Heiko Mell

Bedeutung und Rückkehrproblematik

In Kürze werde ich mein Maschinenbau-Studium nach knapp elf Semestern mit voraussichtlich leicht überdurchschnittlicher Abschlußnote beenden. Meine Studienarbeit habe ich in der Konstruktionsabteilung eines außereuropäischen Werkes eines deutschen Konzerns geschrieben. Das halbe Jahr im Ausland war die schönste Zeit meines Studiums, ich konnte weitgehend selbständig ein Projekt bearbeiten.

Nun habe ich ein Angebot meines damaligen Chefs aus diesem ausländischen Werk erhalten, in seiner Abteilung zu arbeiten. Grundlage wäre zunächst ein 2-Jahres-Vertrag. Ich finde das Angebot reizvoll.

Wie schätzen Sie meine Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt nach meiner Rückkehr ein? Zwar würde ich mit hoher Eigenverantwortung arbeiten, andererseits ist dieses Land nicht gerade das Zentrum technischer Innovationen. Wird bei einer späteren Bewerbung der Nicht-Zugewinn an Fachwissen stärker bewertet als die Erfahrungen im organisatorischen, sprachlichen und persönlichen Bereich?

Antwort:

Das Berufsleben ist wie ein Marathonlauf. Für den jungen Hochschulabsolventen stehen etwa so viele Berufsjahre an wie für den Läufer Kilometer (ja, ja: wer später mit dem Studium fertig ist, braucht weniger zu arbeiten, das ist der paradoxe Reiz dabei).

Sie also sind nun der „Läufer“ kurz vor dem Start und fragen mich, wie eine bestimmte, vermutlich leistungsfördernde Maßnahme sich bei zwei Kilometern nach dem Start auswirken wird. Ist das wichtig?

Fragen Sie anders, und Sie bekommen eine klare Antwort. Beispiel:“Wenn ich dieses Auslandsprojekt annehme, sind dann meine Chancen im Hinblick auf den Zieleinlauf besser?“ Darauf bekommen Sie ein engagiertes „Ja“!

Daraus erkennen Sie das Prinzip: Wichtig ist, ob diese Auslandspraxis Ihrer Karriere nützt – und das tut sie in jedem Fall.

Nur kurzfristig, also nach nur zwei von vierzig „Kilometern“, ist die Geschichte weniger eindeutig. Sie können sogar Nachteile haben gegenüber dem“Vergleichsingenieur“, der jetzt den Einstieg im Inland schafft – und in zwei Jahren vielleicht keinen neuen Job braucht, sondern den alten einfach weiterlaufen läßt.

Aber in fünf oder zehn Jahren liegen irgendwo fünf oder zehn Personalakten auf dem Tisch und jemand wählt den optimalen Managementkandidaten aus. Dann ist das Argument „hat Auslandspraxis“ vielleicht das entscheidende.

Es gibt bereits öffentliche Äußerungen von Top-Managern und Personalverantwortlichen in dem Sinne, daß im Zuge der zunehmenden Internationalisierung und länderübergreifenden Verzahnung von Produktionsvorgängen zukünftig Führungskräfte ohne Auslandspraxis nicht mehr denkbar sein werden (zumindest, so sagen sie, nicht in unserem Konzern).

Dabei gelten folgende Richtlinien:

1. Die Auslandstätigkeit als solche überstrahlt die Frage nach Details der Aufgabe.

2. Mit zunehmender Dauer wird die Reintegration in den deutschen Arbeitsmarkt schwieriger, zwei Jahre sind jedoch absolut unproblematisch.

3. Direkt nach dem Studium ist, wenn entsprechende Chancen bestehen, die beste Zeit, mit 47 Jahren die schlechteste (immer auf den Fall bezogen, in dem man auf eigene Initiative Angestellter eines ausländischen Arbeitgebers wird).

Sie, verehrter Einsender, bekommen ein Problem, wenn man Sie in zwei Jahren auf dem Marktplatz von Sao Paulo (beispielsweise) entläßt und Sie hier in Deutschland wieder neu suchen müssen. Aber es lohnt sich – für die Persönlichkeit und die Karriere. Bedenken Sie auch: Noch Ihren Enkelkindern werden Sie etwas zu erzählen haben. Aber das war eigentlich nicht Ihre Frage.

Kurzantwort:

1. Auslandspraxis wird im Zuge der zunehmenden Internationalisierung des Berufslebens als Karrierebasis immer wichtiger und kann Menschen pauschal empfohlen werden. 2. Bei Auslandstätigkeiten ohne Rückkehrgarantie ist mit Reintegrationsproblemen in Deutschland zu rechnen. Daher ist der beste Zeitpunkt direkt nach dem Studium (für ca. 2-3 Jahre). Dann sind bei der Rückkehr die Ansprüche noch nicht so hoch und Kompromisse fallen leichter.

Frage-Nr.: 1085
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

Top Stellenangebote

Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES-Firmenlogo
Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme IWES Forschungs- und Entwicklungsingenieurin / Forschungs- und Entwicklungsingenieur als Gruppenleitung Bremerhaven, Bremen, Hamburg, Hannover
Stadtentwässerung Frankfurt am Main-Firmenlogo
Stadtentwässerung Frankfurt am Main Technische/r Angestellte/r Frankfurt am Main
Crawford & Company (Deutschland) GmbH-Firmenlogo
Crawford & Company (Deutschland) GmbH Trainees (w/m/d) als Sachverständige (w/m/d) deutschlandweit
Stadt Leer-Firmenlogo
Stadt Leer Leitung (m/w/d) des Fachdienstes 2.66 Mobilität und Verkehr Leer
Kita Frankfurt-Firmenlogo
Kita Frankfurt Ingenieur/in (m/w/d) Fachrichtung Architektur (Hochbau) / Bauingenieurwesen Frankfurt
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW-Firmenlogo
Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Leitung (m/w) für den Bereich Bauaufsichtliche Angelegenheiten Düsseldorf
Enovos Deutschland SE-Firmenlogo
Enovos Deutschland SE Senior Projekt- und Asset Manager Wind (w/m/divers) Saarbrücken
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH-Firmenlogo
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH Sachkundiger (w/m/d) Frankfurt am Main
Covestro-Firmenlogo
Covestro Ingenieur (m/w/d) als Inspektionsmanager Dormagen
Techtronic Industries ELC GmbH-Firmenlogo
Techtronic Industries ELC GmbH Technischer Projektmanager (m/w/d) Elektrowerkzeuge Winnenden

Zur Jobbörse

Top 5 Heiko Mell: B…