Heiko Mell

Wellensittich contra Karriere

Frage: Es geht um Ihre Antwort zu Frage 1.405. Waren Sie nur einen kurzen Moment unkonzentriert, als Sie den Bewerber schilderten, der nur mal eben seinen Wellensittich einfangen mußte? Oder freuen Sie sich – wie ich – schon auf die Zuschriften und die Diskussion zum Stellenwert einer einmaligen Karrierechance gegenüber dem Leben eines Wellensittichs?

Antwort:

Zur Erinnerung: Ich hatte – als abschreckendes Beispiel – einen bei uns anrufenden Bewerber erwähnt, der sein Telefonat abgebrochen hatte, weil er erst seinen Wellensittich einfangen mußte, der zu entfleuchen drohte (wie er fröhlich sagte).

Und dieses Beispiel, das durchaus nicht untypisch für viele Bewerber ist, scheint Ihnen nicht gefallen zu haben. Ich spüre förmlich die Frage insbesondere junger Leser: Was hätte er denn jetzt machen sollen, der arme Kerl? Wo doch das Vögelchen fast … Ich weiß, daß so gedacht wird. Leider!

Die Antwort kann nur lauten: Das ist völlig gleichgültig, die Frage interessiert überhaupt nicht! Die Suche nach einer Antwort wäre völlig sinnlos, das Problem würde damit viel zu „kleinkariert“ gesehen.Gerade junge Leute starren gern – wie das Kaninchen auf die Schlange – auf ein scheinbar existierendes Problem, ohne den Zusammenhang zu sehen. Als Beispiel: Da gerät ein junger Bewerber auf der Fahrt zum Vorstellungsgespräch in Verkehrsprobleme und kommt erheblich zu spät. Verschwitzt und erregt betritt er den Raum, stottert herum, ringt sich eine Erklärung ab („Stau halt“) – und „schmeißt“ das Gespräch.

Später sucht er nach Alternativen, ist verzweifelt: „Was hätte ich in dem Moment nun konkret tun sollen, als ich mehr als eine halbe Stunde zu spät auf dem Firmenparkplatz ankam?“ Auch hier wieder: Die Antwort interessiert nicht, die Frage ist falsch gestellt, das Problem wird „zu klein“ gesehen. Richtig allein ist: Das passiert einem Menschen von Format einfach nicht! Die richtige Frage lautet: Wie hätte ich es vermeiden können, in diese unmögliche Situation zu geraten?

Ein Mensch mit entsprechendem Anspruch schließt „so etwas“ aus, fertig. Da flattern keine Vögel im Wohnzimmer herum, da fährt man nicht so spät los, daß ein Stau die Zeitplanung über den Haufen wirft. Sie erwarten hier jetzt sicher keine Tips von mir, daß man

a) vor Anrufen in Bewerbungsangelegenheiten die umliegenden Räume auf freifliegende Vögel absucht und/oder

b) zu Vorstellungsgesprächen so rechtzeitig losfährt, daß … und zusätzlich eines dieser eigentlich allgegenwärtigen mobilen Telefone (notfalls geborgt) mitschleppt (die dann aber im Vorstellungsgespräch keinesfalls etwa klingeln dürfen).

Nein, es bleibt dabei: So etwas passiert einem Menschen mit dem richtigen Format einfach nicht! Und ich ahne, daß sich irgendwo da hinten links im Leserkreis die Frage Bahn bricht: „Und wenn doch?“ Man reiche mir eine Keule, eine argumentative. Etwa diese: Dann werden Sie halt Vogelfänger oder Stauberater, letzteres zumindest ist doch eine ehrenwerte Beschäftigung mit großer Zukunft.

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 1427
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1999-10-08

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