Heiko Mell

Mutter Theresa

Frage: Falls Sie auf der Hannover Messe das gesagt haben sollten, was die VDI nachrichten schreiben, habe ich dazu ein Feedback. Zitat: „Wären alle eine Mutter Theresa, bräche unser System unwillkürlich zusammen“.

Dem halte ich entgegen: Wären alle wie Mutter Theresa, hätten wir eine bessere Welt.

Lieber Herr Mell, ich halte Ihre Äußerung nicht nur sachlich für falsch, sondern gegenüber den jungen Menschen geradezu unverantwortlich – oder einfach danebengegriffen (Das passiert mir auch schon mal).

Anscheinend haben Sie keine Ahnung von der persönlichen, teamorientierten und weltweiten unternehmerischen Leistung dieser Frau; wenn wir solche Einstellungen bei unseren jungen Menschen hätten – und bei mehr von unseren Unternehmern, dann ginge es auch unserer Wirtschaft besser.

Also bitte: Nicht noch mal! (gez. Prof. Dr.-Ing. ….). Kopie: Dr. ….., VDI

Antwort:

Daß Sie meinen Namen falsch schreiben (im Abdruck korrigiert), nehme ich hin. Das „Spielchen“ mit der Kopie an eine einflußreiche Persönlichkeit des VDI sollten wir uns ersparen. Also bitte auch für Sie: Nicht noch mal!

Das Zitat ist grundsätzlich korrekt. Es richtet sich selbstverständlich nicht einmal andeutungsweise gegen die Person oder gar die Lebensleistung der Mutter Theresa. Aber das haben Sie sicher gewußt.

Ich habe gerade gegenüber den jungen Menschen klarmachen wollen, wie unser vorhandenes System funktioniert (nicht hingegen habe ich mich mit dem Aufbau eines besseren beschäftigt). Und da gilt nach meiner tiefen Überzeugung: So wie unser System nun einmal ist, braucht es den Hang zur Gewinnmaximierung, zum Streben nach dem persönlichen Vorteil. Ja es braucht den profitorientierten Aktionär ebenso wie den machtorientierten Kanzlerkandidaten (bezahlt wird der Job miserabel, das allein kann es doch nicht sein). Es braucht sogar, sosehr ich ihn persönlich weniger schätze, den reinen Spekulanten, der mit Warentermingeschäften jongliert oder mit Devisen oder was auch immer (es gibt den Nachweis, daß dieses Tun volkswirtschaftlich nützlich ist).Es geht nicht um den Wert von Menschen wie Mutter Theresa. Jedem von ihnen ist höchste Anerkennung gewiß. Und sehr gut wäre es, hätten wir viel, viel mehr von ihnen.

Aber ich bleibe dabei: Wären alle(!) Menschen so, bräche unser(!) System zusammen – es funktioniert nicht, wenn jeder nur sein Hab und Gut den Armen schenkt. Schön, vielleicht hätten wir dann ein „besseres“ System, das ist nicht mein Thema. Aber unseres würde diese Invasion des Guten nicht überleben.

Wenn ich nicht auch ein bißchen eitel wäre, gäbe es diese Serie nicht. Und wenn Sie weniger taktisch orientiert dächten, hätte jene Persönlichkeit im VDI jetzt keine Kopie Ihres Briefes (oder ich wüßte nichts davon und liefe Gefahr, den Fall als weniger wichtig einzustufen). Von so unvollkommenen Leuten wie uns lebt unser System. (Literaturhinweis: Krämer/Trenkler: Lexikon der populären Irrtümer, 13. Auflage, u. a. Stichwort „Eigennutz“).

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 1300
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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