Heiko Mell

Warum dürfen die, was ich nicht darf?

Sie legen, sicher durchaus in Übereinstimmung mit den Gepflogenheiten am Arbeitsmarkt, strenge Maßstäbe bei Bewerbern an. Als Beispiel mag die Rechtschreibung gelten. Nun finde ich beigefügte Stellenanzeige eines Unternehmens, das sich als „mittelständig“ bezeichnet, was Sie Bewerbern stets ankreiden. Auch in anderen Bereichen betrieblicher Tätigkeit werden wohl ungestraft ständig Fehler gemacht, selbst in dieser Zeitung finden sich mehr Druckfehler als Sie einem Bewerber gestatten.

Und wenn ich Ihnen erst erzähle, was sich kürzlich ein Unternehmensvertreter bei einer Veranstaltung geleistet hat …

Antwort:

Ich habe mehrere Zuschriften zu diesem Thema zusammengefaßt, um entsprechend vielen Einsendern gleichzeitig antworten zu können.

Fangen wir einmal so an: Der Bewerber heißt Bewerber, weil er sich bewirbt. Wer sich bewirbt, will etwas, das er noch nicht hat. Wer etwas haben will, ist generell aufgerufen, sich besondere Mühe zu geben, sonst geben`s ihm die anderen nicht.Nehmen Sie einmal ein mittelaltes Ehepaar und schauen Sie, wie die beiden miteinander umgehen. Und dann fragen Sie beispielsweise die Dame, was der damals junge Mann früher an Werbeaufwand getrieben hat. Früher, als er „sie“ unbedingt wollte, aber noch nicht hatte. So etwas an Aufmerksamkeit, Charme, Blumen was Sie wollen (und vielleicht seufzt sie: „Und was für ein leidenschaftlicher Liebhaber er damals war.“). So ist das hat man, was man wollte, läßt das Bemühen leicht wieder nach.

Und die, von denen Sie sprechen, die haben ihren Job schon, aber die, von denen ich rede, die wollen erst einen. Oder einen anderen.

Es ist also üblich, sich bei Bewerbungen von seiner besten Seite zu zeigen. Dazu gehört wohl auch, 150 % des Einsatzes zu demonstrieren, den man später im „Tagesgeschäft“ bringt.

Schauen Sie, es ist doch überall so: Sie fahren Ihr etwas in die Jahre gekommenes Auto, so wie es ist. Der Lack schon ein wenig stumpf, Staub überall, der Aschenbecher voll. Dann wollen Sie den Wagen verkaufen. Schon wird gewaschen, poliert, gesaugt, werden Lackschäden ausgebessert etc.

Denn das Auto „bewirbt“ sich jetzt um einen neuen Eigentümer!

Schließlich gilt die Bewerbung auch noch als Arbeitsprobe. Auch im Hinblick auf Sorgfalt und Mühe, die man seiner Arbeit im Tagesgeschäft angedeihen läßt. Und da der Empfänger weiß, daß der Absender das auch weiß, legt er besonders harte Maßstäbe an die Arbeitsprobe an („Im Anschreiben hat er drei dicke Fehler gemacht. Entweder ist ihm sein Anliegen nicht mehr an Aufwand wert das wäre schlecht, das würde ich als Mißachtung werten. Oder er hat trotz extremer Mühe drei Fehler gemacht, dann macht er im Tagesgeschäft in einer Ausarbeitung sicher fünf oder zehn das wäre auch sehr bedenklich.“).

Und warum machen Firmen und Firmenvertreter so viele Fehler?

Weil es schließlich dieselben Menschen sind, die sich heute bewerben und die morgen als Mitarbeiter das Unternehmen repräsentieren. So hat, um bei der erwähnten Stellenanzeige zu bleiben, das Unternehmen seinerzeit einen Menschen eingestellt, der „mittelständig“ schrieb, wo er „mittelständisch“ hätte schreiben sollen. Und nun ist er befördert worden und macht natürlich den Fehler immer noch. Oder er findet ihn nicht, wenn seine Mitarbeiter ihn machen. Das hat die Firma nun davon, Strafe muß sein.

Bei der Gelegenheit: Wenn Sie je Anstoß nehmen an bestimmten Mitarbeitern eines Unternehmens, dann erkennen Sie: Die sind alle irgendwann einmal eingestellt worden und durch die Maschen eines Netzes gerutscht. Vielleicht sollte man die Einstellungsanforderungen härter fassen? Vielleicht aber wäre dann die Bevölkerung größtenteils „draußen“ und in den Unternehmen kaum noch jemand beschäftigt?

Kurzantwort:

Ein Bewerber will etwas erreichen mit seinen Bemühungen, er bewirbt sich um etwas. Es ist in allen Lebensbereichen üblich, in dieser Situation „mehr“ zu bringen und sich höheren Anforderungen zu stellen als während der Alltagsroutine üblicher Berufsausübung.

Frage-Nr.: 1172
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 44
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 1998-10-30

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