Heiko Mell 02.01.2016, 08:21 Uhr

Er ist ein Choleriker

(Hinweis von mir: Die Frage steckt voller Fehler und Ungeschicklichkeiten im Umgang mit der deutschen Sprache, von „mittelständig“ über „Ihm“ bis zum seit Jahrzehnten überholten Ausrufezeichen nach der Anrede. Ich verzichte auf die Einzelkritik und habe beim Abdruck alles geglättet. Aber Sie, die Einsenderin, sollten wissen, dass Ihre Kenntnisse ungenügend sind; H. Mell):

Vor fast drei Monaten habe ich in einem mittelständischen Unternehmen als Ingenieurin begonnen. Das Unternehmen ist vital und innovativ, was mir gefällt. Mein Schreibtisch steht (wahrscheinlich aus Platzgründen) bei einer anderen Arbeitsgruppe direkt in einem Nachbarbüro.

Der Vorgesetzte dieser Gruppe, der auch in jenem Büro sitzt, hat die Angewohnheit, sich gern lautstark über Missstände zu beschweren, die er sieht. Daraus entwickeln sich gelegentlich handfeste Streitereien. Da ich neu bin, habe ich mir das eine Weile kommentarlos angesehen. Nun hat dieser Vorgesetzte aber auch mich lautstark beschimpft, als ich ihm eine Frage stellte, die ihm nicht passte.

Er hat extra betont, dass dies nicht persönlich gemeint sei. Das macht ihn meiner Meinung nach zu einem Choleriker, der einfach genau in diesem Moment seinen Kick brauchte. Ich habe bisher noch nicht beobachtet, dass sich ihm jemand von seinen Mitarbeitern ernsthaft widersetzt hätte. Daraus schließe ich, dass er aus irgendeinem Grund eine Sonderstellung einnimmt.

Wie gehe ich mit dieser Situation am besten um, ohne mich selbst aus diesem Unternehmen zu katapultieren?

Antwort:

Solche Fälle mit dem Schreibtisch in einer Nachbarabteilung gibt es, nicht immer passt der vorhandene Raum genau zum Platzbedarf einer organisatorischen Einheit.

Nun sind Sie Gast in jener Gruppe, in jenem Raum. Als solcher sollten Sie sich zurückhalten, in jeder Beziehung. Arbeiten Sie möglichst still vor sich hin, beteiligen Sie sich nicht an eventuellen Meckereien der dortigen Mitarbeiter über ihren Vorgesetzten. Das alles geht Sie nichts an.

Vermeiden Sie unnötigen direkten Kontakt zu jenem Vorgesetzten, reden Sie ihn nur im Notfall an, beteiligen Sie sich möglichst nicht an allgemeinen Diskussionen, wenn er im Raum ist und stellen Sie ihm keine Fragen, die nicht sein müssen.

Sie sind in jenem Raum „die Fremde, die hier nicht hingehört“ – eine äußerst undankbare Position, die Ärger geradezu anzieht. Seien Sie höflich, freundlich und nett, wenn man Sie anspricht. Damit auch das klar ist: Sich gegen diesen Vorgesetzten (eventuell) zu wehren, ist Sache der Mitarbeiter dieser Gruppe, nicht Ihre. Eigentlich ist es sogar Sache seines Chefs, aber Ihre keinesfalls.

Sprechen Sie gelegentlich vorsorglich mit Ihrem zuständigen Vorgesetzten über die Situation, damit er vorbereitet ist, wenn sein Choleriker-Kollege ihm irgendwann erzählt, mit Ihnen sei es kaum auszuhalten. Ihr mittelfristiges Bestreben muss es sein, aus diesem Raum wieder rauszukommen und da zu sitzen, wo Ihre Kollegen aus Ihrer Gruppe auch sitzen. Sonst können Sie in Ihrer „Stammgruppe“ nie richtig warm werden.

Wahrscheinlich ist im Augenblick keine andere Lösung möglich, daher erwartet man von Ihnen, dass Sie mit der Situation irgendwie fertigwerden. Lassen Sie auch eventuell persönliche Angriffe mit freundlicher Distanziertheit an sich abprallen und beobachten Sie die Situation weiter – Sie lernen daraus. Aber es ist nicht vorrangig Ihr Problem!

Kurzantwort:

Frage-Nr.: 2624
Nummer der VDI nachrichten Ausgabe: 19
Datum der VDI nachrichten Ausgabe: 2013-05-08

Ein Beitrag von:

  • Heiko Mell

    Heiko Mell ist Karriereberater, Buchautor und freier Mitarbeiter der VDI nachrichten. Er verantwortet die Serie Karriereberatung innerhalb der VDI nachrichten.

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