Heiko Mell

Karriereziel: OEM-Manager; Einstieg: schwierig

Frage:
Ich wurde gerade mit meiner Promotion in einer klassischen Ingenieurdisziplin fertig und möchte nun in die Industrie. Mein Vertrag an der Uni läuft noch. Mein Wunsch für die Zukunft ist es, in einem großen Konzern (bevorzugt Automobilindustrie) zu starten, dort mit guten Leistungen zu überzeugen und später wenn möglich mehr Verantwortung zu übernehmen.

Soweit der Wunsch. Allerdings gestaltet sich der Einstieg nicht so einfach. Das liegt z. T auch daran, dass der Bedarf an meiner Spezialisierung sehr klein ist. Natürlich möchte ich nicht ewig auf eine passende offene Stelle warten. Deshalb interessiert mich, wie Sie folgende Optionen bewerten:

  1. Einstieg über einen Ingenieurdienstleister, hier gibt es ab und zu eine passende Stelle. Führt es zwangsläufig zu einer Verzögerung bei der Karriere, wenn das erste Ziel dann ist, überhaupt einmal „Interner“ zu werden (also vom Kunden des Dienstleisters einen Anstellungsvertrag zu erhalten)?
  2. Einstieg über eine andere Fachrichtung, in der aktuell hoher Bedarf herrscht. Dabei sehe ich den Nachteil, dass ich dann sowohl im Bewerbungsprozess als auch in der Anfangszeit fachlich Anfänger bin und so erstmal kaum überzeugen kann. Ist in diesen Fachrichtungen dafür langfristig mehr zu erreichen?

Antwort:
Jedem ist klar, dass man an großen „Stolpersteinen“ scheitern kann. Aber die kleinen Steinchen, die man sich nur zu oft selbst in den Weg legt, werden viel zu wenig beachtet.

Ich lese schnell einmal den hier beigefügten Lebenslauf durch. Dabei stoße ich auf eine äußerst auffällige, in sechs Zeilen ausführlich beschriebene Besonderheit: Sie haben nach dem Diplomabschluss „hauptberuflich“ zwei Jahre lang eine Pilotenausbildung bei einer renommierten Fluggesellschaft gemacht. Meine instinktive Reaktion: Ja warum fliegt er denn dort nicht als Pilot? Was soll das alles? Dann stoße ich noch bei den Hobbys auf „Motorflug“. Was will überhaupt ein Airbus- oder Boeing-Pilot im Kfz-Bereich? Da stimmt doch etwas nicht. Also alles noch einmal lesen, sorgfältiger als bisher. Ich finde die Lösung: Nix ist mit Airbus-Pilot, der Mann hat lediglich eine PPL-Lizenz bei einer Flugtrainings-Tochter-Gesellschaft dieser Fluglinie erworben. Eine Art Hobby-Schein, so klingt es. Denn das im Test etwas untergehende Kürzel bedeutet, wie ich mich erinnere, „Privat-Piloten-Lizenz“ und ist vermutlich „nur“ die Erlaubnis für die privaten Piloten, die mit kleinen Maschinen hobbymäßig fliegen.

Meine Empfehlung: Wenn ich zu dieser Fehlinterpretation fähig bin, sind es andere auch. Bringen Sie diese Lizenz unter „Hobbys“, nicht wie heute noch vor der Promotion im „Bildungsweg“. Und damit kein Missverständnis aufkommt: Ihre Darstellung war korrekt, nur die Einordnung unter „Bildungsweg“ war ein wenig übertrieben. Mir wird auch klar, welches andere Problem Sie damit zudecken wollen: Zwischen Studienende und Promotionsbeginn fehlen Ihnen jene zwei Jahre, für die Sie „nur“ diesen Flugschulbesuch anführen können. Das ist ein wenig viel für ein Hobby – steckte da ursprünglich doch ein Berufswunsch dahinter? Haben alle Freizeit-Piloten einen solchen Zeitabschnitt im Lebenslauf?

