Heiko Mell

Die Y-Generation

Zu den sich verändernden Wertvorstellungen insbesondere der Generation Y möchte ich zu Frage 2.809 folgendes anmerken:

Die Wertvorstellungen werden sehr stark durch das Elternhaus geprägt, in meinem Fall durch die Nachkriegsgeneration, bei der die Überwindung der materiellen Not im Vordergrund stand. Die Generation Y hat völlig andere Prägungen.

Durch die Kontakte mit Wissenschaftlern aus außereuropäischen Kulturkreisen ist mir allerdings aufgefallen, wie sehr wir durch die Reformation bzw. die Moralvorstellungen protestantischer Gemeinschaften geprägt sind und damit historisch gesehen durch Ereignisse relativ jungen Datums. Max Weber (1864 – 1920, deutscher Soziologe, Politiker und Philosoph, Mitbegründer der Soziologie als eigenständiger wissenschaftlicher Disziplin; H. Mell) hat dies in seiner epochalen Arbeit „Die industrielle Revolution und der Geist des Protestantismus“ beschrieben. In vielen anderen Kulturkreisen gilt, was fürs Mittelalter typisch war: Die Arbeit muss den Lebensunterhalt decken.Es ist nicht auszuschließen, dass unser Kulturkreis eine Normalisierung im Sinne des historisch Üblichen erlebt.

gez. Prof. Dr.-Ing. habil. …

Antwort:

Sie halten es also für möglich, dass jene speziellen Impulse, die uns zu einer inneren Einstellung, nach der Arbeit mehr bedeutet als die Deckung der Grundbedürfnisse (und auf dieser Basis zu besonderen individuellen Leistungen) geführt hatten, so langsam abflauen. Danach könnten wir auf den Leistungsdurchschnitt aller Kulturkreise zurücksinken – und die Y-Generation könnte ein erstes Zeichen dafür sein.

Meine Meinung: armes Deutschland, wenn das so kommt. Denn Ressourcen außer unserer Leistungsfähigkeit haben wir nicht.

Aber ich setze darauf, dass solche Entwicklungen immer nur so langsam fortschreiten, dass ihre Auswirkungen beherrschbar bleiben und abgefedert werden können. Ich setze auf eine auch „nach Y“ weiter fortschreitende Entwicklung (deren Richtung wir noch nicht einmal erahnen können), ich setze auf die Pendeltheorie, nach der auf einen einseitigen Ausschlag zu einem Extrem die Rückkehr zur Normallage einsetzt (wie immer die zu definieren ist) und ich setze auf die starke Wirkung der eingefahrenen betrieblichen Praxis, die durch ein paar Y-Neuzugänge nicht so leicht zu erschüttern ist. Meine Arbeitswelt ist seinerzeit auch ganz gut mit den „extrem extremen“ studentischen Protestrandalierern der 68er-Jahre fertig geworden.

Und: Es hat immer Veränderungen gegeben. Betrachtet man sie jedoch aus einer gewissen Distanz, bleibt eigentlich recht viel Unverändertes übrig.

Frage-Nr.: 2843
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 43
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2016-10-27

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