Abschlussarbeit als „Türöffner“

Frage: Seit einiger Zeit verfolge ich mit großem Interesse Ihre Karriereberatung. Einige vorgeschlagene „Tricks“ konnte ich bereits im Rahmen eines Bewerbungsprozesses für die bevorstehende Abschlussarbeit erfolgreich umsetzen bzw. ich glaube, es getan zu haben.Ich wurde dann auch tatsächlich von meinem „Wunschunternehmen“ genommen und kann dort meine Arbeit erstellen.
Es wurde beim Vorstellungsgespräch bereits angedeutet, dass in meinem Bereich derzeit Personalmangel herrscht, man hat mich gefragt, was ich denn beruflich geplant hätte für die Zeit nach der Abschlussarbeit. Da ich zwar schon eine Ahnung habe, wie ich mich nun passend verhalten müsste, damit eine Übernahme klappt, jedoch gerne wüsste, wie es am optimalsten sein sollte, bitte ich Sie, spezifisch darauf einzugehen.
Ihre Karriereberatung finde ich ganz toll, bitte weiter so!!!

Antwort:

„Optimal“ steht bereits „nackt“ für „bestmöglich“ – und das ist nicht mehr zu steigern. Dennoch wird es umgangssprachlich „gern genommen“; aber schön ist es nicht, Ihr „am optimalsten“, auch wenn Ihr Vertrauen für mich schmeichelhaft ist.

Zur Frage: Sie fertigen jetzt bei Unternehmen X Ihre Abschlussarbeit an. Dort braucht man dringend zusätzliche Mitarbeiter Ihrer Ausbildungsrichtung als „richtige Angestellte“ nach abgeschlossenem Studium. Also geht man Ihnen gegenüber in zwei Phasen vor:

a) Man signalisiert schon einmal Interesse an einer späteren Anstellung. Das soll Sie nicht nur zusätzlich motivieren, das soll auch dazu führen, dass Sie sich von Anfang an auf diesen möglichen Arbeitgeber konzentrieren – und vielleicht gar nicht erst bundesweite Bewerbungsaktivitäten an „Gott & die Welt“ starten. Aber dieses Interesse an Ihnen ist noch absolut unverbindlich, denn man will erst b abwarten.

b) Man wird Sie während der Anfertigung Ihrer Arbeit dort beobachten: fachliche Leistung, Persönlichkeit, Hineinpassen ins Team, Akzeptanz durch Kollegen und Vorgesetzte.Im Prinzip absolvieren Sie dort eine Art vorweggenommene Probezeit. Für das Unternehmen ist das sehr interessant: Man lernt Sie viel besser kennen als dies andernfalls in einem kurzen Vorstellungsgespräch möglich wäre.

Also Achtung: Sie haben jetzt zwei Aufgaben zu lösen:

1. Sie müssen Ihre Arbeit so fertigstellen, dass Sie damit den für die Note maßgeblichen Professor überzeugen – und gleichzeitig den zuständigen Leuten im Unternehmen zeigen, dass etwas Verwertbares dabei herauskommt, wenn man Ihnen eine Aufgabe stellt. Dabei kann der Professor durchaus andere Erwartungen haben als das Unternehmen, reden Sie also ständig mit beiden Seiten. Typischer Konflikt: Der Professor erwartet „wissenschaftlichen Tiefgang“, das Unternehmen strebt eher nach praktischer Verwertbarkeit im Tagesgeschäft. Dieser Konflikt ist grundsätzlich lösbar, man muss sich aber darum bemühen. Fatal ist es, wenn man eine der beiden Zielgruppen der Abschlussarbeit total aus den Augen verliert und sich nur auf die andere konzentriert. Beispiel: Sie bekommen für die Arbeit im Diplomzeugnis eine sehr gute Note, aber das Unternehmen will Sie nicht fest anstellen. Oder umgekehrt.

2. Sie müssen sich dort täglich wie ein künftiger bezahlter Mitarbeiter aufführen, die „Kollegen“ sind der Maßstab: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Höflichkeit und Freundlichkeit sind selbstverständlich; Interesse an allen Vorgängen, Einsatzfreude/Engagement, Hilfsbereitschaft, Teamfähigkeit sind wichtige Kriterien. Dazu gehört auch die reibungslose Zusammenarbeit mit allen, das problemlose Eingehen auf Vorgesetzte (und Betreuer Ihrer Arbeit) und ihre diversen Wünsche. Im Grunde sollten Sie sich so aufführen, wie Sie sich bei einer Festanstellung als junger Ingenieur in der Probezeit aufführen müssten.Und keine Angst: Das alles ist lösbar, viele Berufsanfänger bekommen ein Einstiegsangebot von derjenigen Firma, bei der sie ihre Abschlussarbeit angefertigt haben.

PS: Die Firmen vergeben solche Arbeiten weniger, um von den genialen fachlichen Erkenntnissen vom Studenten zu profitieren. Sie wollen vor allem spätere Angestellte kennenlernen, testen und frühzeitig an sich binden. Wenn sie denn „gut“ sind. Ein Urteil, das ich Ihnen wünsche.

Kurzantwort:

Die Anfertigung der Abschluss-(Diplom-) Arbeit bei einem Unternehmen dient diesem vor allem dazu, einen potenziellen neuen Mitarbeiter kennenlernen, „testen“ und ggf. gewinnen zu können. So profitieren Studenten und Firmen gleichermaßen davon.

Frage-Nr.: 2433
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 39
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2010-09-29

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