Was ich zeigen will: Hier wirft der Lebenslauf Fragen auf, die in diesem Dokument keine Antwort finden. Eine solche Antwort sollte es aber geben, z. B. durch ein paar Zeilen in Klammern bei dieser Phase. Was ich mir vorstellen könnte (als fiktives Beispiel): „(Aus Interesse am Fliegen wollte ich ursprünglich Berufspilot werden. Die im Zuge der Ausbildung mehr und mehr deutlich werdenden Details dieser Tätigkeit zeigten mir jedoch, dass ich von falschen Voraussetzungen ausgegangen war. Ich schloss mit der Privat-Piloten-Lizenz ab und betreibe den Motorflug nur noch als Hobby.)“

Zu Ihren Fragen:
1. Es gibt keinen Zweifel: Der ideale Berufseinstieg liegt in einer sich schon in Studium und Promotion wie ein „roter Faden“ durchziehenden Fachrichtung in einem zum Berufsziel passenden Unternehmen.

Ideale sind naturgemäß schwer zu realisieren. Welche Faktoren kann man ggf. selbst variieren, damit sich ein erreichbares anderes Ziel ergibt? Nun, das Studium ist hinterher nicht mehr zu ändern. Die Promotion mit dem Dissertationsthema auch nicht, nicht einmal die zwei Jahre hauptberuflicher Flugschule sind es. Bleiben „das Berufsziel“ und das „dazu passende Unternehmen“. Die beiden Aspekte gestalten Sie relativ frei. Konkret: Ihre Voraussetzungen passen weniger zum Automobil als zur Luftfahrt, warum ist diese Branche nicht Ihr Ziel? Zwar haben Sie eine Werkstudententätigkeit und eine Diplomarbeit bei Kfz-OEM – aber beide Partner aus jener Zeit wollen Sie offenbar nicht einstellen. Vielleicht hatten sie ähnliche Probleme mit Ihrer etwas „autofernen“ Pilotenausbildung wie ich.

Jetzt bleibt Ihnen, zu dem Schluss kommen Sie, nur noch der Weg über einen Dienstleister mit dem Ziel, beim OEM eingesetzt und nach Bewährung als Angestellter übernommen zu werden. Es gibt dann „nur“ noch das Risiko, dass es mit der Übernahme durch einen OEM nicht klappt. Dieses Risiko ist hoch, insbesondere nach den jüngst deutlich gewordenen Problemen der Branche.

2. Wenn Sie Ihre ganze bisherige Spezialisierung aufgeben und „einfach als beliebiger Dr.-Ing.“ in ein neues Fachgebiet einsteigen, geben Sie zunächst einmal sehr viel auf und stempeln die Anstrengungen vieler Jahre als Irrtum. Das wäre sehr hart für Sie, denn Sie müssten irgendwo anders ganz neu anfangen. Unter der Voraussetzung, dass Ihre bevorzugte Zielgruppe der Kfz-OEM Sie überhaupt neu einsteigen lässt, schleppen Sie dann die nächsten Jahre noch immer eine zusätzliche Hypothek mit sich herum:

Man sieht in Ihrem Lebenslauf, dass eigentlich die Fliegerei „Ihr Ding“ war. Beide Studien und die PPL passen dazu. Und Sie hatten sich zusätzlich noch auf ein spezielles Fachgebiet konzentriert, von dem dann seit praktischem Berufseintritt nicht mehr die Rede ist. Das sieht, bei gleich zwei aufgegebenen Spezialisierungen, nicht gut aus.

Hinzu kommt, dass Sie jetzt krampfhaft eine neue Fachschiene suchen würden – ohne die geringste Gewähr, dass Sie darin glücklich werden oder dass die Ihren Talenten voll entspricht. Nein, ich finde diese Lösung unbefriedigend und nur akzeptabel, wenn endgültig feststeht, dass Arbeitslosigkeit die einzige verbliebene Alternative wäre.

Noch ein abschließender Hinweis: Als ein fachlich sehr eng spezialisierter „Edel-Berufseinsteiger“ in der Industrie dürfen Sie natürlich nicht nur auf veröffentlichte Stellenanzeigen Ihrer Wunscharbeitgeber warten. Sie müssen auf deren Homepages nach entsprechenden offenen Stellen suchen und Initiativ-Bewerbungen an diese Unternehmen senden.

 

Service für Querleser:
Bei fachlichen Spezialisierungen im Studium, insbesondere auch beim Wechsel derselben, darf man sich nicht nur von Neigungen und Wunschdenken lenken lassen, sondern sollte auch die spätere „Verkaufbarkeit“ des so entstehenden Lebenslaufs im Auge behalten.

 

Frage-Nr.: 2.987
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 1-2-3
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2019-01-11

Von Heiko Mell

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