Heiko Mell

Was wollen die Generationen X, Y, Z?

Frage

Ich möchte mich bei Ihnen ganz herzlich bedanken. Rückblickend sind Sie eine der prägendsten Personen meiner Karriere. Durch Ihre Kolumne in den VDI nachrichten haben Sie mir viel beigebracht. Ich lese sie seit ca. achtzehn Jahren und kann sagen, dass ich viele berufliche Entscheidungen deutlich bewusster getroffen habe.

Dabei interpretiere ich Karriere für mich als erfülltes, selbstbestimmtes Arbeiten „im System“, ohne dass es den schnellstmöglichen Aufstieg beinhalten muss. Oft hält das Leben nämlich genug Überraschungen bereit. Als Führungskraft habe ich schon vielen Mitarbeitern Themen von Ihnen (ausgedruckt) gegeben und auch mit ihnen besprochen (z. B. „Herr Direktor, die Firma brennt“). Gerade bei den jungen Kollegen ist es spannend zu beobachten, wie zu Beginn 99% Skepsis mit der Zeit in größeres Verständnis gewandelt werden kann. Aber es dauert und klappt nicht bei jedem.

Als Wunsch für Themen für die Zukunft hätte ich zwei Ideen/Anregungen:
a) Generation XYZ: Wie können Arbeitgeber attraktiv sein für die jüngeren Generationen? Bei uns, einem deutschen Top-Konzern, wird schon viel geboten; dennoch fühle ich, dass die Forderungen vielfältiger und anspruchsvoller werden.
b) Wandel der Arbeitswelt im Allgemeinen: Sie haben eine lange Zeit das Berufsleben begleitet. Durch die zunehmende Digitalisierung wird in den nächsten zehn Jahren meiner Meinung nach viel passieren. Ich glaube es hilft, sowohl einmal in den Rückspiegel zu schauen (auch in den letzten zehn Jahren und davor hat sich viel geändert) als auch nach vorne.

Eine letzte Notiz noch, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte: Ich höre regelmäßig Podcasts und habe mich sehr gefreut als zwei Karriereberater sich gegenseitig interviewt und darauf hingewiesen haben, wie treffend und wertvoll Heiko Mells Tipps sind. Sie erreichen halt sehr viele Menschen – aber das wissen Sie ja bereits.

Antwort:

Wer freut sich nicht über Lob und Anerkennung – Serienautoren bilden da sicher keine Ausnahme. Vielen Dank.

Immer wieder versuche ich, die auch mir bekannten 99% Skepsis, auf die ich oft bei „jungen Kollegen“ stoße, beispielsweise durch Abdruck solcher zustimmenden Einsendungen erfahrener Leser auf 85% zu drücken. Zusätzlich baue ich dann auch noch auf die Kraft logischer Argumentation: Würde eine Zeitung dieses Formats eine solche „Karriereberatung“ über dreißig Jahre hinweg abdrucken, wenn sie den Verdacht hätte, die Skepsis sei völlig berechtigt, in Wirklichkeit ginge es in dieser beruflichen Welt ganz anders zu?

Aber meine Bemühungen sind nicht so erfolgreich wie erhofft. Es gibt allerdings eine Lösung: Ich muss warten, bis die jungen Kollegen älter werden und fünf, besser zehn Jahre Berufspraxis gesammelt haben: Dann schwindet die Skepsis rapide und die Zustimmungsquote steigt steil an. Nun, wieder eines der Probleme, die sich im Laufe der Zeit von selbst erledigen. Für einen engagierten Berater ist es nur nicht sehr befriedigend zu sehen, wie viele Fehler in dieser Zeit langsam wachsender Erkenntnis gemacht werden – von denen einige später nur mit großem Aufwand zu korrigieren sind, andere gar nicht mehr.

Also versuche ich es hier einmal mit einer Art Schocktherapie gegenüber dieser Zielgruppe: Ich gehe davon aus, dass a) meine Ausführungen zu etwa 75 – 90% die allgemeine betriebliche Wirklichkeit wiedergeben (wegen der heterogenen Struktur unserer Unternehmen sind 100 % nicht möglich) und dass b) diese Behauptung durch obige Ausführungen („30 Jahre in dieser Zeitung“) und durch immer wieder abgedruckte Anerkennung der Leser als bewiesen gelten darf.

Wenn also insbesondere jüngere Leser dieser Serie dennoch immer wieder so große Skepsis entgegenbringen, liegt das an deren völlig unzureichenden Kenntnissen der tat-sächlichen Verhältnisse in der Praxis. Dann haben sie es versäumt, sich rechtzeitig die nötigen Informationen zu verschaffen – und /oder Eltern, Lehrer und Professoren haben dabei versagt, diese Kenntnisse zu vermitteln. In jedem Fall ist das dann ein Problem dieser Zielgruppe, die ja auch die Konsequenzen zu tragen hat.

Ich glaube übrigens, dass nicht allein fehlende Informationen über die betriebliche Realität das Problem sind – wäre es so, bestünde da lediglich ein Kenntnis-Vakuum, das es nur zu füllen gälte. Nein, es ist schlimmer: Da ist kein Leerraum, da sind Illusionen, falsche Vorstellungen, unrealistische Erwartungen. Wer da aufklären will, muss erst einmal diesen Gedanken entgegentreten, falsche Ansätze mühsam ausräumen – und kann dann erst mit der Vermittlung realitätsbezogener Informationen beginnen.

Also lautet meine Warnung an jüngere Menschen: Sie wissen überwiegend nicht nur zu wenig über die Realität des Berufslebens, Sie haben stattdessen auch noch unrealistische Erwartungen an jene „Welt“, in und von der Sie einmal leben wollen.

Damit will ich niemanden kritisieren, was hätte ich auch davon. Aber spätestens jetzt kann niemand mehr sagen, er hätte es nicht gewusst – es stand ja in der Zeitung. Wobei man es dann auch noch lesen müsste, ich weiß, ich weiß. Und zusätzlich ist auch die Schrift hier so klein und es gibt keine Bilder im Text (wie ein Professor einmal die Ausreden seiner Studenten für das Nichtlesen dieser Serie wiedergegeben hat).

Zu Ihrer thematischen Anregung, geehrter Einsender: Ich setze keine Themen fest, ich beantworte Leserfragen. Häufen sich diese zu bestimmten Punkten, wird ihnen Raum gegeben. Noch stehen die etwaigen besonderen Erwartungen der XYZ-Generation hier nicht im Mittelpunkt, auch nicht die Berichte von Führungskräften, die damit konfrontiert werden. Warten wir es ab.

Ähnliches gilt für den Wandel der Arbeitswelt durch Digitalisierung. Unser Thema heißt vor allem „Karriere“, weniger etwa „neue Methoden in der Durchführung der täglichen Aufgaben“, wobei sich beide Bereiche ganz sicher beeinflussen. Die Frage nach dem „Blick nach vorn“ ist berechtigt, geht aber hier an den Falschen. Von Prognosen halte ich mich möglichst fern, dazu habe ich zu viel erlebt. Darunter Veränderungen, die bei meinem Start niemand auch nur angedacht hätte. Als Orakel tauge ich nicht. Selbst Berater haben ihre individuellen Grenzen.

Frage-Nr.: 2.938
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 14
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2018-04-06

Von Heiko Mell

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