Heiko Mell

Ihre Beiträge gehören schon in die Schulen

Antwort:

Ich stimme Ihnen absolut zu. Aber:

1. Was nicht im Lehrplan steht, interessiert viele Lehrer nicht. Und falls doch, fehlt oft der organisatorische Rahmen (in welchem Fach unterbringen; freiwillig oder Pflichtveranstaltung; wenn es freiwillig ist, kommen wieder nur die paar Guten und Interessierten, die immer kommen – während die, denen der Stoff helfen könnte, desinteressiert sind).

2. Um für oder bei Menschen Probleme lösen zu können, braucht man bei eben diesen zunächst einmal Problembewusstsein. Dieses ist bei Schülern nicht vorhanden! Selbst viele Studenten der Examenssemester stehen meinen Aussagen allein deshalb distanziert gegenüber, weil sie nicht glauben wollen, dass die Probleme, die ich zu lösen versuche, in der Praxis „da draußen“ tatsächlich existieren. Bei Schülern dürfte dies noch viel mehr der Fall sein.

3. Junge Leute denken in Blockabschnitten, nicht in Gesamtzusammenhängen. Studenten, die gerade mit ihrer Diplomarbeit beschäftigt sind, haben keinen Gedanken frei für Bemühungen um die erste Anstellung: Erst diese Arbeit beenden, dann Bewerbungen schreiben. Danach, wenn ich im Job stehe, kann ich mich immer noch kümmern um „Spielregeln“, um Karriere o. ä.Schüler würden demgemäß sagen: Erst das Abitur, dann das Studium, dann das Examen, dann die erste Stelle, dann Gedanken an Laufbahnen und Karriere.

4. Studenten einer Fachrichtung, z. B. Ingenieurwissenschaften, zielen wenigstens in eine gemeinsame Richtung, z. B. „Laufbahn in der Technik mit Schwerpunkt Industrie“.Oberstufenschüler jedoch werden beispielsweise Schulabbrecher, Berufssoldaten, Sozialarbeiter, Soziologen, Politologen, Philologen, Rechtsanwälte, Richter, niedergelassene Ärzte, Kunstschaffende (gibt es das oder war das DDR-Jargon? Dann eben Magister of Arts). Na ja und Lehrer, Verwaltungsbeamte, Burgschauspieler, Heiratsschwindler oder eben auch Ingenieure. Will heißen: Auf viele von ihnen wartet ein Weg, für den ganz andere Regeln gelten. Was weiß denn ich, wie man Generalsekretär einer Partei wird oder Dachdecker (ja, wir haben einen mit Abitur).

Ich kann nicht erwarten, dass dieses bunte „Sammelsurium“ von Schülern sich engagiert mit meinen industrierelevanten Regeln befasst, dafür Zeit opfert, aber heimlich von einer Karriere im Showgeschäft oder als Berufsgolfer träumt. Oder als Fernsehmoderator oder als Hausfrau und Mutter.

Fazit: Ich fürchte, in dieser Gruppe ist der Streuverlust noch zu groß. Und wie immer im Leben: Wer sich dafür interessiert, findet seine Information. Sogar auf einem Weg, der bei jugendlichen Kultstatus genießt: Alle aktuellen Beiträge stehen im Internet (unter www.ingenieur.de). Und es gibt jeweils aktuelle Bücher (derzeit von mir aktuell: „Spielregeln für Beruf und Karriere“, 3. Auflage, Springer-Verlag). Einen kostenlosen „Schnupperkurs“ in diesen Fragen bietet die Homepage meines Unternehmens (www.heiko-mell.de) mit dem „Lexikon für Bewerbung, Beruf, Karriere“, in dem ein Interessierter sich die ihm etwas sagenden Stichworte heraussuchen kann.

Aus Leserzuschriften weiß ich: Es gibt dennoch Lehrer, die ihren Schülern die Spielregeln des Berufslebens zumindest in homöopathischen Dosen vermitteln. Ich finde das außerordentlich mutig und wichtig gleichermaßen – vermag aber nicht zu sagen, wie ein Schüler darauf reagiert, der Politologie studieren möchte oder seine Zukunft als Umweltaktivist sieht. Ich kann es mir aber immerhin vorstellen.

Kurzantwort:

Viele Ihrer Beiträge sollte man schon den Oberstufenschülern nahe bringen, damit bereits die künftigen Studenten so manchen gravierenden Fehler vermeiden.

Frage-Nr.: 1979
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 49
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2005-12-11

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