funktionen erfüllen?
2. Welche Funktion sollte ich abgeben? Mein Kopf sagt mir, ich sollte die Linienfunktion behalten, mein Gefühl hängt mehr am Projekt. Ich hätte bei letzterem größere Gestaltungsspielräume, außerdem werden Projektaufgaben künftig noch stärkere Bedeutung bekommen.

Antwort:

Ich fürchte, Sie kommen von der Doppelverantwortung nur schwer und nicht ohne Nachteile wieder herunter. Ihr Chef würde Absprache hin oder her enttäuscht sein. Versuchen Sie, Ihrem Chef die enorme Belastung zu verdeutlichen. Dabei darf es nicht um Sie gehen, sondern um denkbare Nachteile für das Unternehmen. Vielleicht läßt sich in Ihrer Linienabteilung eine Entlastung (Stellvertreter) einrichten. Setzen Sie mit dem Chef abgestimmte Prioritäten.

Ich sehe es so: Wenn Sie im Augenblick Ihre Linienabteilung etwas vernachlässigen, ist das zwar nicht unkritisch, aber solange Ihr Chef das toleriert akzeptabel. Sie bekommen die Teilung eines Tages schon wieder in den Griff; hier also liegt Ihr Spielraum.Das Projekt jedoch ist prestigeträchtig. Wenn Sie das vernachlässigen, bekommen Sie Ärger und Imageverlust. Sollten Sie es sogar zurückgeben, könnten „höhere Kreise“ im Hause Ihren Namen von der Förder-liste streichen („er hat gekniffen, das war`s dann“).

Die Linienfunktion sollten Sie niemals aufgeben Projekt statt oder nach Linie sieht später im Lebenslauf nicht so gut aus.Ich schätze, Sie müssen da durch. Viel Glück.

Kurzantwort:

Geschäftsführer und Vorstände haben Linienpositionen inne. Das unterstreicht das Gewicht dieser Art von Funktion gegenüber Projektaufgaben.

Frage-Nr.: 1120
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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