Wie wird mein Ausbildungsgang eingestuft?

Ich bin noch Student und schreibe an meiner Diplomarbeit.Nach Abschluss der Mittleren Reife habe ich zunächst das Technische Gymnasium besucht und dieses ohne Abschluss abgebrochen. Danach folgten ein fünfmonatiges Praktikum und eine abgeschlossene Ausbildung zum Werkzeugmechaniker.Im Anschluss daran habe ich die allgemeine Hochschulreife nachgeholt (2,8), ein Studium des Umweltingenieurwesens an der TU … aufgenommen und bin nach bestandenem Vordiplom an die Uni … gewechselt. Dort habe ich meine Diplomprüfungen mit 1,9 bestanden. Ich werde bei Studienabschluss 33 Jahre alt sein.1. Wie werde ich von Personalentscheidern aufgrund meines Ausbildungsganges eingestuft? Welche Chancen habe ich derzeit auf dem Arbeitsmarkt?2. Welche Zusatzqualifikationen sollte ich mitbringen, um meine Chancen zu erhöhen?3. Was bedeuten bei Fremdsprachen die Bezeichnungen „verhandlungssicher“, „Schulkenntnisse“ etc.?

Antwort:

Ihr bisheriger Ausbildungsgang wird beim Fachmann den Eindruck hervorrufen: Der Mann ist tüchtig, begabt, zielstrebig, zäh – aber kein Überflieger, kein Mann, der jede Hürde im Sturm nimmt, dessen Begabung ihn von Erfolg zu Erfolg trägt.Konsequenz bis dahin: kein Mann für das klassische Führungsnachwuchs- oder Traineeprogramm, sondern für den Direkteinstieg in eine sachbearbeitende Funktion. Auch das Alter stützt diese Empfehlung – es schließt Sie von vielen Traineeprogrammen bereits aus.Der Universitätswechsel ist grundsätzlich harmlos, war in Ihrem besonderen Fall sogar positiv (diese Anmerkung können nur Sie verstehen).Uni-Absolventen mit „Lehre“ vor dem Studium sind selten, werden aber von manchen Entscheidungsträgern wegen des Praxisbezugs besonders geschätzt. Nur wird man älter dabei – mit 33 müssen Sie in Einzelfällen schon mit zurückhaltenden Reaktionen rechnen. Es ist denkbar, dass größere Mittelstandsunternehmen an provinziellen Standorten hier toleranter sind als die „Perlen“ der Großkonzerne (letztere können wählen, erstere weniger).Die Begeisterung der Unternehmen für speziell umweltorientierte Ausbildungsgänge scheint seit einiger Zeit rückläufig zu sein.Sie haben aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten (die Sie gleichzeitig bei verschiedenen Bewerbungsempfängern ausprobieren können):a) Sie konzentrieren sich auf Ihr Umwelt-Fachgebiet, betonen es in der Bewerbung und zielen auf speziell daran interessierte Arbeitgeber und speziell darauf zugeschnittene Positionen.b) Sie betonen Ihre Basis als Werkzeugmechaniker und das Studium zum Dipl.-Ingenieur (univ.). Die Umwelttechnik „hängen Sie tief“, spielen Sie herunter. Sie heben hervor, dass Sie diese Fachrichtung lediglich als einen besonders breit angelegten Einstieg in die Ingenieurwissenschaften ansähen und jetzt durchaus offen seien für Tätigkeiten, die keine spezielle Umweltbezogenheit erkennen ließen.Zu 2: Sprachen sind immer gut, Englisch ist fast unverzichtbar. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind eine gute Empfehlung. Aber hängen Sie zu deren Erwerb kein Semester mehr an, Sie sind wahrlich alt genug. Positiv ist jede Art von Praxisorientierung, z. B. – neben Ihrer gewerblichen Ausbildung – praktische Tätigkeiten während des Studiums. Sehr hilfreich ist oft auch ein Auslandsbezug, z. B. einige Studiensemester bzw. Praktika im Ausland.Mit stark steigender Tendenz gefragt ist „soziale Kompetenz“, die schwer zu definieren ist. Gemeint ist damit die Fähigkeit, gut mit anderen Menschen umgehen zu können. Mitarbeit in studentischen Gremien, Partei-Jugendorganisationen, sozial engagierten Institutionen gelten z. B. als Indiz für solche Talente. Im fachlichen Bereich ist IT-Kompetenz hilfreich – für alle Positionen. Sehr „flüssiger“ Umgang mit PC und Internet sowie vielfältige Anwendererfahrungen sind gefragt bzw. werden als selbstverständlich vorausgesetzt.Zu 3: „Perfekt“ gibt es eigentlich gar nicht, nicht einmal in der Muttersprache. Es meint: „spricht und schreibt die fremde Sprache wie ein Muttersprachler“. Wird von Anfängern fast nie verlangt.“Verhandlungssicher“ meint, man sei in Wort und Schrift so gut, dass man in der Sprache nahezu alles machen kann, auch das Führen von geschäftlichen Verhandlungen. Das wird von Anfängern selten verlangt.“Fundierte Kenntnisse“, „sicheres/flüssiges Englisch“, „Englisch in Wort und Schrift“ heißt, man versteht im Gespräch, im Brief und am Telefon alles und kann im Gegenzug alles ausdrücken, wird dabei auch problemlos verstanden, unbedeutendere Fehler im Vokabular, in Grammatik und Rechtschreibung inbegriffen. Solch einen Menschen kann man ins Ausland schicken und ausländischen Partnern „vorsetzen“.“Schulkenntnisse“ bedeutet: Basis vorhanden, Übung fehlt, vor Anwendung ist intensive Schulung erforderlich.Als Tipp: Geben Sie Ihre Sprachkenntnisse so an, dass der Leser weiß, was Sie können – das ist besser als die Suche nach bestimmten Qualifikationsbegriffen.Beispiel: „Englisch: 5 Jahre Schulenglisch + ein sechswöchiges Praktikum während des Studiums in GB“, sagt hinreichend viel.

Kurzantwort:

Ein Alter von 33 Jahren bei Studienende liegt bereits deutlich oberhalb des Ideals; mit Vorbehalten von potenziellen Arbeitgebern bei der Suche nach der Einstiegsposition muss gerechnet werden.
Frage-Nr.: 1615
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 38
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2001-09-21

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