Heiko Mell

Waschmaschine contra Fast-Sportwagen

Frage: Ich habe mein Elektrotechnik-Studium abgeschlossen. Nun liegen mir zwei Angebote für den Berufseinstieg vor. Das eine ist von einem renommierten Waschmaschinenhersteller, das andere von einem großen Dienstleister, der mich wiederum bei einem Sportwagenhersteller einsetzen würde (das Projekt soll über mehrere Jahre gehen).
Inhaltlich würde mich das Thema bei dem Dienstleister mehr interessieren. Der Waschmaschinenhersteller zahlt etwas besser, aber auch das Dienstleister-Angebot ist für mich akzeptabel.Was können Sie mir empfehlen bzw. welche Punkte müssen noch beachtet werden?

Antwort:

Die erste Position nach dem Studium hat stark prägenden Einfluss auf den gesamten Werdegang. Branche, Tätigkeit (z. B. Entwicklung, Produktion oder Vertrieb), Firmenart und -größe spielen dabei eine entscheidende Rolle. Später sind Korrekturen aller drei genannten Faktoren noch möglich, aber sie sind aufwändig, mit Risiken behaftet und haben den „Charme“ von Umwegen, die Zeit und Energie kosten.

Prägend wirken auch Gegebenheiten in den ersten Unternehmen, die man vorher nicht abschätzen kann. Als da sind die Person des Chefs, ggf. auch die Harmonie unter den Kollegen (oder das Gegenteil) und zufällige bzw. völlig unplanbare Ereignisse wie Verkauf oder Insolvenz des Unternehmens. Oder Sie geraten bei einem Arbeitgeber in ein Projekt, über das Sie hochinteressante interne oder sogar externe Kontakte bekommen, die dann wiederum Ihre Laufbahn entscheidend beeinflussen (aus einem solchen Grund mache ich heute, was ich da mache – angefangen hatte ich in Organisation/DV).

Es lässt sich also keineswegs sicher vorhersagen, was für Sie unter Langfristaspekten besser ist. Was mir darüber hinaus noch zu den beiden Angeboten einfällt:- Beim Waschmaschinenhersteller sind Sie bei einem hochrenommierten, großen, bedeutenden Arbeitgeber angestellt. Im anderen Fall ist „Arbeitgeber“ im Lebenslauf der Dienstleister, Sie können dann höchstens in Klammern darunter schreiben „(eingesetzt im Projekt ABC bei der XY AG)“.

– Der Dienstleister erschließt Ihnen den Zugang zur Branche „Automotive“, der Waschmaschinenhersteller primär zur „weißen Ware“, sekundär zu „Haushaltsgeräten u. Ä“.

– Beim Waschmaschinenhersteller sind Sie normaler Mitarbeiter diese großes Unternehmens. Ihre Dienstzeit läuft, Sie erhalten die Sozialleistungen des Hauses – und Sie erschließen sich dessen Beförderungschancen.

– Der Dienstleister setzt Sie zwar beim Sportwagenhersteller ein, Sie arbeiten dort auch. Sie empfinden die Mitarbeiter des Sportwagenherstellers als Kollegen, aber das stimmt so nicht. Wenn dort entschieden wird, wer zum Gruppenleiter aufsteigt, dann wird das natürlich ein „richtiger“ Mitarbeiter des Sportwagenherstellers sein, nicht Sie. Ihnen bleibt dafür die Chance auf Beförderung beim Dienstleister (der Sie wegen Ihres ständigen Fremdeinsatzes vielleicht weniger gut kennt).

– Ich kenne die Verträge zwischen Dienstleister und Sportwagenhersteller nicht. Aber letzterer setzt natürlich Externe ein, um die Zahl seiner festangestellten Mitarbeiter gering zu halten – und um flexibel auf Marktschwankungen reagieren zu können. Ist ein Personalabbau erforderlich, reduziert man zuerst die Dienstleistungseinsätze. Entgeltsätze, Sozialleistungen, Vergünstigungen aller Art, die für die Mitarbeiter des Sportwagenherstellers gelten, haben keine Gültigkeit für Sie (es sei denn, Ihr Arbeitsvertrag würde genau das enthalten – was ungewöhnlich wäre).

– Das Konzept des Einsatzes von Dienstleistern dieser Art gerade bei großen Automotive-Herstellern ist etabliert, bewährt und hat Zukunft. Es wird immer weniger solcher Arbeitsplätze direkt beim Hersteller und dafür immer mehr beim Dienstleister geben. Nicht jeder, der Sportwagen bauen möchte, wird dort einen Arbeitsvertrag erhalten.Sie können nun die einzelnen Aspekte individuell für sich gewichten und müssen dann Ihre persönliche Entscheidung treffen.

Kurzantwort:

Die erste Anstellung nach dem Studium prägt stark den Berufsweg; Korrekturen sind später noch möglich, aber aufwändig.

Frage-Nr.: 2084
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 1
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2007-01-04

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