Heiko Mell

Unternehmen wollen Umsatz, Angestellte wollen Sinn

Frage:

Vielen Dank für Ihre Ausführungen zur Frage 2.920 (es ging um „Profit ist nicht alles“; H. Mell). Diese decken sich mit meinen Erfahrungen als Konzernangestellter, als Unternehmer und Arbeitgeber.

Vereinfacht: Unternehmen wollen Umsatz, Angestellte wollen Sinn. Ausnahmen bestätigen die Regel. Gerade in kleinen Unternehmen kann dies ein steter Reibungspunkt sein, gerade bei sehr akademisch geprägten Angestellten.

Antwort:

Es gibt Aussprüche, die klingen vor allem in den Ohren des Fachmanns so unerhört banal, dass er kaum noch ein Kopfschütteln darauf verschwendet. Mit einem bisschen Nachdenken erkennt dann aber auch der Erfahrene, dass man so etwas nicht oft genug deutlich aussprechen kann. Und wenn man sich solche Basisprinzipien unseres Systems immer wieder vor Augen hält, versteht man auch den Rest besser.

Ich glaube, dass ein hoher zweistelliger Prozentsatz aller unternehmensinterner Konflikte darauf zurückgeht, dass die Angestellten nahezu aller Ebenen nicht verstehen, wie die andere Seite denkt und warum (also wie ihre Vorgesetzten „ticken“). Und dass sie in ihren Rollen zwangsläufig so denken und handeln müssen. Viele Mitarbeiter machen es sich – frei nach Obelix – zu einfach, wenn sie ihre Bemühungen um Verständnis für die andere Seite reduzieren auf „Die spinnen, die Chefs“.

Als junger Berater hatte ich ein erst später als solches erkanntes Schlüsselerlebnis. Nach Jahren der gegenseitigen Vertrauensfindung vertraute mir ein älterer Geschäftsführer an: „Herr Mell, es geht um das Käufen und das Verkäufen. Und Sie müssen immer teurer verkäufen als Sie gekäuft haben.“ Nun das schien mir damals eher ein Hinweis darauf zu sein, dass mein verehrter Kunde so langsam alt wurde. Heute zitiere ich die einfache, aber vieles erklärende Erkenntnis des älteren Herrn oft schon einmal selbst (und riskiere misstrauische Blicke von Jüngeren).

Kommen wir zu Ihrem „Unternehmen wollen Umsatz“. Das ist „des Pudels Kern“ (frei nach Goethe). Sie wollen nicht nur, der Umsatz ist ihr Lebenselixier. Natürlich wollen sie eigentlich Gewinn, Ertrag, eben Profit. Aber das geht, vom Verkauf möglichen Tafelsilbers abgesehen, im operativen Geschäft nur über Umsatz. Davon gehen dann die Kosten ab, mit etwas Glück bleibt eine positive Differenz.

Es wird nur entwickelt, nur investiert, nur zugekauft, nur nach neuen Marketingstrategien und Produktideen gesucht, um Umsatz zu machen. Nicht nur absolut viel, sondern vor allem mehr als gestern oder heute, denn gewachsen muss werden.

Wenn ich das unternehmerische Streben auf eine Kurzformel bringen müsste, schriebe ich: „Mehr Umsatz!“ Warum diese Banalität so wichtig ist in unserer Serie? Weil jeder irgendwo in Konflikten begriffene oder wieder einmal verständnislos den Kopf schüttelnde Angestellte seinen Blick auf diese zentrale Forderung richten sollte, dann versteht er seine Rolle besser. „Trage ich irgendwie zu diesem zentralen Ziel bei?“, ist eine interessante Orientierungsfrage. Auf Dauer will ein Arbeitgeber nicht hören, was „besser“ wäre oder „gerechter“ oder „sozial ausgewogener“ – er fragt nach „mehr Umsatz“. Denken Sie, liebe Leser, immer wieder einmal daran.

Und der zweite Teil des Ausspruchs unseres Einsenders? „Angestellte wollen Sinn“ – er stimmt nur zum Teil. Sie müssen sich von den Erträgen ihres Tuns, also vom Gehalt, erst einmal nähren und kleiden sowie sich weitere Grundbedürfnisse erfüllen. Erst wenn diese Basis‧anforderungen erfüllt sind, bleibt Raum für höhere Erwartungen, z. B. solche an den Sinn ihres täglichen Tuns.

Angestellte dienen letztlich der Erfüllung der Maxime „mehr Umsatz“. Und sie müssen mit der Erkenntnis leben, dass ihre Arbeitgeber höchst ungern Mitarbeiter beschäftigen und dann auch nur, weil sie anders nicht an ihren geliebten, zwingend erforderlichen Umsatz kommen.

Der Angestellte ist abhängig beschäftigt. Der Raum, der ihm dann noch für Sinnfragen bleibt, ist zwangsläufig begrenzt. Ich schreibe so etwas nicht, weil ich jemanden ärgern will, sondern weil ich zutiefst daran glaube, dass es äußerst hilfreich ist, sich immer wieder die Grundsätze des Systems vor Augen zu führen, von und in dem man lebt.

Service für Querleser:

Als Kurzformel für unternehmerisches Denken mag durchgehen: “Mehr Umsatz!“. Hat man das fest im Blick und ist erfolgreich damit, sind die wichtigsten der arbeitgeberseitigen Ziele fast erreicht.

Frage-Nr.: 2.935
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 11
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2018-03-16

Von Heiko Mell

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