Heiko Mell

Start als Selbstständiger?

Frage: Ich habe mich u. a. bei einer Firma beworben, die mir eine Anstellung als Consultant im Bereich Entwicklung/Konstruktion anbietet, was also für mich heißen würde, mich selbstständig zu machen. Meine Frage ist nun: Wird eine solche Beschäftigung im Lebenslauf negativ bewertet (mit dem Hintergedanken „Man wollte Sie wohl nicht fest anstellen?“)?

Antwort:

Ganz habe ich die Geschichte mit dem selbstständigen Entwicklungs-„Consul­tant“ zwar nicht verstanden. Aber ich halte fest: Man will Sie nicht als Angestellten, sondern als eine Art Selbstständigen/Freiberufler o. ä. gewinnen. Und dazu lässt sich etwas sagen:

1. Der besondere Status des Angestellten wird u. a. dadurch gekennzeichnet, dass er sich grundsätzlich seine Arbeit nicht suchen muss – sein Arbeitgeber legt ihm Aufträge auf den Tisch. Und der Angestellte hat am Monatsende Anspruch auf das volle Gehalt – auch dann, wenn es für ihn wenig bis gar nichts zu tun gab. Wird dem Arbeitgeber die Beschäftigung des Angestellten zu teuer, muss er ihm kündigen. Ein „Sie waren in diesem Monat nur halb ausgelastet, also zahlen wir nur ein halbes Gehalt“ gibt es nicht. Hinzu kommt noch eine gewisse soziale Absicherung über den Arbeitgeber durch Zwangsbeiträge zur Kranken- und Rentenversicherung etc.

2. Der Selbstständige wird generell nach erbrachter Leistung bezahlt. Er muss grundsätzlich selbst für seine Auslastung sorgen. Ein Auftraggeber (der dann nicht mehr Arbeitgeber heißt) zahlt nur für so viel Leistung, wie er im Abrechnungszeitraum zu vergeben hat (halbe Auslastung = halbes Einkommen). Er kann sich wesentlich leichter von dem Selbstständigen trennen und ist für dessen soziale Absicherung nicht zuständig.Die Geschichte ist also weitreichender und komplexer als es aus Ihrer Frage hervorgeht. Sagen wir es einmal so: Der Normalfall einer Beschäftigung bei einem(!) Partner ist das Angestelltenverhältnis. Bietet dieser Partner statt dessen eine Mitarbeit als Selbstständiger an, so hat das für diesen Partner („Arbeitgeber“) deutliche Vorteile. Leider ist es so, dass auf diesem Gebiet Vorteile für eine Seite fast immer mit Nachteilen für die andere Seite verbunden sind.

Gehen Sie also einmal pauschal davon aus, dass dieses besondere Angebot für Sie eher nachteilig ist. Dies aber nur gegenüber dem klassischen Angestelltenverhältnis, nicht etwa gegenüber einer sonst drohenden Arbeitslosigkeit!

3. Nun zu Ihrer Frage: Ganz pauschal, immer irgendwie mitschwingend, aber durchaus nicht immer mit absolut „tödlicher“ Konsequenz gilt:Vom Angestellten zum Selbstständigen geht es immer (mit 24 ebenso wie mit 64), umgekehrt ist es schwierig, in vielen Fällen unmöglich. Vereinfacht gesagt: Der Weg in die Selbstständigkeit ist (fast) einer ohne Wiederkehr.Das hat viele Gründe. Nicht alle davon treffen in jedem Fall zu, aber sie alle führen zu Vorurteilen, die Firmen haben, wenn sie eine Angestellten-Position besetzen und sich ein Selbstständiger bewirbt.

Ganz besonders gilt das, wenn der Bewerber sich nach etwa fünf Jahren Selbstständigkeit bewirbt – und vorher noch niemals Angestellter (gerechnet wird ab Studienende) gewesen war! Ein wesentliches Argument ist dann, dass dieser Mensch noch nie in „abhängiger Beschäftigung“ tätig war, formal keinen „Vorgesetzten“ hatte, nicht gelernt hat, sich so ein- und unterzuordnen, wie man das als Angestellter nun einmal tun muss. Auch bekommt ein Selbstständiger nicht zwangsläufig ein Zeugnis, beispielsweise.

Nun könnten Sie im Einzelfall versuchen, allerlei Argumente anzuführen, dass es bei Ihrer Selbstständigkeit eigentlich nur um eine Art verdeckte Angestelltentätigkeit gegangen wäre und dass Sie praktisch wie ein Angestellter … aber das hätte den „rostigen Charme“ aller „Ausreden“.

Versuchen Sie also bitte, in Ihrem Werdegang erst eine Grundlage als Angestellter zu legen. Erfolgreich, im Rahmen der Regeln, mit guten Zeugnissen. Dann können Sie später immer noch darüber nachdenken, in die Selbstständigkeit zu wechseln.

Kurzantwort:

Der Wechsel von der Angestelltentätigkeit in die Selbstständigkeit ist grundsätzlich leicht und jederzeit möglich. Umgekehrt ist es sehr(!) viel schwieriger. Vor allem sollte man nicht direkt vom Studium in die Selbstständigkeit gehen, weil dann die Berufspraxis zu 100 % aus Nicht-Ange­stellten-Funktionen besteht.

Frage-Nr.: 2015
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 18
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2006-05-05

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