Heiko Mell 02.01.2016, 06:14 Uhr

Befristete Verträge?

Frage: Ist es heutzutage üblich, als Ingenieur befristete Verträge zu bekommen oder wird man doch eher fest angestellt?

Antwort:

Das befristete Anstellungsverhältnis ist für Angestellte absolut nicht die Regel. Es würde auf die definitionsgemäß ohnehin gegebene Abhängigkeit des Angestellten noch eine Stufe daraufsetzen und den Mitarbeiter zwingen, sich von Stelle zu Stelle zu hangeln, niemals privat und beruflich langfristig planen zu können – eine Horrorvision.

Auch die Unternehmen würden sich ins eigene Fleisch schneiden, müssten sie doch alle zwei Jahre mit dem automatischen Weggang ihrer Know-how-Träger rechnen. Das käme dem totalen Chaos gleich.

Da dann auch noch befristete Verträge bei einem Arbeitgeber nicht beliebig oft aneinander gereiht werden dürfen, droht eine generelle Beschäftigung qualifizierter Angestellter ausschließlich oder auch nur überwiegend in dieser Vertragsform keinesfalls.

Die Unternehmen jedoch sind sehr an Möglichkeiten zur flexiblen Anpassung der Belegschaften an schwankende Umsätze, veränderte Marktsituationen etc. interessiert. Sie würden sicher, so man sie ließe, dieses Instrument verstärkt einsetzen. Teils sind die Vorschriften dagegen, teils sind hochqualifizierte Bewerber vernünftigerweise auch nicht bereit, einen befristeten Vertrag zu unterschreiben.Geblieben ist den Unternehmen der gelegentliche Versuch, dann wenigstens Berufseinsteiger mit befristeten Verträgen einzustellen – um sie in aller Ruhe und über die Dauer der Probezeit hinaus testen zu können. Der Einstieg in die Traineeprogramme großer Konzerne war schon vor vielen Jahren oft nur über einen befristeten Vertrag möglich. Allerdings konnte der gut beurteilte Trainee damit rechnen, dass sein Arbeitgeber, der viel in ihn investiert hatte, ihn im Normalfall schon weiterbeschäftigen würde.

Festzuhalten ist, dass ein befristeter Arbeitsvertrag in jedem Fall besser ist als die Arbeitslosigkeit.Lassen Sie sich, wenn Ihnen ein befristeter Vertrag angeboten wird, nicht täuschen: Sie sind am Ende des letzten genannten Arbeitstages „draußen“, ohne dass es einer Kündigung bedarf. Mündliche „Versprechungen“ („Sie können ganz sicher davon ausgehen, dass wir Sie anschließend fest anstellen werden“) sind nicht die Luft wert, in die sie hineingesprochen werden. Es gilt nur, was im Vertrag steht, meist heißt es dort sogar: „Mündliche Nebenabreden sind unwirksam.“Es gilt auch: Man gibt nicht bei Arbeitgeber A eine unbefristete Tätigkeit auf, um bei B nur eine befristete Anstellung zu bekommen.

Und wer als Berufseinsteiger auf ein Unternehmen trifft, das ihn nur befristet nehmen will, muss prüfen, welche Alternativen ihm offenstehen.

Achtung: Unternehmen, die Anfänger nur befristet einstellen, können nicht sicher sein, die Elite des deutschen akademischen Nachwuchses zu bekommen. Es gibt einfach selbstbewusste junge Leute, die sind nicht bereit, diese „Diskriminierung“ (wie sie es sehen) hinzunehmen, sie suchen nach anderen Partnern für den Berufseinstieg. Sie finden sie meist auch.

Dass befristete Verträge bei einer Reihe von Arbeitgebern außerhalb der Industrie mehr oder minder die einzige Chance für eine Anstellung sind, ist ein anderes Thema. In jedem Fall müssen befristete Verträge als Ausnahme für bestimmte Situationen gesehen werden, als Standardinstrument für die Masse der Angestellten eignen sie sich nicht.

Kurzantwort:

Für gut ausgebildete Angestellte im industriellen Umfeld ist die unbefristete Anstellung der Normalfall. Der befristete Vertrag hat demgegenüber entscheidende Nachteile, wer ihn unterschreibt, sollte vorher sorgfältig die greifbaren Alternativen prüfen.

Frage-Nr.: 2521
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 46
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2011-11-18

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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