Heiko Mell

Fehler, Tippfehler usw.

Ich lese sehr gern Ihre Kolumne in den VDI nachrichten.

Bei der Beantwortung der Frage 1.610 haben Sie sich sehr intensiv mit dem „Kunstwort anzulehnen“ auseinandergesetzt. Sie hätten es sich auch einfacher machen können, indem Sie sich mal eine Tastatur näher angesehen hätten. Hier sind nämlich die Buchstaben „n“ und „b“ nebeneinander. Welch ein Zufall!

Ich denke, was Sie so ausführlich erklärt haben, war nichts anderes als ein Tippfehler.

Antwort:

Zur Einführung: Ein Leser hatte über einen Fall berichtet, in dem Kernfrage war, ob etwas „anzunehmen“ oder „abzulehnen“ sei. Er hatte nun aber „anzulehnen“ geschrieben – was es in dem Zusammenhang nicht gibt. Es hätte dort eines der beiden anderen Wörter stehen müssen. Dies war selbstverständlich ein Tippfehler – was sonst?

Nun zu Ihrem Einwand:

Ich bemühe mich um einen informativen Charakter der Serie, der Leser soll aus jedem Beitrag möglichst viel mitnehmen. Hier konnte ich zeigen, wie problematisch Fehler sein können, die vom Verursacher gern als Bagatelle hingestellt werden. Es erwachsen aber schnell Interpretationsprobleme aus missverständlichen Darstellungen! Oder auch: kleine Ursache, große Wirkung.

Schon in der Schule kommen Kinder auf die Idee, die Lösung einer Aufgabe in einer Mathematikarbeit als „fast richtig“ anzusehen, wenn sie 4,00 statt 40,0 ausgerechnet haben: „Bloß ein Komma.“

Wie leicht löscht ein Mitarbeiter am PC beim Verändern eines Satzes ein extrem wichtiges Wort versehentlich mit aus. So wird aus „ich kündige nicht, nachdem mir Gehaltserhöhung gewährt wurde“ schnell „ich kündige, nachdem …“

Bei Fehlern kommt es nur auf die Auswirkung an, nicht auf die – stets nur zu vermutende – Entstehungsgeschichte! Wer etwas auf den Tisch bekommt, beurteilt das „Gesamtkunstwerk“. Ob der „Täter“ fehlsichtig ist, schielt und gern einmal die Taste links neben dem anvisierten Buchstaben trifft oder immer montags müde ist und die oberen Tastenreihen nur schwer erreicht, spielt nicht die geringste Rolle.

Und wenn Sie schon Tippfehler machen wollen, dann schreiben Sie halt „Fehler“ mit „V“. Die Taste liegt ganz nah am „F“ – und das (traurige) Resultat lässt wenigstens keine Missverständnisse zu. Aber die Kernaussage einer Darstellung muss korrekt und eindeutig sein.

Sehen Sie, wenn ein ranghoher Manager zu Protokoll gibt, „Meier wird gefördert“, dann wird er beim späteren Abzeichnen aus Erfahrung darauf achten, dass der Name richtig geschrieben wurde – und dass der Protokollführer nicht aus Versehen (Hörfehler) „gefeuert“ hingeschrieben hat.

Wir beide kennen uns nicht, Ihre Einsendung enthält keine weiteren Informationen. Soll ich einmal etwas riskieren? Ich vermute, Sie sind noch recht jung und noch kein Abteilungsleiter. Da achtet man noch gern auf die richtige „Ausrede“. Später lernt man, dass es im (Berufs-)Leben darum nicht geht.

Wer also Texte von sich gibt, lese das fertige Machwerk abschließend noch einmal sorgfältig durch und konzentriere sich besonders auf seine Kernaussagen.

Und als ein Stück Lebens- und Berufsphilosophie: Die einzige Chance, in wichtigen Angelegenheiten keine Fehler zu machen, besteht darin, möglichst nie Fehler zu machen – gleichgültig, wie bedeutend die Sache ist: „Wenn mein Name darunter steht, wird erstklassige Arbeit geleistet – auch, wenn ich den Hof kehre.“ Nur so geht es.

Frage-Nr.: 1623
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-11-02

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