Heiko Mell

Wie habe ich Erfolg beim neuen Arbeitgeber?

Frage/1: Ich bin Ingenieurin mit Masterabschluss und insgesamt zwei Jahren Berufserfahrung. Meine erste Anstellung war bei einer Zeitarbeitsfirma. Deren Vertrag mit dem Kunden war auf ein Jahr befristet, ich musste mir danach eine neue Stelle suchen. Dort tauchten dann plötzlich Probleme in der Probezeit auf (mir fiel der Job nicht leicht; mein Chef forderte mich schließlich auf, die Kollegen nicht mehr „mit Fragen zu belästigen“). Schließlich wurde mir zum Probezeit-Ende gekündigt.< Es gab keinen Betriebsrat. Daher konnte ich mich nicht dagegen wehren. Die Kündigung habe ich allerdings nicht unterschrieben. Frage/2: Jetzt habe ich erfreulicherweise eine neue Anstellung bekommen, diesmal beim öffentlichen Dienst. Hier habe ich u. a. viel mit Verwaltungsvorschriften zu tun. Ich möchte gern langfristig in dem Amt tätig sein. Welche Tipps haben Sie für mich, damit ich dieses Ziel erreiche?

Antwort:

Antwort/1: Diese Phase sieht im Lebenslauf nicht gut aus, das wissen Sie. Die kurze erste Beschäftigung kann man noch erklären, eine arbeitgeberseitige Kündigung während der Probezeit schon sehr viel schwieriger. Da im Wort „Probezeit“ ja die „Testphase“ schon begrifflich enthalten ist, geht der Verdacht späterer Bewerbungsempfänger schnell in Richtung „gewogen und zu leicht befunden“ (nach Daniel 5,27).

Nehmen Sie dieses Ereignis als Warnsignal auch im Hinblick auf Ihr problemloses Hineinpassen in jene Arbeitswelt, die Sie sich bis dahin gesucht hatten (diese geheimnisvoll klingende Anmerkung wird verständlich, wenn man Teil 2 der Frage liest).

Übrigens: Kündigungen in der Probezeit sind generell ohne Angabe von Gründen möglich. Wäre ein Betriebsrat vorhanden gewesen, so hätte der auch nur „gehört“ werden, aber nicht zustimmen müssen. Und stets ist eine Kündigung eine einseitige Willenserklärung einer der Vertragsparteien, eine Unterschrift der anderen Seite ist dabei nicht erforderlich.

Antwort/2: Mir liegen zu wenige Informationen vor, um eine umfassende Stellungnahme abgeben zu können, aber so viel an Aussage ist möglich: Begreifen Sie die jetzt gefundene Anstellung als Ihre ganz besondere Chance. Das muss ein Erfolg werden, ein Scheitern oder Aufgeben kommt nicht in Frage.

Ohne Spezialist für den öffentlichen Dienst zu sein, versuche ich mein Bestes:

1. Die Welt des öffentlichen Dienstes ist eine andere. Horchen Sie in dieses Umfeld hinein, nehmen Sie die Ihnen als solche erscheinenden Besonderheiten (bezogen auf Ihr bisheriges berufliches Umfeld) aufgeschlossen zur Kenntnis. Stellen Sie – zumindest nicht öffentlich – keine Vergleiche mit der Welt der Industrie an, werten Sie nicht. Keine der „Welten“ ist besser oder schlechter, aber anders sind sie jeweils schon.

2. Die Denkungs- und Handlungsart der Kollegen muss früher oder später auch Ihre werden (besser früher). Diese Kollegen sind zunächst einmal der Maßstab, an dem Sie sich orientieren sollten. Später, in ein paar Jahren, wenn Sie fest integriert sind, können Sie dann – innerhalb gegebener Grenzen – Ihren eigenen Stil entwickeln, am Anfang ist Anpassung angesagt.

3. Die Kollegen müssen Sie nicht stürmisch lieben, aber akzeptieren. Wenn die jeden Tag fünf Minuten länger bleiben, wäre Ihr täglicher Einsatz von einer Überstunde zu viel (außer in Sonder- und Notfällen), sechs Minuten würden völlig reichen.

4. Generell dürften Vorschriften aller Art im Tagesgeschäft eine größere Rolle spielen als in Ihrem früheren Umfeld. Eine positive Einstellung dazu dürfte erwartet werden.

5. Achten Sie auf kleine und mitunter nur zu erahnende Äußerungen Ihrer Vorgesetzten. Diese müssen mit Ihnen und Ihrem Tun zufrieden sein. Das ist nicht zu verwechseln mit „Schleimen und Kriechen“, was Chefs weder im „Amt“ noch in der „Wirtschaft“ schätzen.

6. Fragen Sie sich die nächsten Jahre nicht, ob es Ihnen dort gefällt, was Sie stört oder nervt. Arbeiten Sie einfach engagiert im dort üblichen Rahmen (mitunter erschweren Frauen ihre Situation, indem sie sehr gefühlsbetont auf „äußere Umstände“ reagieren).

Kurzantwort:

Wer aus der Sicht der Vorgesetzten ein Mitarbeiter „wie die anderen auch“ ist, wird vermutlich nicht befördert – aber auch nicht entlassen.

Frage-Nr.: 2754
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 21
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2015-05-21

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